Lüder Lüders: Das World-Wide-Web als tickende Zeitbombe ⭐️⭐️⭐️⭐️

Lüder Lüders ermittelt wieder. Dieses Mal führt den Kieler Kommissar vom Landeskriminalamt das Verbrechen nach Rendsburg und Umgebung. Und wie es die Art von Autor Hannes Nygaard ist, hat er die Tatorte dafür zuvor akribisch unter die Lupe genommen. Auf diese Weise wird der ortskundige Leser etliches wieder erkennen.

Was den Leser und die Leserin dagegen wohl verwundern wird, ist die Art der Kriminalität, die den Kommissar dieses Mal beschäftigt: Um das Internet, seine globalen Verflechtungen und die Auswirkungen auf das Leben des Einzelnen kreisen die Gedanken und Ermittlungen. Ein hochaktuelles Thema also – und das in der norddeutschen Provinz.

Die Internetgefahren reichen in Nygaards Erklärungen von Cyber-Terror bis zu Schüler-Mobbing. Das ist ein weites Feld. Er schildert das World-Wide-Web als tickende Zeitbombe. Eine schöne, neue Welt, in der einige wenige Hacker das Alltagsleben von Millionen lahm legen können. „Der Große Bruder ist technisch in der Lage, seine Bürger überall hin zu verfolgen, seine Gewohnheiten und Neigungen, Hobbys, Konsumgewohnheiten und so weiter auszuforschen“, lässt Nygaard einen Kieler Informatik-Professor feststellen. „Sie brauchen keinen Blockwart mehr, keine informellen Mitarbeiter wie die Stasi in der DDR. Das alles erledigt Kollege Computer für Sie.“

Dieses Thema aufzugreifen und transparent zu machen, ist lobenswert. Allerdings wirken manchen Passagen fast lehrerhaft. Erklärungen und Wortwahl sind des Öfteren sehr sachlich; erwecken den Anschein von einem Buch im Buch.

Ein Toter an der Rendsburger Schwebefähre

Wenn es dann um die Schilderungen der Örtlichkeiten geht, dann ist Nygaard in seinem Element. Eine Firma namens „securus consulting“ werden die Leser in Büdelsdorfer Industriegebiet Fehmarnstraße vergebens suchen.

Druckzentrum des shz in Büdelsdorf. Foto: Wolfgang Henze

Doch Nygaard erwähnt auch das sh:z-Druckzentrum, führt seine Leser in der Rendsburger Innenstadt vom Parkhaus Nienstadtstraße an einer Confisserie und der Geschäftsstelle der „Landeszeitung“ vorbei. Und spart nicht mit treffenden Beobachtungen („In Rendsburg erstarb das Leben mit dem Schließen der Geschäfte“) genau wie mit top-aktuellen Anmerkungen (Sanierung und Stau am Kanaltunnel). 

Die Rendsburger Schwebefähre, als sie noch schwebte. Foto: Sabine Sopha

Akribisch hat der Autor auch Details zur Schwebefähre notiert. Hier nimmt das Buch seinen Anfang, als ein Toter gefunden wird. Aber auch bei diesen Details wäre weniger mehr gewesen, vor allem, da nicht alle Angaben für den Handlungsfortlauf entscheidend sind. 

Alles in allem: Rendsburger werden ihre Stadt wiedererkennen und wohl allein deswegen an dem Krimi mit topaktuellen Thema Gefallen finden.

Hannes Nygaard, „Schwere Wetter“

 256 Seiten, 9.90 Euro, Emons Verlag, VÖ 8. März 2012

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