Spannung mit der „Fahrt zur Hölle“ ⭐️⭐️⭐️⭐️

Mit diesem Fall von Hannes Nygaard erlebt Leder Lüders seinen schwierigsten Fall und das größte Abenteuer seiner Karriere.

Der enorme literarische Ausstoß von Hannes Nygaard ist schon als solches erstaunlich. Noch beeindruckender ist aber, wie es der studierte Betriebswirt immer wieder hinbekommt, mit einer eher selten zu lesenden Detailgenauigkeit komplexe technisch-operative Vorgänge, mit Bataillonen von Beteiligten,  zu beschreiben, wie er das in „Fahrt zur Hölle“ einmal mehr geschafft hat.

Mit einigem Recht darf bezweifelt werden, dass das schleswig-holsteinische Landeskriminalamt mit Kriminalrat Dr. Lüder Lüders über eine beinahe gleichstarke Zweitausgabe von James Bond verfügt, nichts desto scheint sich die Aufklärung der Entführung des deutschen Containerschiffs „Holstenexpress“ vor der somalischen Küste, überaus in seinem Buch durchaus dicht an eine mögliche Realität entlang zu hangeln.

Die Aufklärung des Entführungsfalls führt Lüders nach einigen politischen und hierarchiebedingten Imponderabilien schließlich nach Somalia, und von Mogadischu aus weiter in die Hochburg der Piraten ans Horn von Afrika. Lüders erlebt seinen schwierigsten Fall und das größte Abenteuer seiner Karriere, umso mehr sich der Entführungsfall immer mehr als politisch sanktionierter Waffenschmuggel entpuppt, der dem Fahnder auf seinen rauen Weg durch die Wüsten Ostafrikas auch noch des Rückhalts in der Heimat beraubt. 

Politische Ränkespiele

Die Handlung des Romans führt in ungewohnte Bereiche und beschreibt detailgenau politische Ränkespiele in Deutschland wie in Ostafrika. Letztlich holt die Deutsche Marine Fahnder und entführte Schiffsbesatzung wieder in Freiheit und Zivilisation zurück. Und auch die Operation der deutschen Fregatte „Bayern“ und deren Hubschrauber im Atalanta–Einsatz vor der somalischen Küste beschreibt Nygaard ausgesprochen kenntnisreich, obwohl er eingesteht, dass er diesen nicht persönlich begleitet hat. Dem Umstand mag dann schließlich auch die verzeihliche Ungenauigkeit geschuldet sein, dass ein Fregattengeschwader der Deutschen Marine nicht von einem Flottillenadmiral sondern von einem Kapitän zur See geführt wird.

Nygaards „Fahrt zur Hölle“ ist ein spannendes Buch, das den Leser vollends einfangen kann und ihn nicht ruhen lässt, bis er schließlich am Ende auf Seite 259 angekommen ist.

Hannes Nygaard, „Fahrt zur Hölle“

272 Seiten, 10.90 Euro, Emons Verlag, VÖ 12. März 2013

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