Anette Schwohl – Kulturmanagerin, Autorin und Tierfreundin

Anette Schwohl ist in vielen Bereichen unterwegs. Als Kulturmanagerin, Autorin, Herausgeberin. Und sie ist eine Tierfreundin. Beim Besuch in ihrer Rendsburger Wohnung ist darum auch Kimble dabei. Schließlich geht es um tierische Krimis.

Spaziergang bei unwirtlichem Wetter. Anette Schwohl und Kimble sind gerne unterwegs. Fotos: Sabine Sopha

Kimble ist ein bisschen scheu. Und am Anfang unserer Begegnung hält er vorsichtig Abstand, weicht immer wieder zurück. „Daher hat er auch seinen Namen“, lacht Anette Schwohl. Der ehemalige Straßenhund ließ niemanden an sich heran und war wie Richard Kimble „immer auf der Flucht“. Das liegt bereits zwölf Jahre zurück. Inzwischen ziert Kimble sogar ein Buchcover. „Hunde die bellen morden nicht“ heißt der Sammelband, den sein Frauchen herausgegeben hat. 

Anette Schwohl ist nicht nur Tierfreundin, Herausgeberin und Autorin. Sie ist außerdem (oder vor allem?) Kunsthistorikerin, Kulturmanagerin und Dozentin. Das eine ist ohne das andere für sie nicht denkbar. Sie ist glücklich mit ihrem Aufgaben-Mix. Seit 2016 lebt sie in Rendsburg, führt fachkundig durch die NordArt und koordiniert die Erwachsenen- und Seniorenarbeit an der St. Marien-Gemeinde. Außerdem hat ihr die Stadt Rendsburg in diesem Jahr das zweite FrauenKrimiFestival zu verdanken.

Bei unserem Gespräch soll es in erster Linie um ihre Person und die tierische Krimi-Anthologie gehen. Anette Schwohl (Jahrgang 1959) hat ihre Wurzeln in Neumünster. Nach der Mittleren Reife lernte sie zunächst Arzthelferin, bevor sie in Hamburg ein Wirtschaftsgymnasium besuchte. Anschließend studierte sie Kunstgeschichte, Literatur- und Musikwissenschaften. „Dann gab es einen neuen Studiengang – Kulturmanagement“, erinnert sie sich. Davon war sie sofort begeistert.

Nach ihrem Studium ging sie nach Plauen, jener Stadt, nach der der Zeichner Erich Ohser sich  e.o.plauen nannte. Dort arbeitete sie neun Jahre als Museumsdirektorin. Und schrieb an einem Drehbuch über e.o.plauen. Das wurde zwar nie realisiert, aber Anette Schwohl stellte fest, „dass mir das Schreiben in Bildern liegt“.

Kimble ist jetzt der Meinung, dass wir uns lange genug unterhalten haben und verlangt Beachtung. Mit seiner spitzen Schnauze stupst er mich an. Dreimal kurz hintereinander. „Anklopfen“ sagt Anette Schwohl dazu. Auf dem Tisch liegen Leckerchen. Einige nimmt der feingliedrige Mischling jetzt aus meiner Hand entgegen. Er ist nicht mehr auf der Flucht.

Ein Mischling, der ständig auf der Flucht war

Seit 2002 ist Anette Schwohl wieder im Norden. In Großenaspe bemerkte sie den jungen Mischlingsrüden. „Der muss von der Straße“, fand sie, denn er war abgemagert und ständig auf der Flucht. Mit Geduld und Futter gelang es der Tierfreundin, den Hund einzufangen. Da niemand Anspruch auf ihn erhob, blieb er bei ihr – „bemüht, lieb zu sein und mir alles recht zu machen.“

„Ich freue mich, wenn etwas von mir publiziert wird. Aber ich möchte die Tätigkeit als Kunsthistorikerin nicht missen.“

Anette Schwohl

Die Leckerchen haben geschmeckt, zufrieden streckt sich Kimble auf seiner Decke aus. Bleibt nur noch die Frage, wie Anette Schwohl zu einer „Mörderischen Schwester“ wurde.  Frauen, die in der Organisation Mitglied werden, müssen nicht unbedingt Autorin sein. Es gibt auch Verlegerinnen oder Leserinnen, die „kriminelle“ Literatur von deutschsprachigen Frauen unterstützten. „Wir feiern in diesem Jahr unser 25-jähriges Bestehen“, erklärt Anette Schwohl. Sie kam durch eine Freundin, die Krimis schreibt, mit der Organisation in Berührung, nahm an einigen Veranstaltungen teil und begann dann, selbst zu schreiben.

„Ich freu‘ mich, wenn etwas publiziert wird“, sagt sie über ihr schriftstellerisches Schaffen. Aber sie möchte keinem Verlag mit regelmäßigen Abgabeterminen verpflichtet sein und ihre Arbeit als Kunsthistorikerin aufgeben.

Anette Schwohl ist in etlichen Anthologien vertreten und hat nun selbst eine herausgegeben. Geboren wurde die Idee einer Krimi-Sammlung über Tiere für den Tierschutz in Kronenburg. In dem Eifel-Ort befindet sich das Museum der Dr. Axe-Stiftung.

„Es ist das einzige Museum, in das man einen Hund mitnehmen darf“, erzählt Anette Schwohl, während sie Kimble über den Kopf streichelt. Denn die Dr. Axe-Stiftung unterstützt viele Anliegen – unter anderem den Tierschutz und sponsert das Buch, dessen Einnahmen wieder dem Tierschutz zugutekommen.

Kimbles Frauchen machte sich also daran, acht Autorinnen unter den „Mörderischen Schwestern“ zu suchen, während Ralf Kramp nach acht männlichen Autoren Ausschau hielt. Kramp ist Krimiautor, Karikaturist und Verleger. In seinem KBV-Verlag ist die Anthologie erschienen. Zwei Bedingungen mussten erfüllt werden: Kein Tier sollte zwei Mal vorkommen. Und es durfte kein Tier misshandelt werden.

Das ließ sich alles leicht realisieren. Schwieriger war es schon mit dem Cover und den für das Buch vorgesehen Illustrationen. Schließlich griff Ralf Kramp selbst zum Zeichenstift. „Er wusste nicht, dass ich einen Hund habe“, schmunzelt Anette Schwohl. Um so größer war die Überraschung, als das Tier auf dem Buch-Cover große Ähnlichkeit mit Kimble hat.

Der gibt nun unmissverständlich zu verstehen, dass es Zeit für die Gassi-Runde ist. Anette Schwohl greift zur Leine: Beide lieben Spaziergänge an Eider und Kanal. Über welches Tier die Autorin in der Anthologie geschrieben hat? Die Antwort ist wohl klar. 

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