Historischer Kiel-Krimi aus der Zeit der Revolution von 1918 ◾️

Im Herbst 1918 schreiben die Matrosen in der Ostseestation Kiel Geschichte, als sie mit ihrem Aufstand das Ende von Krieg und Monarchie erzwingen. Doch die Gegner der Demokratie verlieren keine Zeit und planen noch in den Tagen des Umsturzes den Untergang der jungen Republik. August Guerin, Tischler auf der ehemals kaiserlichen Werft in Kiel, träumt von der Revolution und seiner ersten großen Liebe. Er hätte sich keinen schlechteren Zeitpunkt dafür aussuchen können. Der „Große Krieg“ ist beendet, die alte Monarchie scheint hinfortgespült, doch davon wird man nicht satt. Im Gegenteil. Der Alltag wird von Hunger und Kälte beherrscht, der Schwarzmarkt blüht. Dort wird August Zeuge eines grausamen Mordes und kommt einer Verschwörung ultrakonservativer Kräfte auf die Spur. Die Verschwörer schrecken vor nichts zurück, und bald hat August nur noch eine Hoffnung: den umjubelten neuen Gouverneur Kiels für sich und seine Sache zu gewinnen. (Verlagsinfo)
Das Buch
Wo heute in Kiel das Schauspielhaus steht, existierte Anfang des 20. Jahrhunderts ein kleines Theater. Hier wartet ein junger Werftarbeiter auf seine Angebetete, eine Schauspielerin. Er hat Zeit – denn nach dem Ende des Ersten Weltkrieges hat die Werft keine Arbeit für ihn. Die Menschen in Kiel hungern und unter den Arbeitern und Matrosen gärt es. August Guerin, so heißt der Arbeiter, und seine Lotte werden hineingesogen in den Strudel der Ereignisse, die Weltgeschichte schreiben werden.
Der Autor
Simon Voß ist Historiker. Der Lehrer arbeitet an einem Gymnasium in Ahrensburg und war als Vater einer kleinen Tochter in Elternzeit gegangen. Diese Zeit nutzte er, um seinen ersten Roman zu schreiben. Voß ist gebürtiger Kieler. Und daher fiel seine Wahl auch auf ein Kieler Thema. In der Schule hat er sich bei einer Projektwoche in der zehnten Klasse mit dem Matrosenaufstand beschäftigt. Zusammen mit einer Klassenkameradin ging er auf die Straße und befragte die Menschen zu diesem historischen Ereignis. „Wir trafen sogar noch Zeitzeugen!“ Das war Ende der 80er Jahre.
Voß meint, dass die Landeshauptstadt aus diesem großen geschichtlichen Ereignis viel zu wenig mache. Zwar gibt es ein Denkmal, dass an den Matrosenaufstand erinnert. Doch wer kennt Hans- Jürgen Breustes Plastik „Wik“ im Prinzengarten am Kleinen Kiel? Es gibt auch einen „Platz der Kieler Matrosen“ – so heißt seit dem 17. Juni 2011 der Bahnhofsvorplatz.
Der Matrosenaufstand
Zur Erinnerung: Am 4. November 1918 bricht der Aufstand in Kiel los. Am 5. November rufen die Matrosenverbände einen Generalstreik aus. Am 6. November weht die rote Flagge der Revolution in allen Hafenstädten – auch Hamburg. Am 7. November erfasst die Revolution die Industriestädte im Ruhrgebiet und andere Regionen. Am 9. November dankt Kaiser Wilhelm II. ab und ruft Philipp Scheidemann in Berlin die Republik aus. Doch damit kehrt noch lange nicht Ruhe ein. Reaktionäre Kräfte wollen die alte Ordnung wiederherstellen.
Das ist der Hintergrund, der Rahmen für das Buch von Simon Voß, das das Etikett „Krimi“ trägt, aber diesen Stempel nicht unbedingt benötigt hätte. „Obwohl die meisten Personen – wie August Guerin oder Korvettenkapitän Wolf von der Groende – fiktiv sind, sind ihre Motive doch ganz real und stehen stellvertretend für die Beweggründe anderer, die damals wirklich dabei waren“, sagt Simon Voß über seine Protagonisten.
Ein alter Kieler Reiseführer, Postkarten-Bildbände aus der Vergangenheit der Landeshauptstadt und viele, viele Tage im Landesarchiv haben ihm dabei geholfen. Da findet zum Beispiel das Stinkeviertel Erwähnung: Eine Fäkaliendüngerfabrik im Grasweg sorgte dafür, dass auch das Bürgertum auf dem westlichen Fördeufer nicht nur schön wohnt. Auch eine Anzeige aus einer damaligen Zeitung fand Eingang in eine Buchszene: „Kriegsheimkehrer bietet sich als Meister für eine Bäckerstube an. Wenn eine Tochter im Betrieb ist, ist spätere Heirat nicht ausgeschlossen.“
Fazit
Es Voß ausgezeichnet gelungen, die Atmosphäre jener Zeit einzufangen. Es gibt etliche kleine Details (Zeitungsanzeige), die sich im dem Buch finden.
„Dezemberkälte“, Simon Voß
272 Seiten, Wachholtz Verlag, VÖ 1. September 2013 (nur noch antiquarisch)
