Stührwoldt hat die ganze Welt auf dem Kieker

Matthias Stührwoldt nimmt sein ganzes Leben mit Humor. Und er ist nun schon etliche Jahre auf dieser Erde. „Dat is nu över dörtig Johren her“ ist daher eine Wendung, die in seinen neuesten Geschichten öfters auftaucht. Egal, ob es sich um die Erinnerung an Schlittenfahrten hinter dem Trecker handelt oder an den Tod von John Lennon.

Längst hat sich der schreibende Landwirt aus Stolpe im Kreis Plön einen Namen unter den schleswig-holsteinischen Autoren gemacht. Denn egal ob auf Hochdeutsch oder auf Platt: Stührwoldt schaut genau hin und thematisiert, was alle betrifft. Das können die kleinen Missgeschicke seiner (fünf) Kinder sein, aber auch Glücksmomente – wie der Weihnachtschor in der Schule: „Ik heff den Duft in de Nees, un ik heff den Klang int Ohr. Ik warr dat nie nich vergeten.“

Natürlich geht es auch oft genug um Begebenheiten aus der Landwirtschaft, schließlich hat Stührwoldt den elterlichen Hof übernommen und auf Bio-Landwirtschaft umgestellt. Doch er will nicht missionieren, sondern unterhalten. Und so geht es dann um menschliche wie tierische Stärken und Schwächen. Zum Beispiel, wenn die Schweine von einer Koppel auf die andere getrieben wurden und sein Vater ausgebüxte Tiere verfolgte. Der Landwirt (Jahrgang 1968) stellt fest, dass es heute bei ihm „schwabbelt un wabbelt so as bi em darmols. Aver ik heff noch jedet Tier kregen. Ik kann lopen. Noch.“

Auch wenn es Begebenheiten vom Hof sind – der Autor hat die ganze Welt auf dem Kieker. Und dies, genau wie sein Witz und seine Ironie, sind die Geheimnisse seines Erfolges. Übrigens: Auch wenn Stührwoldt Platt schnackt – es ist sein heimisches Platt, dessen Schreibweise der Verlag übernommen hat und das für jedermann leicht zu verstehen ist.

Matthias Stührwoldt, „Lever he as ik!“

104 Seiten, 6.80 Euro, Quickborn Verlag, 14. September 2011

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