Krass – komisch – Kiel ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

Frau Wegener ist tot. Das ist blöd, nicht nur für Frau Wegener, sondern auch für ihren Bridgeclub, der sich nun mehr oder weniger kopflos wöchentlich trifft. Dabei hatte alles so hoffnungsfroh begonnen, als Frau Wegener ihren Gatten verließ, um es noch einmal so richtig krachen zu lassen. Aber alles, was am Ende kracht, ist ein Auto – und zwar in Frau Wegener. Nun steht Torben vor den Scherben seiner platonischen Liebe und seinem noch platonischeren Hang zu den Karten. Werden sie ihm den Weg zum Mörder zeigen? Karten lügen nicht und Bridgekarten schon gar nicht. (Verlagsinformation)

Egal ob biedere Ehemänner, Bridge spielende ältere Damen oder schwule Hausfreunde, sie alle sind verstrickt in eine schräg-skurrile Handlung. Das Büchlein ist mit viel Lokalkolorit und Lebensweisheiten gespickt.

„Klar, wer Kiel kennt, der weiß: Da liegt man nicht gern. Tod liegt man natürlich nirgends gern, aber wenn, dann gibt es in Kiel weiß Gott bessere Ecken als ausgerechnet das Rondeel.“ 

So beginnt dieser außergewöhnliche Krimi. Frech und frisch formuliert die Autorin weiter, zum Beispiel über das Wahrzeichen der Stadt Kiel: „…. nun ist es doch nur das abgelutschte Gerippe einer Kieler Sprotte, das sich überall breit macht … an jedem zweiten Auto klebt dieses Fischgerippe.“

Die Ehe und Ehemänner kommen auch nicht gut weg. Frau Wegener favorisiert Liebhaber: „Ehemänner müssen bekocht, bewaschen und bebügelt werden, bei dem Geliebten bekommt man den Mann fertig geputzt frei Haus.“

Man muss sich einwenig einlesen in den Schreibstil. Aber wenn das erst einmal gelungen ist, mag man nicht mehr aufhören. Die Krimi-Handlung entwickelt sich quasi nebenbei und mit ungeahnten Wendungen. Die Autorin hat lange als EDV-Spezialistin gearbeitet. Kaum zu glauben, dass dies ihr erstes Buch ist.

Fazit

Ein Krimi im klassischen Sinne ist das Büchlein nicht. Wer sich auf den ungewöhnlichen Stil von Cornelia Leymann einlässt, wird bestens unterhalten mit bissigem Wortwitz.

Cornelia Leymann, „Kieler Sprotte“

176 Seiten, 9.90 Euro, Emons Verlag, VÖ 12. März 2014

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