Jane Hell: Fischbrötchen und Zimtsterne (Fördeliebe 3) ⭐️⭐️⭐️⭐️

Laura hat genug von Sylt. In der Affäre mit ihrem verheirateten Chef ist sie auch nach einem Jahr nur die Nummer zwei. Deshalb bewirbt sie sich in ihrer Heimatstadt Eckernförde auf einen neuen Job und verabredet sich Hals über Kopf mit Tinder-Bekanntschaft Ben. Nur wenige Tage später bricht sie ihre Zelte auf der Nordseeinsel ab und zieht zu ihren kauzigen Eltern an die Ostsee. Bei dem Versuch, neu anzufangen, will Laura den verstaubten Weihnachtsmarkt von Eckernförde modernisieren. Aber das ist gar nicht so einfach wie gedacht, denn ausgerechnet Ben kommt ihr dabei in die Quere. (Verlagsinfo)

Es ist bereits das dritte „Fischbrötchen“, das Jane Hell äußerst schmackhaft zubereitet. Man muss die beiden Vorgänger („Fischbrötchen und Zuckerstreusel“ sowie „Fischbrötchen und Salzkaramell“) nicht genossen haben, um mit dem weihnachtlichen Fördeliebe-Roman aus Eckernförde gut unterhalten zu werden.

18 Jahre hat die Autorin mit Mann und vier Kindern in Bayern gelebt – jetzt wohnt die gebürtige Schleswig-Holsteinerin in Eckernförde. Ihre Liebe zu Norddeutschland, seinen Menschen und zur Ostsee ist in jedem einzelnen Satz zu spüren.

 „Eckernförder Nachrichten“ über das erste Buch „Fischbrötchen und Zuckerstreusel“

Es ist beachtlich, was Jane Hell (Kurzporträt) leistet. Drei Romane bei Books on Demand – das bedeutet neben dem Schreiben viel Arbeit. Wenn das weihnachtlichen Buch liest (die anderen kenne ich noch nicht), hat man den Eindruck, dass ihr das Schreiben leicht von der Hand geht, denn sie formuliert locker und witzig. 

„Moin Mama. Was läuft denn für ein Programm im Ofen? Der neue Bond? Oder doch eher Star Wars?“

Ich nahm mir einen Stuhl und setzte mich neben sie.

„Der Tag der toten Ente“, antwortete sie und trank einen kräftigen Schluck.

Auch wenn die Thematik sich mit Freund- und Jobsuche eher an jüngere Leserinnen wendet, sorgt der pfiffige Stil bei anderen Altersgruppen sicherlich ebenfalls für Vergnügen. Außerdem schildert Jane Hell ihre Protagonisten mit viel Liebe. So mag Laura ihrem kauzigen Vater (der Hanf anbaut und bunte Lichterketten liebt) nicht sagen, dass sie seine Weihnachtsdeko vor der Haustür ­– einen Heavy-Metal-Wacken-Weihnachtsmann – grauenvoll findet, denn das würde ihn kränken. Man sieht diese Szene deutlich vor seinem geistigen Auge ­– und schmunzelt.

Blick über die Eckernförder Bucht. Foto: Wolfgang Henze/eidermedia

Zu den persönlichen Verwicklungen kommt jede Menge Lokalkolorit

Der neue Job von Laura bei der Eckernförder Touristik- und Marketing GmbH verschafft dem Ostseestädtchen sicherlich nicht nur im Buch viele Sympathien und gute Werbung.

Im Vergleich zu Sylt war „Eckernförde hingegen bodenständig, etwas verschlafen und als Rentnerstadt verschrien“, beschreibt Jana Hell „Ecktown“. Daher soll Laura den Weihnachtmarkt aufpeppen. „Allein die Idee, den Markt mit der Historie von Eckernförde zu verknüpfen und ihn nicht Weihnachtsmarkt, sondern Ykærnemarkt zu nennen. Genial!“, heißt es im Buch. Das ist 2019 tatsächlich geschehen.

29. Oktober 2019 in den „Eckernförder Nachrichten“:

Weihnachtmarkt heißt künftig Ykaernemarkt.

Wer nach der Buchlektüre Lust auf einen spontanen Eckernförde-Besuch verspürt, kann den Markt noch bis zum 30. Dezember 2021 besuchen.

Jane Hell erklärt auch, woher der Begriff Ykaerne kommt:

„Vor gut achthundert Jahren gab es hier eine Burg, die dem Ort ihren Namen geschenkt hat: die Ykærneburg. Manche Historiker übersetzen den Namen mit Eichhörnchenburg.“ Das Eichhörnchen ist auch das Wappentier der Stadt und es gibt eine Eichhörnchen-Schutzstation

Was es noch gibt

Zahlreiche von Jane Hell beschriebene Orte werden Eckernförde-Besucher in der Realität antreffen. Zum Beispiel Ramonas Strandcafé

Und von der Eckernförder Bucht ist es nicht weit zum Nord-Ostsee-Kanal und zum Schiffe gucken  Am NOK liegt Sehestedt. Wer die im Buch oft genannte Sehestedter Straße in Richtung Süden fährt, gelangt in die kleine Kanalgemeinde Sehestedt, wo die Admine von Mee(h)r Lesen lebt und arbeitet.

Fazit

Locker-flockig, mit Wortwitz und liebevollen Ortsbeschreibungen auch für all jene eine unterhaltsame Lektüre, die Eckernförde und die Ostseeküste (noch) nicht kennen.

„Fischbrötchen und Zimtsterne“, Fördeliebe 3, Jane Hell

229 Seiten, 12 Euro, Kampenwand Verlag (Nova MD), VÖ 19. Oktober 2021

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