Glückssuche auf Sylt

Was ist ein „Glücksroman“? Ein Roman, der Glück bringt? Oder einer, der das Glück sucht? Auf das Buch von Claudia Thesenfitz trifft beides zu. Ihre Protagonistin begibt sich auf der Insel Sylt auf Glückssuche.

Handlung

„Ein Glücksroman“ heißt das Buch im Untertitel. Denn: Nina Mertens möchte reich werden – und glücklich. Zwar hat sie bei einer Hamburger Zeitschrift einen guten Job als Grafikerin, doch der füllt sie nicht aus. Und dann ist auch noch ständig das Konto am Limit, weil die Verlockungen bei Zalando und Co so groß waren. Wer kennt das nicht? In einem Anfall von akuter Unzufriedenheit beschließt Nina, diesen Zustand endlich zu beenden. Schließlich ist sie mit 41 Jahren nicht mehr die Jüngste, aber sie „hatte ein schönes Gesicht, grüne Augen, eine schmale Nase, volle Lippen – und wilde schwarze Haare…“. Sie reist nach Sylt, weil es hier ja schließlich reichlich reiche Männer gibt. Und weil Nina sich kein Hotelzimmer leisten kann, schlägt sie ihr Zelt auf dem Kampener Campingplatz auf. Sie findet in der dauercampenden Senioren Elli eine gute Freundin, geht auf Männerjagd – und verliebt sich. Nur leider fallen Geld und Liebe nicht immer zusammen…

Lokalkolorit

Edle Boutiquen in Kampen, Gedränge in Westerland und Nordsee-Feeling. Alles kommt vor – aber immer aus Ninas Blickwinkel betrachtet und daher nicht unkommentiert. Das macht nichts, denn eigentlich hat Nina ganz gesunde Ansichten (Kampen nennt sie zum Beispiel Schlumpfhausen: „Absolut uniforme Reetdachhäuser hinter uniformen Friesenwällen und weißen Friesentoren.“). Und ihre Schilderungen vom Bad in der Nordsee machen Lust auf einen Tag am Sylter Strand.  

Autorin

Wem der Name bekannt vor kommt, muss sich nicht wundern. Seit 1999 arbeitet Claudia Thesenfitz für Brigitte, emotion, Petra, Stern, Emma und viele andere Zeitschriften. Außerdem entstanden in Zusammenarbeit mit ihr etliche Autobiografien – von Dieter Wedel zum Beispiel und von Nena. „Sylt oder Selters“ ist ihr erster Roman.

Fazit

Der Plot ist witzig. Die Umsetzung auch. Zum Beispiel Nina Brief an ihren Arsch, weil man sich selbst ja lieben soll: „… du bist prall und rund wie der Vollmond … bleib wie du bist … ich liebe dich.“ Oder wenn sie über Sex sinniert: „Guter Sex war für sie wie Erdbeeren: prall, saftig, lecker, süß, feucht und überraschend wie die Kerne, auf die man manchmal biss.“

So einer sinnesfreudigen Person erscheint das Jet-Set-Leben der Hungerhaken-Frauen fade. Nina braucht eine Weile, bis sie sich das eingesteht. 

Ein bisschen zu gewollt und zu abgegriffen sind die Sinnsprüche zum Thema Glück. Sie stimmen ja – sind aber in der Dichte auf den wenigen Seiten zu viel. Und auch das Ende hätte etwas weniger happy sein dürfen, etwas realistischer. Dennoch: Ich habe das Buch mit großem Vergnügen gelesen. 

Claudia Thesenfitz, „Sylt oder Selters“

272 Seiten, 9.99 Euro, Ullstein, VÖ 8. Mai 2015

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