Sylt historisch: Spannend und lesenswert ⭐️⭐️⭐️⭐️

Sylt 1913: Für die junge Seefahrer-Witwe Moiken Jacobsen scheint ein Traum in Erfüllung zu gehen, als der Hotelier Theodor von Lengenfeldt um ihre Hand anhält. Vom beschaulichen Keitum bringt er sie ins mondäne Westerland und ermöglicht es ihr, sich in der „Strandvilla“, dem besten Hotel auf der Insel, eine eigene Konditorei einzurichten. Heimlich träumt Moiken davon, eines Tages das verlassene Strand-Café im Dünenpavillon wiederzueröffnen und steckt all ihre Kraft und Leidenschaft in süße Köstlichkeiten, die sie bis spät in die Nacht kreiert. (Verlagsinfo)

Als Seebad ist der Westerland bereits vor dem Ersten Weltkrieg beliebt und hat einiges zu bieten. Die „Strandvilla“ ist das modernste Hotel mit elektrischem Aufzug und Telefon. Im Südteil der Insel herrschen jedoch die Wanderdünen vor. Auch im östlich gelegenen Keitum spürt man wenig vom Bäderbetrieb, ja, die 15-jährige Emma ist noch nie in Westerland gewesen – obwohl es mit der Inselbahn nur zehn Minuten Fahrtzeit sind. Und Hörnum, eine unwirtliche Dünenwelt, hat kaum zwanzig Bewohner. Kampen weist zu diesem Zeitpunkt auch nur 13 Gehöfte auf, „von denen acht Gebäude zur Königlich-Preußischen Austernfischerei-Pachtung gehörten“ – die damals ein beliebtes Ausflugsziel war.

Emmas Mutter Moiken ist die zentrale Person des Buches, eigensinnig und stur geht sie ihren Weg. Der Verlagstext ist einwenig irreführend – denn die Hochzeit mit Theodor von Lengenfeldt ist durchaus nicht ihr großer Traum. Da ist noch die große Liebe ihres Lebens. Moiken trifft manchmal Entscheidungen, die schwer nachvollziehbar sind und sie teilweise auch in keinem guten Licht erscheinen lassen. Der Grund: Sie ist hin- und hergerissen zwischen Liebe und dem Bedürfnis nach Sicherheit, das der reiche Hotelier zufriedenstellen kann.

Historische Details

Das Besonderes dieses historischen Romans sind die zahlreichen kleinen Details, die das frühere (harte) Leben auf Sylt beschreiben: Schafsmist wird dringend zu Heizen gebraucht, denn Holz war selten auf der Insel, auf der es nur wenige Bäume gab. Sina Beerwald verrät auch detailliert den Speisezettel von Moiken und ihrer Tochter: Graupensuppe mit Kartoffeln, Gerstengrütze mit geräuchertem Fisch, Pflaumensuppe, Steckrübenmus.

Fazit

Der Roman zeichnet anschaulich ein Bild des damaligen Sylt, von geschäftstüchtigen Hoteliers und menschlichen Originalen (die historisch belegt sind). Ein Buch, bei dem man sich auf die Fortsetzung freut.

„Die Strandvilla“, Ein Sylt Roman, Sina Beerwald

464 Seiten, 9.99 Euro, Knaur TB, VÖ 2. März 2020

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