Literatur aus Portugal: Große Dichter und innovative Stimmen

Teil 2: Von Pessoa bis zur jungen Autoren-Generation▪️

Im März 2022 war Portugal Partnerland der Leipziger Buchmesse. Für uns Anlass, etwas über das Leben an der Algarve und die Literatur zu schreiben – einmal jene, die von deutschen Autoren stammt (Teil 1) und jene von portugiesischen Schriftstellern (Teil 2). Im dritten Teil der Serie wird es um Reiseführer gehen. 

Unerwartete Begegnungen

„Unerwartete Begegnungen“ – so lautete das Gastlandmotto von Portugal auf der Leipziger Buchmesse. Denn nicht nur Autorinnen und Autoren aus Portugal selbst kommen zu Wort, auch jene aus anderen portugiesischsprachigen Ländern wie Angola, Guinea-Bissau, Kap Verde oder Mosambik. In acht Ländern auf allen Kontinenten wird Portugiesisch von rund 260 Millionen Menschen gesprochen – und liegt damit laut Wikipedia auf Platz neun der meistgesprochenen Sprachen der Welt. 

Nur wenige Übersetzungen

Mit portugiesischen Fördermitteln wurden bisher mehr als 50 Titel ins Deutsche übersetzt. Sechs davon sind für 2022 geplant. Doch: „Die portugiesische Literatur ist heute im Kanon der vergügbaren Übersetzungen in Deutschland deutlich unterrepräsentiert“, stellt das „Jornal de Letras“ (JL) * fest. So wurden 2016 in Deutschland zwar fast zehntausend Werke übersetzt, davon stammten jedoch lediglich 37 von portugiesischen Autoren.

Die meisten Übersetzungen stammen von fünf portugiesischen Autoren: Eça de Queirós, Fernando PessoaJosé SaramagoLobo Antunes und dem Brasilianer Paulo Coehlo. Genannt werden muss in diesem Zusammenhang auch noch Antonio Tabucci, zwar gebürtiger Italiener, aber er schrieb über Portugal und seine Werke wurden im mehr als 40 Sprachen übersetzt. ** Zudem feiert Portugal 2022 die Jubiläen einiger großer Schriftsteller wie José Saramago, Antónieo Lobo Antunes, Sophia de Mello Breyner Andresen oder Agustina Bessa-Luís.  

Autoren und Autorinnen im Porträt

Da ich mich mit der portugiesischen Literatur bisher nicht so gut auskenne, hat mir Henrietta Bilawergestattet, einige ihrer kenntnisreichen Texte aus Facebook zu übernehmen. Sie stellt Schriftstellerinnen und Schriftsteller vor, die nicht unbedingt im allgemeinen Fokus stehen – aber ausgesprochen interessant sind. Dazu gehören António Aleixo (1899-1949), der insbesondere für die Algarve eine bedeutende Persönlichkeit war und Miguel Torga (1907-1935, der aus Provinz Trás-os-Montes im Norden stammte und dessen Thema das arme Portugal war. In Maria Gabriela Llansol (1931-2008), einer Autorin mit spanischen Wurzeln, sehen viele eine der innovativsten und bedeutendsten Stimmen in der zeitgenössischen portugiesischen Prosa. Dulce Maria Cardoso (geboren 1964) gilt als eine der wichtigsten literarischen Stimmen Portugals und zählt zu Bilawers Lieblingsautorinnen. **

Neue Themen

„Mehrere literarische Generationen sind also dem deutschen Leser vollständig unbekannt“, stellt das Magazin JL fest. Mit Beginn des 21. Jahrhunderts traten in Portugal jüngere Autorinnen und Autoren in Erscheinung, die neue Themen besetzen und sich anderer Erzählstile bedienen. Ging es früher um das „Império“, das einstige Weltreich, um politische Unterdrückung sowie die Darstellung einer ländlichen und der Kirche geprägten Mentalität, so rücken jetzt vielfach weibliche Figuren in den Mittelpunkt, die aus demokratischer und multikultureller Sicht erzählen. Hier seien drei Autoren gennannt, die mit dem PrémioCamoes, der wichtigste literarischen Auszeichnung des portugiesischen Sprachraums, geehrt wurden. Benannt wurde der Preis nach Luís de Camões, Autor des portugiesischen Nationalepos Die Lusiaden.

Hélia Correia wurde 1949 in Lissabon geboren und eine der bedeutendsten Gegenwartsschriftstellerinnen Portugals. Germano Almeida von den Kapverden ist der bekannteste Autor seines Landes. Sein erster Roman Das Testament des Herrn Napumoceno ist ein satirisches Werk über die kapverdische Gesellschaft, das später für das Kino adaptiert wurde. Mia Couto (geboren 1955 in Beira, Mosambik) gehört zu den prominentesten Schriftstellern im portugiesischsprachigen Afrika. Seine Bücher wurden in über 30 Ländern veröffentlicht; fünf seiner Werke wurden ins Deutsche übersetzt, darunter „Sand und Asche“ und „Imani“ (Unionsverlag). **

Außerdem …

Djaimilia Pereira de Almeida, geboren 1982 in Luanda, Angola, wuchs in Portugal auf. Sie ist promovierte Literaturtheoretikerin, Autorin und schreibt für verschiedene Zeitschriften und Magazine. Sie erhielt 2018 ein Stipendium vom portugiesischen Kulturministerium und wurde mit mehreren Preisen und Auszeichnungen geehrt. Almeida lebt in Lissabon. Im Unionsverlag erschien im Frühjahr 2022 von ihr „Im Auge der Pflanzen“. Der Unionsverlag wurde 1975 in der Schweiz gegründet und hat seitdem mehr als 280 Autoren verlegt, sowohl aus Europa als auch aus dem arabischen Raum, Asien und Afrika. 

Wer sich intensiver mit Prosa und Lyrik aus Portugal beschäftigen möchte, dem empfehle ich die Ausgabe des „Jornal de Letras, Artes e Ideales“ kurz JL, seine Sonderausgabe zur Buchmesse (auf Deutsch) und die Internet-Seite von Camões, dem Kulturinstitut in Berlin und der Botschaft von Portugal in Deutschland.

**Ausführlichere Vorstellungen erfolgen nach und nach.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.