
In den Leander-Lost-Krimis beschreibt Gil Ribeiro sehr treffend Land und Leute der Algarve. Hier einige Beispiele. Wenn ich die Bücher lese, gibt es immer wieder Passagen, bei denen ich denke: Ja, genau so ist es.
Ria Formosa
„Wie ein schützender Gürtel lag die Lagune Ria Formosa, ein sechzig Kilometer langes Naturschutzgebiet, vor der Küste. Wer ein Bad im Meer suchte, musste sich zunächst von einer der kleinen Fähren in einer zehnminütigen Fahrt auf eine der Inseln übersetzen lassen. Kein Hotel fand sich deshalb an Fusetas Küstenlinie, keine Armee aus Sonnenschirmen, keine Eisverkäufer.“

„Das hier ist die Ria Formosa«, rief Carlos Esteves gegen den Wind, »ein großes Naturschutzgebiet, das uns viele Touristen vom Leib hält.“


Fuseta
„an Fusetas Bahnhof vorbeijagte. Einem abgelegenen Gebäude, in dem wie im restlichen Ort auch die Zeit stehen geblieben zu sein schien. Die Linha do Algarve war eine Eisenbahnstrecke, die von der spanischen Grenze im Osten bis nach Lagos im Westen alle Küstenorte miteinander verband. Die silbrigen, metallischen Züge, die auf der einspurigen Strecke entlangbummelten, schienen auf verschwiegenen Pfaden aus dem New York der Siebzigerjahre hierher gefunden zu haben.“

Die Altstadt Fusetas: „Die enge Straße führte steil und gerade hinab, die weißen oder blau und braun gefliesten Häuserfassaden rückten von beiden Seiten so nah heran, dass die Gehwege auf die Breite eines Passanten zusammenschmolzen.“


„Casal Garcia – was ist das?« »Ein Vinho Verde. Er prickelt noch, er ist noch sehr jung. Erfrischend.«“

„Luz de Tavira. Der Ort war in viele kleine Einheiten zersprengt. In Kirche und Dorfplatz am Rande der N 125, aber auch in Reihenhäuser im Osten, Villen an der Lagune im Süden und landwirtschaftliche Höfe weiter im Norden. Luz de Tavira wirkte ebenso pittoresk wie verschlafen. Eine kleine Prinzessin, die niemand wachgeküsst hatte.“

„Vor Leander Losts Augen entblätterte sich eine neue Welt. Die Dörfer bestanden nur noch aus einer Handvoll Häuser, die allesamt zu beiden Seiten der Straße erbaut worden waren. Sie wurden kleiner, und oft hatten die Besitzer dieses oder jenes improvisiert, ein Teil des Daches etwa oder ein Gartentor. Die Autos alterten wie die Landmaschinen, mit denen die Äcker bestellt wurden, von Dorf zu Dorf um ein paar Jahre. Die Straße nahm einen immer geschwungeneren Verlauf. „




„Graciana hätte sich möglicherweise verführen lassen an jenem Abend unten in der Hafenbar Farol, die in einem achteckigen, mit dunklem Holz verschalten Gebäude mit zwei Eingängen untergebracht war und vor der die Gäste nachts, selbst noch im Dezember, draußen saßen und auf die bunten Fischerboote schauten, die nur zehn Meter entfernt an der kleinen Hafenmauer vor Anker lagen…“

„Albufeira de Barragem de Odeleite. Er war das Wasserreservoir der Algarve. Wer immer hier duschte oder sich wusch, Wasser abkochte oder den Garten sprengte, tat das mit dem Wasser dieses Sees, der beständig durch den Fluss Odeleite gespeist wurde.“

„»Ja. Das sind Salinen. Mein Großvater hat hier schon Meersalz gewonnen. Mein Vater auch«, das Lächeln verminderte sich zu einem Schmunzeln, »das ist eine ziemliche Knochenarbeit da draußen. Mit Vorsalzbecken und dem ganzen natürlichen Reinigungssystem. Aber … am Ende bekommt man reines Meersalz. Ohne Chemie, ohne Zusatzstoffe, unraffiniert.«“


Pastel de Nata

Gefragt, wie es ihm die Nata schmeckt, antwortet Leander: Interessant.
„Das ist alles? Interessant?«, fragte Carlos. »Ja. Ich könnte noch vier, fünf davon essen.« Die beiden strahlten wie zwei Honigkuchenpferde. Denn das kleine Puddinggebäck war eine Art Nationalheiligtum. Eigentlich war es den Nonnen im Kloster Mosteiro dos Jerónimos in Belém zu verdanken, denn sie hatten zum Stärken ihrer Hauben sehr viel Eiweiß benötigt, sodass die Klosterbrüder über Unmengen von Eigelb verfügten. So war die Süßspeise entstanden.“
„Ihren landesweiten Mythos erlangte die Pastel de Nata allerdings erst ab 1834, als die Regierung im Zuge der Trennung von Staat und Kirche verfügte, dass die Kirche keine weltlichen Geschäfte mehr durchführen durfte – was zur Folge hatte, dass der rege Verkauf der Süßspeise fortan verboten war. […] Einer der Klosterbrüder trug das Rezept zur Zuckerraffinerie des Ortes, wo die Törtchen sich von Beginn ihrer Herstellung an rasend verkauften. Daraufhin beschloss die Führung der Raffinerie, die Rezeptur geheim zu halten. Und das blieb sie bis heute.“
