Rezension – Heinz-Joachim Draeger: Ich, Christian Buddenbrook

Skizzen eines Lübecker Kaufmannssohns ◼️

Bewertung: 5 von 5.

Man muss die „Buddenbrooks“ nicht gelesen haben, um an diesem Buch Gefallen zu finden.

Verlagsinfo

Das Leben der Familie Buddenbrook scheint durch ihren Chronisten Thomas Mann gut aufgearbeitet – umso überraschender ist dieser Sensationsfund: Christian Buddenbrook hat die Seiten eines Firmenkontorbuchs zum ganz persönlichen Tagebuch gemacht: Er zeichnete darin Selbstporträts und Stadtbilder, seine Familie und die Lübecker Gesellschaft; er hielt Reisen und Theatererlebnisse und schließlich auch seine Leiden auf Papier fest. Das bildgewordene Soll und Haben seines Lebens zeigt Christian Buddenbrooks scharfen Blick auf Stadt und Mitmenschen. Galt er seiner Familie und der Nachwelt als familiärer Tunichtgut und kaufmännischer Versager, so zeigt sich in seinem Skizzenbuch seine Begabung zur komischen und pointierten Nachahmung im Zeichnerischen. Der heutige Betrachter hat das besondere Vergnügen, in Christian Buddenbrooks Skizzenbuch alte Bekannte wiederzuentdecken und dem satirischen Blick des Künstlers zu folgen wie seine Zeitgenossen seinen Erzählungen. Für dieses Buch hat sich der Zeichner und Autor Heinz-Joachim Draeger einfühlsam in die literarische Gestalt des Christian Buddenbrook versetzt. Er wird phantasievoll und eigenwillig als verkannter Künstler lebendig. Thomas Mann ging einst von einer realen Person aus, der er auf literarischer Ebene eine neue Identität gab.

Das Buch

Das schwarze Schaf der Kaufmannsfamilie langweilte sich nämlich im Kontor – und zeichnete in einem Rechungsbuch Selbstporträts und Stadtbilder, seine Familie, die Lübecker Gesellschaft und macht Anmerkungen über Theatererlebnisse. Die „Skizzen eines Lübecker Kaufmannssohns“ sind frech, frivol und ausgesprochen amüsant. 

Beim Schreiben seines Romans hatte Thomas Mann eine reale Person vor Augen, der er literarisch eine neue Identität gab. Draeger verleiht dem poetischen Vorbild wiederum eine neue reale Identität. „Dieses Wechselspiel zwischen Phantasie und Wirklichkeit interpretiert und spiegelt das Romangeschehen auf unterhaltsamste Weise“, schreibt der Verlag.

Fazit

Eine witzige Idee und wirklich höchst unterhaltsam. Zumal Birte Lipinski (Leiterin des Lübecker Buddenbrook-Hauses beim Erscheinen des Buches), im Nachwort einiges dazu verrät. 

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