Rezension – Charitas Bischoff: Amalie Dietrich

Bewertung: 4 von 5.

Von der Naturforscherin Amalie Dietrich sind keine schriftlichen Dokumente erhalten. So ist über ihre Gedanken und Gefühle nichts überliefert – außer aus der Sicht ihrer Tochter Charitas Bischoff. Die von ihrer aufgezeichnete Lebensgeschichte wurde ein Bestseller, der immer wieder aufgelegt wurde.

Buchinfo

Amalie Dietrich war Deutschlands bedeutendste Australien- und Naturforscherin, Botanikerin, Zoologin und Pflanzenjägerin im 19. Jahrhundert. Ihre Tochter Charitas Bischoff schrieb diese Biografie über ihr Leben und Wirken. >> siehe Biografie

Kompromissloser Lebensweg

Den Lebensweg, den Amalie Dietrich wählte, war kompromisslos und für die damalige Zeit sehr ungewöhnlich. So hat sie wohl immer darunter gelitten, dass sie sich kaum um ihre Tochter kümmern konnte (und wollte). Ihre Tochter schildert die Jugend in einfachen Verhältnissen, die Sammelleidenschaft und die Reisen nach Australien. Das Werk erschien in zahlreichen Auflagen und galt lange Zeit als authentische Biografie ihrer Mutter. 

Erfindungen und Verklärungen

Inzwischen ist erwiesen, dass es sich bei dem Buch weitgehend um eine romantisierende Fiktion handelt. Das stellte bereits kurz nach Erscheinen des Buches im Jahre 1909 Dr. Johann Georg Pfeffer, der hauptamtliche Kustos des Hamburger Zoologischen Museums, fest. Und 1912 äußerte der Direktor des Botanischen Gartens in Melbourne, J. H. Maiden, Zweifel an der Wahrheit der Darstellung: „Jeder, der das australische Leben und die Flora kennt, wird feststellen, dass die Briefe, wie sie publiziert worden sind, von einer Person stammen, die Australien nicht gesehen hat“, heißt es in der Biografie-Datenbank „Frauen aus Hamburg”.

Und weiter: „Diese Zweifel wurden von der australischen Forscherin Ray Sumner bestätigt, die 1988 nachwies, dass die Briefe zahlreiche botanische Fehlinformationen enthalten, die Amalie Dietrich nicht unterlaufen wären. Stattdessen entdeckte Ray Sumner zum Teil wörtliche Zitate aus dem populären Buch „Unter Menschenfressern“ von Carl Sophus Lumholtz. Aber nicht nur die angeblich authentischen Briefe von Amalie Dietrich sind erfunden, auch der übrige Text erscheint häufig wie die Projektion einer unglücklichen, bei fremden Leuten herumgereichten Tochter.“

Autorin

Charitas Bischoff war die Tochter der Botanikerin Amalie Dietrich. Diese reiste 1863 nach Australien, wo sie im Auftrag des Kaufmanns und Sammlers Johan Cesar Godeffroy zehn Jahre lang botanische Studien betrieb. Ihre Tochter Charitas wurde bei Pflegeeltern und von 1865 bis 1869 in einem Internat in Wolfenbüttel erzogen, danach war sie zwei Jahre lang als Gouvernante in London tätig. Nach der Rückkehr Amalie Dietrichs im Jahre 1873 gestaltete sich das Verhältnis zwischen der weitgereisten Mutter und der kultivierten Tochter schwierig. Charitas heiratete im gleichen Jahr den Pastor Christian Bischoff und lebte in den nächsten Jahren mit ihrer Familie im nordschleswigschen Roagger und in Rendsburg. Nachdem 1891 die Mutter Amalie Dietrich und 1894 der Ehemann Christian Bischoff gestorben waren, zog Charitas Bischoff mit ihren zwei Kindern nach Blankenese, wo sie als freie Schriftstellerin lebte. Im dortigen Treppenviertel ist eine Treppe nach ihr benannt. Charitas Bischoff verfasste erzählende und autobiografische Arbeiten. Ihren größten Erfolg erzielte sie mit dem Werk „Amalie Dietrich“, (Quelle: Wikipedia)

Fazit

Es ist keine Biografie, eher ein biografischer Roman, in dem die Tochter zahlreiche Stationen aus dem Leben ihrer Mutter mit ihrer Fantasie angereichert hat. Wenn man das Buch als Roman liest, ist es reizvoll und man kann etwas über die eigenwillige Naturforscherin erfahren, kann einen Eindruck von der Persönlichkeit und dem harten Leben dieser ungewöhnlichen Frau gewinnen.

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