Botanikerin Jeanne Barret als Vorbild ⭐️⭐️⭐️

England, spätes 18. Jahrhundert: Von ihrem Vater, einem Arzt und Wissenschaftler, zur Botanikerin ausgebildet, träumt die junge Mary Linley davon, die Welt zu bereisen. Doch als sie nach dem Tod des Vaters verheiratet werden soll, sieht sie nur eine Möglichkeit, ihrer Berufung zu folgen. Sie gibt sich als Mann aus, um an Bord der Sailing Queen im Stab des Botanikers Sir Carl Belham auf Expeditionsfahrt zu gehen. Die Lebensbedingungen auf See erschüttern sie, denn Entbehrungen, Krankheiten und Tod prägen den Alltag. Dennoch glaubt sie, ihr Ziel erreicht zu haben: Sie erkundet fremde, faszinierende Länder. Erst durch die Liebe zu Sir Carl Belham erkennt sie, dass sie sich für ihre Ideale selbst verleugnet. (Verlagsinfo)

Für Freunde historischer Frauenromane eine fesselnde Thematik. Zumal, da die Person von Mary Linley ein reales Vorbild hat. Es ist die Geschichte der französischen Botanikerin Jeanne Barret (auch Baret oder Baré), die die Autorin zu ihrem Buch inspiriert hat und deren Leistungen erst spät anerkannt wurden.

Die Französin lebte von 1740 bis 1803, in einer Zeit, in der Frauen nur die Rolle der Ehefrau zugedacht war. Barret heuerte damals auf einem Schiff an – allerdings aus anderen Gründen als die der Romanheldin. Sie drückten ganz simpel Geldsorgen. Philibert Commercon war der Arbeitgeber der jungen Frau, die sich als Mann verkleidete, um als Kammerdiener und Assistent des Botanikers arbeiten zu können.

Liebe steht im Mittelpunkt

Weite Teile des Romans sind fesselnd. Bedauerlich ist allerdings, dass Winterberg den typischen Blickwinkel einer Frau des 21. Jahrhunderts ein nimmt – was vor allem die Motivation zu Linleys Reise-Entschluss betrifft. War die Ehe mit einem ungeliebten Mann für die meisten Frauen damals wohl ein gelittenes Übel…

Aber natürlich ist es das gute Recht eines Romanciers, Gefühle und Beweggründe seiner Protagonisten zu erschaffen. Darin ist Winterberg auch stimmig und konsequent.

Nur  – Leser:innen, die in erster Linie ein botanisches Abenteuer erwarten, werden enttäuscht werden. Die Entdeckung der Liebe steht im Zentrum der Geschichte. Außerdem stellt sich für mich die Frage:  Wenn schon durch eine historische Person inspiriert – warum denn nicht gleich ein Roman über Barret?

Fazit

Nicht schlecht, aber hier ist meiner Meinung nach Potential verschenkt worden.

Liv Winterberg, „Vom anderen Ende der Welt“

448 Seiten, 14.90 Euro, dtv premium, VÖ 1. Juni 2011

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