Weihnachten im alten Kiel: Mit dem Pekschlitten über die Förde

Damals, ja damals waren die Winter lang die Häfen zugefroren und der Schnee lag hoch. Wenn man Schilderungen vergangener Jahrhunderte liest, wird diese Behauptung bestätigt. Antje Erdmann-Degenhardt hat diese und viele weitere Auszüge aus winterlichen Erinnerungen zusammengetragen. Zwar ist im Titel des Buches von Weihnachten die Rede, aber die Bandbreite ist viel größer. Diverse Bräuche wie Weihnachtsessen und Rummelpottlaufen werden natürlich erläutert.  Die vielen Schilderungen von Zeitzeugen, aber auch Erinnerungen an die Kindheit sind ein großes, großes Plus dieses Buches. 

So beschrieb Christian Graf Stolberg im Dezember 1776 in einem Brief an den Dichter Klopstock die gefährliche Reise mit einem Eisboot: „Ein Eisboot ist ein kleines Fischerboot, das über das dicke Eis sehr leicht wegzuziehen ist, das aber durch das dünne Eis mit unendlicher Mühe weggebracht werden muss.“ Dann musste die Eisdecke mit Stangen zerschlagen werden – dabei standen die Fischer oft bis zu den Knien oder tiefer in der eiskalten Wasser der Ostsee.

Der Winter konnte aber auch Vergnügen bedeuten

Nicht nur im Pferde- sondern auch mit dem Pekschlitten. Diese waren eine norddeutsche Besonderheit: „… dagegen haben die Schiffer eine Art Schlitten mit Rück- und Seitenlehnen versehen, je für eine Person. Der Schiffer, der hinter der Rückenlehne auf einer Verlängerung des Schlittens steht, leitet denselben vermittelst einer mit eiserner Spitze beschlagenen Stange so gewandt, das es wie der Wind vonstatten geht…“, berichtete der Kaufmann Fritz Klemm 1825 in einem Schreiben an seine Eltern. Genau genommen waren dies ja Schlitten für zwei Personen. Ganz alleine standen jedoch die Kinder auf diesem winterlichen Fortbewegungsmittel, das seinen Namen von der Antriebs-Stange – Pek oder Peek – hat (zu sehen auf der Internetseite).

Da ist zum Beispiel der „Bummel durch Kiel um 1880“, an den sich Günter Loewe erinnerte –  und bei dem der Leser erfahren kann, wie die Innenstadt einmal aussah. Leider erfährt der Leser in diesem Bericht nicht, wer Günter Loewe war, kann aber dem Anhang entnehmen, dass seine Erinnerungen „Jugendjahre in Kiel 1886-1902“ in den Mitteilungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte abgedruckt wurden – 1966. 

Aus zahlreichen unterschiedlichen Quellen hat die Herausgeberin das Material zusammengetragen – eine mühsame Arbeit, die das Buch aber umso schätzenswerter macht. 

Für alle Nicht-Kieler wäre eine Straßenkarte jedoch von unschätzbarem Wert gewesen: Denn so bleiben für jene, die sich nicht gut in der Landeshauptstadt auskennen, manche Schilderungen ein wenig abstrakt. Und man hätte sich dann ein Foto aus der Gegend gewünscht oder eine Zeichnung (so vorhanden). Jetzt sind die Geschichten mit historischen Zeichnungen illustriert, die vielfach jedoch die damalige Atmosphäre widerspiegeln.

Fazit

Eine reichhaltige Fundgrube für alle Geschichtsinteressierten! Und nicht nur eine Fülle von Geschichten und Details, sondern auch noch Literaturhinweise im Anhang für alle, die noch mehr wissen wollen. 

Antje Erdmann-Degenhardt, „Weihnachten im alten Kiel“

222 Seiten, 15.95 Euro, Verlag der Nation (Verlagsgruppe Husum), VÖ 2007

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