Der letzte Käpt‘n: Rocker am NOK – Krimi mit viel Lokalkolorit ⭐️⭐️⭐️⭐️

Marie Geisler vom LKA Kiel freut sich auf den Sommerurlaub, da wird bei einer Routinekontrolle am Hafen ein toter Biker entdeckt. Der Schwede wurde regelrecht hingerichtet. Ist eine Auseinandersetzung zwischen rivalisierenden Banden eskaliert? Maries neuer Kollege Gregor Sachse, der alte Kontakte in die Rockerszene Norddeutschlands hat, soll als V-Mann eingeschleust werden. Doch als es einen weiteren Toten gibt, droht die Sache aus dem Ruder zu laufen … (Verlagsinfo)

Marie Geisler ermittelt zum vierten Mal. Allerdings macht sie dieses Mal mit ihrer Familie Urlaub in Schweden. Daher rückt ihre Person ein wenig in den Hintergrund. Im Fokus steht dagegen wie schon in „Windstärke 10“ die Rendsburger Region am Nord-Ostsee-Kanal. Er kam mit Bürgermeister Gero Neidlinger ins Gespräch. Daher spielt dieses Mal Borgstedt eine wichtige Rolle. Hier lebt Sven Mulder, Chef einer Rocker-Gang, die am Westensee ihr Hauptquartier hat und in Sehestedt einen Coup abwickelt.

Rüskamp zeichnet den „Käpt’n“, wie Mulder genannt wird, als facettenreiche Persönlichkeit: Einerseits hilft er als Zahnarzt Menschen, auf der anderen Seite manipuliert er Menschen und geht über Leichen. 

„Die Figur lag mir besonders am Herzen. Manchen Menschen lassen sich nicht so einfach in die Kategorien gut und böse einordnen. Was Mutter tut, macht er so perfekt wie möglich.“

Arnd Rüskamp über seinen Sven Mulder

Rüskamp hat einige Jahre Pressearbeit für den Motorradverband gemacht und ist in Essen gerne er mit seiner „ganz alten BMW, einer Afrika Twin“ unterwegs. Er befasst sich seit Jahrzehnten mit dem Thema Motorrad. Bei der Rockergemeinschaft geht es ihm mehr um die menschlichen als die kriminellen Aspekte. „Die haben gebrochene Lebensgeschichten“, sagt er über die Bandenmitglieder. Sie suchen Geborgenheit und finden sie in der Gruppe, geführt von einem starken Boss. 

Der NOK bei Sehestedt. Alle Fotos: Sabine Sopha

Und warum wieder in der NOK-Region? „Das ist eine sehr spannende Landschaft mit einer besonderen Industrie- und Wohnsituation“, so Rüskamp. „Schmucklose Hallen in unmittelbarer Nähe zum Landschaftsschutzgebiet“, das hat für ihn einen ganz eigenen Reiz. „Rendsburg finde ich ehrlich gesagt ziemlich geil“, fährt er fort. „Es hat architektonisch und kulturell viel zu bieten.“ Und die Rader Insel bezeichnet er als pure Idylle.

„Am Rendsburger Kreishafen waren sie alle, die Discounter und Supermärkte, die Paketdienste und Taxiunternehmer … Vom Eisstübchen ganz zu schweigen. Im Umfeld trafen sich drei wichtige Verkehrsverbindungen. Die A 7 als zentrale Passage für den Autoverkehr, der Nord-Ostsee-Kanal, die meistbefahrene künstliche Wasserstraße der Welt und die Eisenbahn…“

Städte wie Rendsburg und deren Umfeld haben es seiner Meinung nach nicht leicht. „Aber es gibt außergewöhnliche Perlen dort“, sagt der Autor. Darauf möchte er aufmerksam machen. Die Leser erhalten zahlreiche Hinweise auf Orte, die einen Besuch lohnen, unter anderem: 

Borgstedt – Rader Insel und Badestelle

Büdelsdorf – Kunstausstellung Nordart und Restaurant Carls Hütte

Eckernförde – Hinrichsens Bonbonkocherei

Rendsburg– Coburg’sche Buchhandlung 

Kiel – Philinies Boulangerie  

Flensburg– Fußgängerzone Nikolaikirche / Roter Hof

Zum Showdown kommt es dann in Sehestedt. Daher findet auch die dortige Whisky-Society Erwähnung und ihr Mitglied Alexandra. An anderer Stelle taucht die Redakteurin der „Landeszeitung“ auf und macht Fotos. 

Fazit

Ein vielschichtiger Krimi. Menschen werden genau beobachtet, die Region liebevoll geschildert.

„Der letzte Käpt’n“, Arnd Rüskamp, Marie Geislers 4. Fall

336 Seiten, 13 Euro, Emons Verlag, VÖ 23. Juli 2020

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