Kerstin Sgonina: Als das Leben wieder schön wurde ⭐️⭐️⭐️

Grundthema super, aber zu viele Handlungsstränge ▪️

Hamburg, 1954: Fast ihr gesamtes Leben hat Greta bei ihrer Großmutter in Stockholm verbracht, nun kehrt sie nach St. Pauli zurück, wo ihr Vater mit seiner neuen Familie lebt. Doch der empfängt die fremde Tochter eisig, eine Stelle als Kosmetikerin sucht Greta vergebens. Alles ändert sich, als Greta sich mit zwei Frauen anfreundet: Marieke, die den Nachbarinnen in den Altonaer Nissenhütten die Haare macht; und Trixie, die im feinen Blankenese lebt. Gemeinsam beschließen die drei Frauen, einen mobilen Schönheitssalon zu eröffnen. (Verlagsinfo)

„An Neujahr, auf den Tag genau zwei Monate vor ihrem 22. Geburtstag, hatte sie es plötzlich gewusst. Sie musste Licht in das Dunkel bringen. Sie musste herausfinden, was 1941 geschehen war, in jenem Frühjahr, in dem ihre Mutter verschwand.“

Hauptpersonen

  • Greta: Sie hat in Fräulein Lundells Skönhetssalong in Stockholm gelernt und hofft auf eine Anstellung in Hamburg. Neun Jahre nach Kriegsende wünschen sich die Frauen in der Hansestadt wieder Farbe und Schönheit in ihrem Leben. 87 Kosmetiksalsons gibt es in Hamburg. Doch die junge Schwedin hat keinen Erfolg.
  • Marieke aus Ostpreußen: Patent, lebenslustig und alleinerziehende Mutter. 

„Vor allem aber bin ich nicht verheiratet. Das ist der Knackpunkt. Wäre ich verheiratet, hätte ich das Sorgerecht. Und dann wäre es schon ein bisschen schwieriger, ein kleines bisschen jedenfalls, mir meinen Franz wegzunehmen. Aber so … Unverheiratet und Kellnerin. Das Schlimmste von allem, was eine Frau nur sein kann.“

  • Dritte im Bunde ist Trixie, die unglücklich verliebt ist. Ihre Mutter kannte Linn Bergström.

Es sind drei junge Frauen, mit deren Träumen und Zielen man sich sehr gut identifizieren kann. Ihre Suche nach einem Platz im Nachkriegsdeutschland ist plastisch und nacherlebbar geschildert.

Haupt-Handlungsstränge

  • Einer ist Gretas Suche nach Antworten. Denn die junge Frau muss entdecken, dass ihre Mutter Linn Bergström in die Mühlen der Nazi-Diktatur geraten ist. Und, dass in ihrer Familie vieles verschwiegen wurde. Dieses Thema allein wäre schon für einen Roman ausreichend gewesen.
  • Der Schönheitssalon: Mit Kreativität und Eigeninitiative verwirklichen die drei ihren Traum. Ein alter Bus wird in einen Salon verwandelt, in dem die drei Freundinnen den Frauen aus der Umgebung nicht nur zu körperlichen Wohltaten verhelfen, sondern in dem auch der Austausch untereinander eine große Rolle spielt. 
  • Situation der Frauen: Wenn die Männer aus der Gefangenschaft zurückkehren, sind Konflikte vorprogrammiert. Situationen, die sehr eindringlich und gut nachvollziehbar beschrieben werden.

Fazit

Das Thema, das im Titel des Buches anklingt, hätte genügt. Dessen Umsetzung ist sehr gelungen und hätte fünf Sterne verdient. Aber zu viele Nebenschauplätze überfrachten den Roman, und zwar so sehr, dass das Weiterlesen manchmal schwerfällt. Daher nur drei Sterne. 

„Als das Leben wieder schön wurde“, Kerstin Sgonina

512 Seiten, 12 Euro, Rowohlt TB, VÖ 26. Januar 2022

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