Bestrickende Geschichte

Ein Schlaganfall hat der 85-jährigen Maria Dolors die Sprache genommen. Seitdem lebt sie bei ihrer Tochter und deren Familie. Unbeachtet sitzt sie tagein, tagaus in ihrem Sessel und strickt. Dabei erinnert sie sich an ihr bewegtes Leben und bekommt durchaus mit, wie es hinter der Fassade ihrer scheinbar so normalen Familie aussieht. Denn jeder hütet hier ein Geheimnis – auch Dolors selbst. (Verlagsinfo)

„Zwei rechts, zwei links und bloß keine fallen lassen…“. Einwenig in die Irre führt er schon, der Titel von Blanca Busquets Roman. Natürlich ist die Woll-Lust doppeldeutig gemeint. Aber wer heiße Sex-Szenen erwaret, liegt falsch.

Während die 85-jährige Dolors in ihrem Sessel sitz und ihren Gedanken nachhängt, strickt sie einen Pullover für die Enkelin Sandra. Dolors ist nach einem Schlaganfall stumm – aber ihr Verstand noch immer wach. Als einziger erkennt das Enkel Marti: „Oma ist eine blitzgescheite Frau, die will nicht nur einfach dasitzen und Däumchen drehen.“

Und Oma bekommt auch weit mehr mit, als ihre Tochter Leonor meint, bei deren Familie sie lebt. Jeder hat hier seine Probleme: Leonor mit ihrem Ehemann, die 16-jährige Sandra mit ihrem Freund, und auch Marti – der schwul ist.

Der Leser erfährt jede Menge Familiengeheimnisse. Und er erfährt auch vieles aus dem Leben von Dolors, die ein bewegtes Leben geführt hat.

Fazit

Es sind zutiefst menschliche Geschichten, die die Autorin erzählt – auf bestrickende Art und Weise.

Blanca Busquets, „Die Woll-Lust der Maria Dolores“, Aus dem Katalanischen von Ursula Bachhausen

280 Seiten, dtv, 12.90 Euro, 1. Januar 2011

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