Feinste Fantasy: Die Gilde der schwarzen Magier

Gibt es ein Leser-Leben nach „Harry Potter“? Nun, einige Jahre nach dem letzten Hogwarts-Besuch habe ich eine Reise nach Kyralia unternommen – so der Name jenes Phantasie-Reiches, das die Australierin Trudi Canavan erschaffen hat. Obwohl das erste Buch bereits im April 2006 in Deutschland erschienen ist (November 2001 in Australien), machte ich erst im Jahre 2012 die Bekanntschaft von Sonea, Cery und Akkarin. Um es vorweg zu schicken: Ich habe die Bände der Triologie hintereinander weg verschlungen.

Die Welt von Kyralia

In Kyralia gibt die Gilde der Magier den Ton an, ihr Oberhaupt ist Akkarin, der Hohe Lord. Die Magier leben in einem eigenen Viertel in Irmardin – so der Name der Hauptstadt. Wie bei Tolkien hat die Autorin einen Plan der Stadt beigefügt. Allerdings ist Canavans Sprache so klar, sind ihre Beschreibungen so bildhaft, dass man sich alles bestens vorstellen kann – auch ohne die Zeichnungen. Als „Häuser“ werden jene Familien bezeichnet, aus denen der Magier-Nachwuchs rekrutiert wird. Aus Kaufmannsfamilien oder gar aus den „Hütten“ wird niemand erwählt.

Im Hüttenviertel leben Menschen ohne große Zukunft und unter schlechten hygienischen Bedingungen – genau so, wie am Rande zahlreicher Städte der Erde. Und unter Kyralia – im wahrsten Sinne in der Unterwelt – da haben die Diebe das Sagen.

Ein Klassensystem also. Eines mit ganz eigenen Regeln. Von denen auch einige an unsere Welt erinnern. Der Autorin gelingt es, ihre fantastische Welt glaubhaft darzustellen. Sie schafft eigene Namen für Tiere oder auch für Gerichte und Getränke – die im Anhang auch erläutert werden. So steht Bol beispielsweise für eine Art Bier.

Die Handlung

Ein Mal im Jahr treten die Magier an, um die Stadt von Bettlern, Dieben und Gesindel zu reinigen. Bei einer solchen Säuberungsaktion wird das magische Talent von Sonea entdeckt.

Sonea ist im Hüttenviertel aufgewachsen und wird nun zu einer Heldin wider Willen. Aber einer, die schnell die Sympathie des Lesers gewinnt. Genau wie Cery, ihr diebischer Freund, der ihr hilft, sich vor der Gilde der Magier zu verbergen. Denn Sonea fürchtet, dass die Magier sie töten wollen. Es beginnt ein atemberaubendes Versteckspiel, aus dem allerdings immer mehr bitterer Ernst wird. Denn Sonea kann ihre entfesselte Magie nicht beherrschen…

Fazit

Trudi Canavan versteht es, verschiedene Handlungsstränge geschickt miteinander zu verknüpfen und den Spannungsbogen bis zum Schluss aufrecht zu erhalten. Vor allem hat sie eine ganz eigene Welt geschaffen. Die erinnert zwar in Teilen an reale Verhältnisse (siehe das Hüttenviertel), aber das mindert keineswegs die Magie der Geschichte. Plastisch schildert Canavan die unterirdischen Gänge. Sie beschreibt ihre Protagonisten und deren Gefühle so, dass man sie sich gut vorstellen kann. Und auch die Magier offenbaren durchaus menschliche Regungen wie Furcht, Missgunst oder Mitgefühl.

Was mich allerdings sehr gestört hat, ist an einigen Stellen die Wortwahl (oder die der Übersetzerin). „Kichernde“ Magier mag es zeitweise geben; aber mehr als vierzig Mal auf 540 Seiten – das ist ein bisschen viel. Noch dazu an etlichen Stellen völlig unpassend. Dennoch: Am Ende möchte man sofort den zweiten Teil lesen.

Trudi Canavan, „Die Gilde der schwarzen Magier“, 1. Teil: Die Rebellin

543 Seiten, 9.95 Blanvalet TB, eBook, VÖ 18. April 2006

Zweiter Teil: Die Novizin

Dritter Teil: Die Meisterin

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