Rena Rosenthal: Die Hofgärtnerin – Frühlingsträume ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

Hofgärtnerinnen-Saga Band 1◾️ 

Oldenburg, 1891. Als Gärtnerin in der Natur zu arbeiten und die schönsten Blumen dieser Welt zu züchten, davon träumt Marleene schon ihr ganzes Leben. Doch ihr Wunsch scheint unerreichbar, denn eine Gärtnerlehre ist Männern vorbehalten. Aber Marleene gibt nicht auf: Kurzerhand verkleidet sich als Junge – und bekommt eine Anstellung in der angesehenen Hofgärtnerei. Doch es ist kompliziert, ihre Tarnung aufrechtzuerhalten. Als sie dann noch die beiden charmanten Söhne der Hofgärtnerei kennenlernt, werden ihre Gefühle vollends durcheinandergewirbelt. Marleene muss sich entscheiden – folgt sie ihrem Traum oder ihrem Herzen … (Verlagsinfo)

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Eine junge Frau setzt sich gegen zahlreiche Widerstände durch und erfüllt sich ihren Traum. Hört sich kitschig an? Ist es aber keineswegs. Auch wenn ich beim Intro mit dem Buch noch nicht so richtig warm wurde – als die 19-jährige Marleene beginnt, für ihren Traum zu kämpfen, packte mich der Roman.

Es war ihr größter Traum gewesen, eine Gärtnerlehre in der Hofgärtnerei zu machen. Wann immer sie von Pflanzen umgeben war, fühlte sie sich ihrem Vater nahe. Und sie liebte die Arbeit an der frischen Luft, das Gefühl der kühlen Erde an ihren Händen, den Duft von Regen und das leuchtende Grün der Gewächse in der Sonne. Wenn sie mit Pflanzen arbeitete, hatte sie das Gefühl, etwas Schönes und Sinnvolles zu tun.

Es ist für uns heute nur schwer nachvollziehbar, welchen Einschränkungen Frauen vor 130 Jahren unterlagen. Die waren gesellschaftlicher Natur – sie hatten lediglich Zugang zu wenigen Berufen. Wenn sie arbeiteten, dann meist als Hilfsarbeiterin, so wie in der Gärtnerei. Zwar gab es damals die ersten Gartenbauschulen für Frauen, doch diese waren in erster Linie für höhere Töchter gedacht. 

Bedingung für die Aufnahme in diesen zweijährigen Kursus war das Abschlusszeugnis einer zehnklassigen höheren Mädchenschule. Der Kostenaufwand für die Ausbildung mit Schulgeld, Pension, Anschaffungen und Taschengeld betrug annähernd dreitausend Mark, eine beträchtliche Summe. Sie entsprach in etwa dem Jahresgehalt eines neu ernannten preußischen Amtsrichters. (Zitat Gartenbauschule)

Prachtvolle Rhododendronblüte. Foto: Sabine Sopha

So ein Gartenbauschule gab es in Schleswig-Holstein in Kiel-Holtenau. (siehe Screenshot oben)

Und ein solches Institut hat Marleens Kollegen Dorothea besucht. Was aber nicht heißt, dass sie es einfacher hat. Zum einen erkennen die Männer sie nicht an. Zum anderen muss sie in langen Kleider und Korsett arbeiten, was natürlich fürchterlich umständlich ist. So kommt es, dass die Gärtnerinnen in England in den Kew Gardens Hosen tragen durften. Was Gaffer auf den Plan rief!

Ein weiterer interessanter Aspekt ist die Ansiedlung der Rhododendren im Ammerland. Wer heute durch die Region und durch Ostfriesland fährt, kann im Mai riesige Büsche bestaunen. Diese wurden damals erstmals in Deutschland kultiviert und so enthält der Roman auch ein Kapitel Gartenbaugeschichte, ohne dass Leser und Leserin jemals das Gefühl haben, ein Sachbuch zu lesen. Alle Informationen sind locker in die Handlung integriert.

„Hier gibt es mittlerweile bis zu 1000 Sorten, und die Gegend gilt als das Zentrum der Rhododendronzucht. Rund 85 Prozent der Rhododendren und Azaleen in Deutschland kommen aus dem Ammerland“, stellt Rena Rosenthal im umfangreichen und lesenswerten Nachwort des Buches fest.   

Die Autorin

Rena Rosenthal. Foto: Marina Weigl

Rena Rosentahl arbeitet als Autorin und Lektorin, stammt aber aus einer Gärtnerfamilie. „Mein Vater ist Gärtner, sein Zwillingsbruder, meine Schwester und mein Schwager ebenso, meine Mutter ist Floristin. Sie arbeiten alle zusammen in ihrer Baumschule in der Nähe von Oldenburg, und dort bin ich aufgewachsen.“ Die Idee zu dem Roman „verdanke ich der heimischen Gärtnerei, in der vor allem auch Flieder vertrieben wird“. Weiter schreibt sie: Mir schwebte auf einmal ein blasses Fliedermädchen vor. Dass in dem Fall auch der zweifarbige Flieder eine besondere Rolle spielen würde, wurde mir schnell klar, denn den gibt es tatsächlich. Er wurde in Wirklichkeit aber erst 1938 in den Niederlanden entdeckt. 

Wissenswertes erfährt man auch auf der Webseite von Rena Rosenthal. Wer sich registriert, erhält jede Menge Zusatzmaterial, ein toller Service!

Fazit

Ich konnte nicht aufhören zu lesen. Ein faszinierendes Buch. Es bietet einen sehr gut recherchierten historischen Hintergrund, eine packende (Liebes-) Geschichte, botanische Details, die auch für Laien interessant sind sowie regionalen Bezug. Absolut empfehlenswert! 

„Die Hofgärtnerin – Frühlingsträume“, Rena Rosenthal

688 Seiten, 11 Euro, Penguin, VÖ 22. März 2021

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