Evelyn Kühne: Winter im kleinen Fördehaus ⭐️⭐️⭐️⭐️

Als die Physiotherapeutin Mia vor den Scherben ihrer Ehe steht, kreuzt ein Jobangebot gerade zur rechten Zeit ihren Weg: An der Ostsee soll sie sich um Frederik Strothbergs widerspenstige Großmutter Elisabeth kümmern. Bereitwillig nimmt Mia die Herausforderung an, denn wo könnte ein Neuanfang besser sein als in Glücksburg am Meer? (Verlagsinfo)

Romane, die in Glücksburg spielen, gibt es nicht sehr viele. Und dann noch im Winter. Als gebürtige Flensburgerin, die Glücksburg sehr gut kennt, hat mich die Lektüre natürlich sofort gereizt. Ich bin nicht enttäuscht worden. Auch wenn der Anlass für den Ortswechsel der Protagonistin wieder einmal eine zerbrochene Liebesbeziehung ist – eine Ausgangsbasis, die sich in zahlreichen Liebesromanen findet.

Aber ansonsten ist der Plot einmal was anderes. Mia bewirbt sich auf eine ungewöhnliche Anzeige:

„Ihre neue Arbeitsstelle am Meer – Physiotherapeutin für die Betreuung einer älteren Dame in Glücksburg gesucht. Wir bieten neben einem guten Gehalt eine eingerichtete Wohnung und reichlich Ostseeflair. Seien Sie spontan und bewerben Sie sich. Dabei sind uns weniger Ihre Zeugnisse wichtig als Sie selbst.“

Sie hat immer davon geträumt, am Meer zu leben. Nun ist die Ostsee zwar ein eher kleines und ruhiges Meer, aber die Flensburger Förde ist ein bekanntes Urlaubs- und vor allem beliebtes Segelrevier. Die Szenen, in denen Evelyn Kühne den Blick auf die See oder Spaziergänge am Strand beschreibt, sind sehr stimmungsvoll und treffen die Atmosphäre der Region sehr gut. Und wie es sich für einen Winterroman gehört, schneit es auch kräftig. Das kommt an der deutsch-dänischen Grenze zwar selten vor, aber umso schöner ist es, davon zu lesen.

Ob es direkt in Glücksburg so herrschaftliche Villen gibt, wie sie Mias Patientin bewohnt, weiß ich nicht. Der Ort ist vor allem durch sein Wasserschloss bekannt, der Campingplatz in Holnis ist bei Urlaubern beliebt und in Schausende stehen große Häuser – dort hat zum Beispiel einst Beate Uhse auf einem Anwesen gewohnt.

Wer die Region nicht kennt, erhält auf https://www.flensburger-foerde.de einen guten Überblick über die Orte und Sehenswürdigkeiten. 

In einem kleinen Haus (dem Fördhaus) auf dem großen Anwesen der Strothbergs kann Mia wohnen. Dieses kleine „Fördehaus“ ist sehr liebevoll beschrieben.

„Es war zum Niederknien. Anders konnte Mia es nicht beschreiben. Nur wenige Meter von ihr entfernt schwappten die Wellen der Flensburger Förde an einen kleinen privaten Strand. Dieser wurde links und rechts von Schilf eingerahmt und wirkte dadurch wie ein verwunschener Platz. Es gab einen Steg, auf dem eine Bank stand.  … Ein verlassenes Windspiel schaukelte in einer Brise und ließ ein leises Klingeln bis zu ihnen nach drinnen erklingen.“

Die Familie Strothberg baut Yachten. Aber das ist nur ein Detail am Rande, denn in erster Linie geht es um Mias Beziehung zu der alten Dame und zu deren Enkel Frederik. Drei alte Damen – die streitbare Elisabeth Strothberg, ihre patente Haushälterin Rosie und Mias tatkräftige Oma – sind Personen, die mir gut gefallen haben. Dazu gibt es ein paar Irrungen und Wirrungen, am Ende zieht es sich ein bisschen, doch dann kommt es zu einer interessanten Auflösung.

Fazit

Allerbeste Wohlfühl-Lektüre, die einen in Weihnachtsstimmung versetzt und Lust macht auf einen Besuch an der Flensburger Förde. Zum Beispiel auf den Weihnachtsmarkt in der Fördestadt oder auf einem der Gutshöfe.

„Winter im kleinen Fördehaus“, Evelyn Kühne

336 Seiten, 12 Euro, Zeilenfluss, VÖ 14. Oktober 2021

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