Scheunenherzen – oder: Bauer sucht Frau

An den Stil muss man sich erst mal gewöhnen: Ziemlich schnodderig bis bissig formuliert Harald Braun – ohne einmal inne zu halten. Doch hat man die ersten Seiten überwunden,  mag man nicht mehr mit dem Lesen aufhören, sind Schmunzler und Lacher garantiert. O-Ton: „Mein neues Leben in der Pampa gestaltete sich in den ersten Monaten wie der Versuch eines Stotterers, eine Grundsatzrede vor der UNO zu halten. Ein Fiasko. Die Bräuche und Gewohnheiten des gemeinen Landbewohners erschienen mir weitgehend rätselhaft und unergründlich. So blieb ich für meine Nachbarn der arme Horst aus der Stadt …“

Handlung

Alvy geht’s mies. An das Landleben im Örtchen Haasenbüttel hat er sich gewöhnt. Doch jetzt hat er horrende Schulden, kann die Hypotheken fürs Häuschen nicht mehr zahlen. Da erhält der ehemalige Großstadt-Redakteur ein unmoralisches Angebot: Obwohl verheiratet, soll er sich und sein Haus als Bauernhof für eine Kuppel-Show a la „Bauer sucht Frau“  zur Verfügung stellen. Er hat Skrupel, aber das Geld siegt. Nur: Die Ehefrau ist „not amused“, als die Fernsehcrew auftaucht und dann die Polin Dorada das Regiment im Haus übernimmt, das sich dank einiger Hühner, zweier Heidschnucken und Pferden in einen Bauernhof verwandelt, so wie Städter ihn sich vorstellen.

„Doroda überspielte meine verspannte Verlegenheit. Sie brauchte keine perfekten Deutschkenntnisse, um die Kontrolle zu übernehmen. »Sind gute Bruste, Ralfi, teuer! Kannst du hingucken, waren Investment.« … 

Es gibt jede Menge Irrungen und Wirrungen und kriminalistische Anwandlungen bis zum Happy End.

Lokalkolorit

Harald Braun wohnt in Horst (Holstein). In der Nähe liegt Kiebitzreihe, die Landstraße führt ins nördlich gelegene Itzehoe und Wacken mit seinem Festival und der legendären Feuerwehrkapelle ist auch nicht weit.  Auch wenn der Ort im Buch Haasenbüttel heißt, ist er wohl mit dem Lebensmittelpunkt des Autors identisch. Und auch wenn’s keine Straße names Klöterkamp gibt: Treffend hat Braun das Landleben und seine Bewohner beschrieben!

Manche Passagen sind einfach großartig. Zum Beispiel jene, in der es um das norddeutsche Wetter geht: „Eskimos mögen eine Menge Umschreibungen für Schnee kennen, aber ein Einheimischer in Schleswig-Holstein verfügt über mindestens genau so viele Worte für Niederschlag – ansonsten wäre sein Wetterbericht auch ziemlich eintönig. Seit Tagen nieselte, tröpfelte, fisselte und drippelte es über Haasenbüttel; abwechselnd schauerte, perlte, schiffte, schüttete oder pladderte es in Strömen, der Regen stürzte und rann, er rieselte, trommelte, sprühte und plätscherte nur so vom Himmel.“

Fazit

In „Scheunenherzen“ hat Volksmusik-Idylle keine Chance. Harald Braun nimmt sie alle aufs Korn: Die Städter mit der verqueren Landliebe, die bauernschlauen gewinnorientierten Landwirte, die skrupellosen Medienmacher. Das Buch ist einfach klasse. 

Harald Braun, „Scheunenherzen“

288 Seiten, 8.99 Euro, Bastei Lübbe, 16. Sept. 2014

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