Eva Almstädt: „Ein Leben ohne Schreiben kann ich mir nicht vorstellen“

Sie ist groß, schlank und zählt schon lange zu den renommiertesten Schriftstellerinnen aus dem Norden. Aber Eva Almstädt drängt sich nicht in den Vordergrund. Da muss man schon ein wenig Zeit für die Recherche im Internet aufwenden, um etwas über sie zu erfahren. Dabei ist ihre Lübecker Kommissarin Pia Korittki eine überaus erfolgreiche und beliebte Ermittlerin. In diesem Frühjahr hat Eva Almstädt den 16. Band der Reihe vorgelegt: „Ostseefalle“, den sie in Rendsburg beim 2. FrauenKrimiFestival vorstellen wird.

Eva Almstädt mit Sabine Sopha im shz-Druckzentrum bei der Lesung für den „Weißen Ring“.

Eva Almstädts Werdegang zur Krimi-Autorin erfolgte auf Umwegen. Sie wurde am 23. November 1965 in Hamburg geboren, wo sie auch heute wieder lebt, nachdem sie einige Jahre unter anderem in Hannover und Bargteheide gewohnt hat.  Nach einer handwerklichen Ausbildung im Studio Hamburg studierte sie Innenarchitektur in Hannover und war im Bereich der Küchen- und Wohnraumplanung tätig, heißt es nüchtern und kurz auf ihrer Internetseite. Aber ihr großer Traum war es immer, Autorin zu werden, verrät sie im shz-Interview. „Irgendwann habe ich dann die Gelegenheit beim Schopf gepackt. Ich bin total bücheraffin, habe mein Leben lang wahnsinnig gern gelesen“ – unter anderem britische Krimis.

Wiederkehrendes Thema: die dörfliche Gemeinschaft

„Mir hat sich dann die Frage gestellt: Kann ich diese Grundidee – besonders, dass die Fälle im ländlichen Milieu spielen – nicht auf Deutschland übertragen?“ Der Zufall kam ihr zu Hilfe. Mit Mitte Dreißig ist „in einem Tausend-Seelendorf in Schleswig-Holstein gelandet, in Grebin zwischen Malente und Plön, und da habe ich die Idee gehabt, den ersten Krimi zu schreiben.“ Denn: „Die Gegend reizt einfach wegen dieser kleinen geschlossenen Gesellschaften, die diese Dörfer bilden.“ An dem Leben auf dem Lande reizt sie auch, dass die Menschen sich auf dem Dorf kaum aus dem Weg gehen können, dass sie eine geschlossene Gemeinschaft bilden. Dieser Aspekt wird in mehreren Büchern thematisiert.

Bereits ihr erster Krimi, der 2004 erschienene „Kalter Grund“, spielt in in Schleswig-Holstein auf einem Dorf ist Ostseenähe. Die Mörderjagd hat Pia Korittki in den 16 Büchern unter anderem nach Grömitz („Ostseejagd“) geführt, zum Selenter See („Ostseeblut“), ebenso nach Heringsdorf („Ostseetot“) und Hohwacht („Eisige Wahrheit“). Letzterer ist übrigens ihr Lieblingsort an der Ostsee. 

Ihr neuester Roman „Ostseefalle“ spielt unter anderem am Brodtener Steilufer in Travemünde und an der Seebrücke in Niendorf, aber auch am Elbe-Lübeck-Kanal und Krummesse. Allerdings werden die Leser und Leserinnen ihrer Bücher viele der Ortsnamen vergeblich suchen. Bei kleinen Ortschaften ist Eva Almstädt vorsichtig. So steht im 16. Fall ein unangenehmer Charakter im Mittelpunkt – und welcher reale Ort möchte damit schon in Verbindung gebracht werden, mutmaßt die Autorin im Buchmesse-Gespräch im Lübbe-Video.

Kommissarin Pia Korittki 
Pia Korittki ist Kriminalkommissarin im Kommissariat 1 der Lübecker Bezirkskriminalinspektion – der Mordkommission. Das Besondere: Pia ist alleinerziehende Mutter. Da fällt es ihr oft schwer, Privatleben und Beruf zu vereinbaren. Doch ihr Sohn ist ihr größtes Glück. Im Privatleben der Ermittlerin gab es viele Wendungen. Daran ist sie im Laufe der Jahre gereift, aber dadurch ist sie auch kompromissloser geworden, sagt ihre Schöpferin. Dabei altert Pia langsamer als die Autorin, damit es ihr nicht irgendwann ergeht wie Agatha Christie, der ihre Helden zu alt geworden waren. In 17 Krimis sind die Jahre auf sieben zusammengeschrumpft.

Die Figuren, ihre Biographie, ihre Eigenheiten und alles, was sonst noch wichtig ist, hält sie in verschiedenen Dokumenten fest. „Einmal habe ich tagelang in alten Dateien nach dem Namen von Pias Neffen gesucht, um dann festzustellen, dass ich ihm noch keinen Namen gegeben hatte.“ 

„Dank Corona“ ist der 17. Fall von Pia Korittki bereits fertig. Und es wird weitergehen. Denn „Grundsätzlich kann ich mir aber ein Leben ohne Schreiben überhaupt nicht vorstellen“, erklärt die Schriftstellerin im Interview mit der Krimi-Couch.

Außerdem

Bericht aus dem Juni 2017 für einen guten Zweck im shz-Druckzentrum

Interview mit Mordby

Video und Podcast Ostholsteiner Anzeiger

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