Der Literaturnobelpreisträger wurde am 6. Juni vor 150 Jahren in Lübeck geboren ◼️
Der Schriftsteller, seine Familie, seine Bücher ◼️

Dieser Geburtstag macht schon seit Monaten von sich reden. Thomas Mann. Das ist nicht nur ein Schriftsteller. Das ist ein Literaturnobelpreisträger, eine Ausnahmeerscheinung, ein Mahner gegen Krieg und Hitler. Und so wird dieses Mannes vielfältig gedacht, mit Neuerscheinungen und Veranstaltungen. Sogar als Playmobil-Figur gibt es ihn jetzt.

Es ist unglaublich, was alles von und über Thomas Mann sowie seine Familie publiziert wurde. Seine eigenen Bücher, seine Briefwechsel, Erinnerungen seiner Frau und seiner Kinder. Versteht sich, dass zum jetzigen Jubiläum noch einmal eine Vielzahl von Literatur über die Manns erscheint oder erschienen ist. Ich bin keine Mann-Expertin, ja, ich habe noch nicht einmal „Buddenbrooks“ gelesen. Aber ich finde die Vita dieses Schriftstellers und seiner Familie sehr spannend.
Das Leben von Thomas Mann
Thomas Mann kam 1875 in einer Lübecker Kaufmannsfamilie zur Welt. Materiell gesichert begann er eine schon in jungen Jahren recht erfolgreiche Schriftstellerkarriere – wie sein älterer Bruder Heinrich. Thomas Mann wohnte ab 1894 in München. Dort lebte er später, inzwischen berühmter Autor, auch mit seiner Familie. Katia und Thomas Mann hatten sechs (fast alle schriftstellerisch tätige) Kinder: Erika, Klaus, Golo, Monika, Elisabeth und Michael. Der Nobelpreis 1929 bestätigte Thomas Manns internationalen Rang. Ab 1933 lebte er, ein engagierter Gegner des NS-Regimes, in der Schweiz und emigrierte 1938 weiter in die USA. Thomas Mann kehrte 1952 in die Schweiz zurück und starb 1955 in Zürich. (Webseite des Fischer-Verlages)
Breloer und die Manns
Einen guten Einstieg in die Lebensgeschichte bietet das Buch von Heinrich Breloer – natürlich auch sein 2021 erschienener Dreiteiler über die Familie. Bei der Lektüre wurde mir erstmals bewusst, dass Thomas Mann nur seine ersten Jugendjahre in Lübeck verbracht hat. Nach dem Tod des Vaters lebte die Familie in München. Hier erfahren wir auch etwas darüber, wie die Verbindung zum Fischer Verlag zustande kam, der bis heute die Werke des Nobelpreisträgers verlegt.
Heinrich Mann erzählt seinem Bruder:
„Ich wollte unbedingt von der Dresdner Buchhandlung weg. Das waren dort alles Banausen, und ich kam überhaupt nicht mit ihnen zurecht. Das passte Vater natürlich gar nicht, und er reiste extra zu mir, um mir die Leviten zu lesen. Da hatte ich mich aber Gott sei Dank schon beim Fischer Verlag in Berlin beworben, der mich auch haben wollte. Aber das weißt du sicher schon alles. Und in Berlin ist es überhaupt großartig. Du kannst dir das gar nicht vorstellen.“
Im Verlag Samuel Fischer erschien auch „Buddenbrooks“. Eine Passage dazu aus dem Breloer-Buch:
Paul […] fragte seinen Freund, wo er denn das Originalmanuskript der Buddenbrooks versteckt habe, wenn er die Kopie nach Berlin …
»Das ist das Original! Es gibt keine Abschrift«, unterbrach ihn Tommy.
»Du schickst die einzige Handschrift mit der Post zum Verleger? Die Arbeit von drei Jahren?« Paul konnte es kaum glauben. […]
»Was, wenn es schiefgeht?«
»Dann gibt es die Buddenbrooks nicht. «
Die Fischer Webseite zu Thomas Mann und seinen Werken ist übrigens sehr umfangreich und sehr ansprechend gestaltet: https://www.thomasmann.de

Das Buddenbrookhaus
Das Haus seiner Großeltern war das literarische Vorbild für den 1901 erschienenen Roman „Buddenbrooks“, der mittlerweile in 32 Sprachen übersetzt ist: Die Geschichte spielt zu großen Teilen in einem »Haus in der Mengstraße«, das große Ähnlichkeiten, aber auch einige Unterschiede zum Haus Mengstraße 4 in Lübeck aufweist. Thomas Mann orientierte sich beim Schreiben seines Romans an der historischen Wirklichkeit, verwandelte sie aber in Dichtung. Dadurch wurde auch das Haus als »Buddenbrookhaus« weltberühmt. Heute – ein Jahrhundert nach dem Erscheinen des Romans – hat es seine Bestimmung gefunden: Nach einer wechselvollen Geschichte beherbergt es das Heinrich-und-Thomas-Mann-Zentrum, eine Gedenk- und Forschungsstätte für die beiden Schriftstellerbrüder. (Webseite Buddenbrookhaus)
Hier finden zahlreiche Veranstaltungen statt. Die Ausstellung „Meine Zeit. Thomas Mann und die Demokratie“ ist gerade eröffnet worden. Aber Achtung: Noch wird das Haus umgebaut. Das St. Annen-Museum ist jetzt Veranstaltungsort.

Thomas Mann und die Demokratie
Thomas Mann hatte etliche Wohnsitze. Bereits frühzeitig hatte Thomas Mann vor den Nazis gewarnt. Im März 1933verbrachte er mit Ehefrau Katia Tage im schweizerischen Arosa. Tochter Erika riet von einer Rückkehr ab. Die Villa der Familie in München wurde beschlagnahmt. Später ließ sich das Paar im schweizerischen Küsnacht nieder.
Am 19. November 1936 wurde ihm und seiner Familie – ebenso wie seinem Bruder Heinrich – die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft zuerkannt. Kurz darauf wurde ihnen die deutsche aberkannt.
Aussagen Manns zum Nationalsozialismus, seine Warnungen, finden momentan auch in den sozialen Medien eine weite Verbreitung. Allerdings dauerte es lange, bis er sich ganz klar positionierte. In diesem Zusammenhang empfehle ich die Lektüre der zum Jubiläum erschienen Artikel in Tageszeitungen, unter anderem in der NZZ.
Thomas Mann und das Meer
Das Meer hat in Thomas Manns Leben immer eine besondere Rolle gespielt. Auch für seine Mutter Julia, eine gebürtige Brasilianerin, hatte es eine große Bedeutung. Mann Beziehung zum Meer greifen mehrere Bücher auf (siehe Buchliste).
1929 war die Familie zum ersten Mal auf der Kurischen Nehrung. In Nida baute er sich ein Sommerhaus, sein Ausspruch vom „Italienblick“ wird oft zitiert. Das Haus ist heute ein Thomas-Mann-Kulturzentrum und bietet zum Jubiläum ebenfalls Veranstaltungen an.



Die Familie
Etwas ist mir bei den jetzigen Recherchen aufgefallen. Die Rede ist von sechs Kindern, unter anderem im Wikipedia-Eintrag. „Wir sind unserer sechs“ lautet auch der Titel einer Biografie von Armin Strohmeyr. Im Untertitel finden lediglich Erika, Klaus, Golo, Monika, Elisabeth und Michael Erwähnung. Aber Michael Mann? Schon mal gehört? Er war der Jüngste, geboren am 21. April 1919, ein Musiker und Literaturwissenschaftler, der in Amerika lebte, wo er am 1. Januar 1977 in Kalifornien starb.
Die Kinder der Manns
> https://www.br.de/themen/kultur/inhalt/literatur/die-kinder-der-manns100.html
> https://www.thomasmann.de/leben/kinder#michaelmann
Ebenfalls selten im Fokus steht Carl Viktor Mann. Geboren am 12. April 1890 war er wesentlich jünger als seine Geschwister, seine Brüder Heinrich und Thomas erschienen ihm aufgrund des großen Altersunterschiedes eher wie Onkel. In seiner Autobiografie „Wir waren fünf“ beschrieb er vor allem sein eigenes und das Leben seiner Mutter, der er das Buch auch widmete. Während des Nationalsozialismus blieb er in Deutschland. Er starb am 21. April 1949.
Lübeck
Im Frühsommer 1955 besuchte Thomas Mann ein letztes Mal Travemünde und seine Vaterstadt, die ihn dieses Mal eingeladen hatte: In Lübeck bekam er am 20. Mai die Ehrenbürgerwürde verliehen. In seiner Dankesrede nahm er Bezug auf seinen Vater, den früheren Senator der Stadt: „Ich kann wohl sagen, sein Bild hat immer im Hintergrunde gestanden all meines Tuns, und immer habe ich es bedauert, daß ich ihm zu seinen Lebzeiten so wenig Hoffnung machen konnte, es möchte aus mir in der Welt noch irgend etwas Ansehnliches werden. Desto tiefer ist die Genugtuung, mit der es mich erfüllt, daß es mir gegönnt war, meiner Herkunft und dieser Stadt, wenn auch auf ausgefallene Weise, doch noch etwas Ehre zu machen.“ (Wikipedia
Dieser Artikel bietet keine vollständige Übersicht über das Leben des aus Lübeck stammenden
Wie gesagt: Ich habe bisher nur ein Buch von Thomas Mann gelesen. „Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“. Und das liegt auch schon viele Jahre zurück. Die „Buddenbrooks“ habe ich im Bücherregal stehen. Auf jeden Fall lohnt sich die Beschäftigung mit dem Leben und Werk dieses Mannes. Vor allem bei den heutigen politischen Verhältnissen, die fatal an jene vor hundert Jahren erinnern. Dr. Caren Heuer, Leiterin des Buddenbrook-Hauses in Lübeck, ist dieser Tage in Presse und Fernsehen präsent. Im LandGang-Magazin Ausgabe Juli/August wird sie als „Büchermensch“ porträtiert. Und hat einen guten Tipp für alle, die sich bisher nicht an die gewichtige Lektüre herangetraut haben. „Mario und der Zauberer“, nicht so gewaltig wie andere Mann-Werke und an einem Sonnabend lesbar. Aber die „Faschismusparabel ist ein lohnenswerter Text und einer, der uns alle gerade betrifft.“

Über Thomas Mann
(Neuerscheinungen, Auflistung ohne Wertung)
- Wolfgang Tarnowski: Auf den Spuren von Thomas Mann
- Julian Voloj, Friedhelm Marx, Magdalena Adomeit: Thomas Mann. 1949 (Grafic Novel)
- Katrin Bedenig und Hans Wißkirchen: Briefwechsel Heinrich Mann – Thomas Mann
- Volker Weidemann: Mann vom Meer. Thomas Mann und die Liebe seines Lebens
- Martin Mittelmeier: Heimweh im Paradies. Thomas Mann in Kalifornien
- Heinrich Breloer: Tadelloses Glück. Der junge Thomas Mann und der Preis des Erfolgs
- Oliver Fischer: „Man kann die Liebe nicht stärker erleben“. Thomas Mann und Paul Ehrenberg
Über die Familie Mann
- Annette Seemann: Die Töchter des Zauberers
- Unda Hörner: Solange es eine Heimat gibt. Erika Mann
- Armin Strohmeyr: Wir sind unserer sechs. Die Geschichte der Geschwister Mann
älter
Tilmann Lahme: Die Manns. Geschichte einer Familie
Tilmann Lahme: Golo Mann
Die Briefe der Manns
Dagmar von Gersdorff: Julia Mann. Die Mutter von Thomas und Heinrich Mann.
Heinrich Detering: Das Meer meiner Kindheit
Romane, die sich mit der Familie Mann beschäftigen
- Heinz Strunk: Zauberberg 2. Eine Hommage an den Klassiker von Thomas Mann
- Tilo Eckardt: Unheimliche Gesellschaft. Die Affäre Thomas Mann
- Tilo Eckardt: Gefährliche Betrachtungen: Der Fall Thomas Mann
- Matthias Lohre: Teufels Bruder
- Michael Maar: Das Blaubartzimmer
- Inger-Marie Mahlke: Unsereins

Von Thomas Mann
- Autorenseite des Fischer-Verlages. Umfangreiche Vorstellung von Büchern über Mann sowie sein Gesamtwerk. Außerdem: deutschlandweite Veranstaltungshinweise
Bücher anderer Familienmitglieder
- Heinrich Mann: Der Untertan / Professor Unrat / Die Vollendung des Königs Henri Quatre und andere
- Katia Mann: Meine ungeschriebenen Memoiren
- Klaus Mann, Erika Mann: Das Buch von der Riveria
- Klaus Mann, Erika Mann: Rundherum. Abenteuer einer Weltreise
- Golo Mann: Erinnerungen und Gedanken. Eine Jugend in Deutschland
- Golo Mann: Erinnerungen und Gedanken. Lehrjahre in Frankreich
- Golo Mann – etliche historische Werke
Veranstaltungen (Auswahl)
- Ausstellung: „Meine Zeit. Thomas Mann und die Demokratie“. 6. Juni 2025 bis 18. Januar 2026, Lübeck, St. Annen-Museum
• Themenabend auf Arte zum 150. Geburtstag von Thomas Mann im Juni 2025
• Thomas-Mann-Festival, 12.-19. Juli 2025 in Nida (Litauen)
Organisationen

Außerdem …
Playmobil Video Die Playmobil-Sonderfigur ehrt den großen Schriftsteller zu seinem 150. Geburtstag 2025 und ist ein gemeinsames Projekt von S. FISCHER und dem Buddenbrookhaus. Die Figur ist individuell gestaltet und zeigt Thomas Mann, bekleidet in hellem Anzug und mit Hut; in der Hand trägt er einen Spazierstock und ein aufgeschlagenes Buch, das eine Seite aus dem Roman »Buddenbrooks« zeigt.
