Labskaus – lecker oder was?

Wer Labskaus versteht, versteht den Norden: Eine Speise nicht nur für Männer. Kulinarische Kulturgeschichte, gastronomische Geheimtipps und jede Menge Mythen, Döntjes und starke Erzählungen. Ein Buch mit Salzgeruch (Verlagsinfo).

Die einen verziehen angewidert das Gesicht, die anderen lecken sich die Lippen: Labskaus ist nicht jedermanns Sache. Das liegt zum einen an der nicht immer sehr appetitlichen Optik: Gekochte Kartoffeln und Cornes Beef  werden gestampft und vermengt. Dazu werden in Deutschland Gurken, Rollmops, Rote Beete und Spiegelei serviert. 

Wer noch nie Labskaus gegessen hat, findet den Mischmasch auf dem Teller wenig appetitanregend. Aber was im Norden serviert wird, hat mit dem ehemaligen Seemannsgericht nicht mehr viel gemein und ist äußerst schmackhaft. 

Jens Mecklenburg lebt in Schleswig-Holstein und betreibt seit vielen Jahren gastronomische Feldforschung im Land zwischen den Meeren. Er hat mehrere Bücher zu kulinarischenThemen veröffentlich, hat drei Jahre lang für die „Kieler Nachrichten“ eine Kolumne geschrieben,  ist auch in anderen Publikationen zu finden und betreibt den Blog  Nordische Esskultur

Der Kieler Gastrokritiker Jens Mecklenburg und Gabriele Haefs (Norwegen-Kennerin und bekannte Übersetzerin) haben bei ihren Recherchen entdeckt, dass Labskaus überall dort bekannt ist, wo es Häfen, Seefahrer und die Hanse gab. Aber auch in Wales kennt man ein ähnliches Gericht. Dort wird ein Eintopf namens Lobby gern gegessen. 

Wer nordische Literatur und Krimis liest, dem ist der Name Gabriele Haefs  vertraut. Sie ist eine renommierte Übersetzerin. Seit 25 Jahren übersetzt sie unter anderem aus dem Dänischen, Englischen, Niederländischen und Walisischen. Sie wurde dafür mit dem Gustav-Heinemann-Friedenspreis und dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet, zuletzt 2008 mit dem Sonderpreis für ihr übersetzerisches Gesamtwerk. Sie hat Werke von Jostein Gaarder, Håkan Nesser und Anne Holt übersetzt.

Neben geschichtlichen Hintergründen liefern die beiden Autoren Porträts von Köchen und viele Rezept-Variationen. Die Illustrationen von Till Lenecke lockern diese sehr empfehlenswerte Lektüre auf.

Fazit

Äußerst unterhaltsam und informativ zugleich. Daher ist es kein Wunder, dass bereits die zweite Auflage erschienen ist

„Mythos Labskaus“, Jens Mecklenburg, Gabriele Haefs

 144 Seiten, 20 Euro, KJM Buchverlag, 9. November 2020

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