Mörderisches Festival: Tod in Wacken – Lyn Harms dritter Fall ⭐️⭐️⭐️⭐️

Nach wenigen Monaten schon über 10 000 Exemplare verkauft – das ist ein Riesenerfolg für den Krimi von Heike Denzau. Aber ehrlich, wundern wir uns darüber? Schließlich pilgern jährlich mehr als 75 000 Metal-Fans in den Ort im Kreis Steinburg.

Und selbst wer nicht zu denen gehört, die schon für 2014 Karten haben (das Festival ist bereits seit Mitte August 2013 ausverkauft!!), wird gerne zu diesem Buch greifen. Ein guter Plot, sympathische Ermittler und ein unaufgeregter Stil machen es auch für Nicht-Krimi-Fans interessant.

Tathergang

Drei Männer werden getötet. Sie leben in verschiedenen Städten und es scheint keine Beziehung zwischen ihnen zu geben. Doch die Fäden laufen in Wacken zusammen: Hier haben sich die drei jedes Jahr zum Metal-Festival getroffen.  Aber warum mussten sie sterben? Lange Zeit tappen die Kripobeamten im Dunkeln – während sie versuchen, einen weiteren Mord zu verhindern. Denn einer aus der Gruppe lebt noch, vergnügt sich auf dem Festival. Nur eines wissen die Ermittler: Der Mörder versucht, sein letztes Opfer hier aufzuspüren – genau wie sie. Ein Wettlauf beginnt.

Tatort: Das Wacken-Festival

War Wacken vor zehn Jahren nur Eingeweihten bekannt, ist es inzwischen Kult und genießt internationales Renommee. Anfang August verwandelt sich das beschauliche Dörfchen dann in die Hochburg des Heavy Metal. Während dieser Zeit herrscht friedliche Koexistenz von Dörflern und den Gestalten in Schwarz. Einige wenige Bewohner haben wohl mal geklagt gegen den Musiklärm, aber den Veranstaltern ist es immer wieder gelungen, Kompromisse zu finden, die beiden Seiten zufrieden stellen.  Längst sind es nicht nur Metal-Fans, die zu dem Festival anreisen. Schließlich hat auch die Shantie-Folk-Band Santiano hier schon gespielt, und eröffnet werden die drei tollen Tage von der Wackener Feuerwehrkapelle. 

Oder um es mit den Worten von Ermittler Thilo zu sagen:

„Das ist irre da. Und vor allen Dingen total friedlich. Da wollen achtzigtausend Menschen einfach eine schöne Zeit haben. Mit Musik und Musik und Musik und, zugegeben, jeder Menge Alkohol.“

Autorin Heike Denzau hat sich genau vor Ort umgesehen und beschreibt Festival-Gelände und Flair sehr gut und auch für Nicht-Eingeweihte bestens nachvollziehbar.

Wie Ameisen in ihrem Bau zogen schwarz gekleidete Menschen in beiden Richtungen an ihnen vorbei. Männlich, weiblich, langhaarig, kurzhaarig, glatzköpfig, tätowiert, gepierct und … etliche Normalos, die mit Hemd und Krawatte auch als Bankkaufmänner durchgehen konnten. Fröhlich schwatzend, wie von einer positiven Aura umgeben, bevölkerten sie Wacken.

Später verlagert sich der Tatort dann ins Vaaler Moor. Das Paradiestal in Burg und die Fähre über den Nord-Ostsee-Kanal spielen eine Rolle, aber auch Wewelsfleth an der Elbe, knapp 30 Kilometer von Wacken.

Ermittler

In Wewelsfleht lebt die Autorin und hier lebt Kommissarin Lyn Harms mit ihren zwei Töchtern . Liiert ist sie mit dem Kollegen Hendrik Wolff. 

Auch Hendrik hatte sich schnell daran gewöhnt, dass in Wewelsfleth der Friedhof, an den ihr Häuschen direkt grenzte, nicht an den Dorfrand verbannt war. Im Gegenteil. Mit der fünfhundert Jahre alten Trinitatisskirche bildete er den Dorfmittelpunkt, und an den Friedhofswegen war eigentlich immer jemand unterwegs. … Hier waren die Toten auf eine selbstverständliche Art eingebettet in den Alltag der Lebenden. 

Lyn Harms ist 39 Jahre alt, lebt von ihrem Mann getrennt. Kollege Wolff ist neun Jahre jünger als sie und hat es schwer, von Tochter Sophie akzeptiert zu werden. Es ist ein wohltuend normales Ermittlerduo von der Kripo Itzehoe. Das im Übrigen die „Norddeutsche Rundschau“ liest – so heißt die sh:z-Zeitung, die in dieser Region erscheint.

Fazit

Manches stellt sich als anders heraus, als es schien.

Aber das es gut so, denn nichts ist langweiliger als ein Krimi, bei dem der Leser schon nach wenigen Seiten ahnt, wer der Täter ist. Beziehungsweise warum die Tat geschah. Heike Denzau legt geschickt falsche Fährten, zeichnet die Charaktere stimmig. Ab Kapitel 13 wird’s dann richtig spannend! Alles in allem überzeugt Heike Denzau auf der ganzen Linie.

Webseite von Heike Denzau

Heike Denzau, „Tod in Wacken“, Lyn Harms 3

255 Seiten, 9.90 Euro, emons Verlag, VÖ 12. März 2013

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