
Ohne sie wäre ich verloren. Für den wöchentlichen Lebensmitteleinkauf waren sie schon immer überlebensnotwendig. Diverse Bank-Geschäfte oder die Verlängerung des Personalausweises wären ohne einen Vermerk auch ungetan untergegangen. Das kennt wohl fast jeder von uns.
Aber inzwischen brauche ich für alles eine Do-To-Liste: Wann ich Wäsche waschen muss, wann das Wohnzimmer mal wieder geputzt werden sollte, wann die Blutpflaume im Garten geschnitten werden soll. Nun ist es nicht so, dass ich an beginnender Demenz leide. Hoffe ich jedenfalls.
Es ist vielmehr so, dass meine Tage nicht mehr so strukturiert sind wie früher. Also wie zu jener Zeit, als der tägliche Gang ins Büro meinen Lebensunterhalt sicherte. Inzwischen wird die monatliche Gage von der Rentenversicherung überwiesen. Das bedeutet: Jeden Tag ausschlafen. Immer tun, wozu ich Lust habe. Es ist jener wunderbar paradiesische Zustand, den ich jahrelang herbeigesehnt habe.
Der Nachteil: Ein Tag ist wie der andere. Es ist immer Wochenende. Hab‘ ich letzte Woche die Wohnung geputzt? Oder liegt dieses ungeliebte Ereignis schon wieder zwei Wochen zurück? Da hilft nur, ihr wisst es schon – eine Liste!
Jetzt verstehe ich, warum meine Mutter früher feste Tage für bestimmte Tätigkeiten hatte. Am Montag wurde eingekauft, am Dienstag Wäsche gewaschen, am Mittwoch die Wohnung geputzt, am Freitag Kuchen gebacken. Und das konnte auch nicht geändert werden.
Ich bin da spontaner. Und schaue auf meine Liste, um festzustellen, dass ein Ereignis mal wieder überfällig ist. (Ihr ahnt es. Meist ist es der Wohnungsputz.) Na ja, und es versteht sich, dass ein Punkt auf meiner langen, langen Liste der Erinnerungen war: Eine Randnotiz zum Thema To-Do-Listen schreiben …
