Die Autorin über ihren Debütroman ◼️

Sarah Lorenz wurde 1984 in Eckernförde geboren. Die gelernte Buchhändlerin studierte Sozialarbeit und lebt nun auf St. Pauli. Unter dem Pseudonym Buchi Schnubbel folgen ihr auf Instagram rund 19.000 Menschen. Mit ihrem im Rowohlt Verlag erschienenen Roman „Mit dir, da möchte ich im Himmel Kaffee trinken“ legt sie ein furios geschriebenes und erfolgreiches Debüt vor. Der in Teilen autobiografische Roman erzählt die Geschichte von Elisa, die ein schwieriges Leben hat. Mit Liebe, Hoffnung und den Gedichten der Lyrikerin Mascha Kaléko (1907-1975) kämpft sie sich durch.

Das Interview führte Birte Stährmann
War Eckernförde je deine „Heimat“ oder ist es nur dein Geburtsort?
Eckernförde ist mein Geburtsort, mein Sehnsuchtsort und irgendwie auch ein Heimatort. Unentschlossen bin ich, ob ich hier wirklich leben wollte. Einerseits bin ich ein Großstadtmensch. Andererseits habe ich eine Sehnsucht nach etwas Kompaktem und Beschaulichem.
Weshalb ist Eckernförde ein Sehnsuchtsort für dich?
Ich habe meine ersten vier Jahre hier gelebt. Nur den Namen der Stadt zu lesen, hat für mich die Wirkung, als wenn ich ein beruhigendes Bild ansehe. Das ist ein ganz tiefes Gefühl, das sich nicht gut in Worte fassen lässt.
Wie ist es für dich, in deiner Geburtsstadt aus deinem Romandebüt zu lesen?
Für mich ist das richtig doll besonders und berührt mich tief. Meine Premiere war mit 200 Leuten im Pfefferberg-Theater Berlin. Das war voll krass, ich war glücklich und stolz. Aber das hier ist auf der emotionalen Ebene etwas anderes. Denn ich weiß: Hier begann ein Leben, von dem es unwahrscheinlich war, dass ich 40 Jahre später hier sitze und aus meinem Buch vorlese. Es bedeutet mir enorm viel.
Welche Unterschiede hat ein Leben in der Klein- und Großstadt aus deiner Sicht?
Es hat beides mit dem Gefühl zu tun, nicht allein zu sein. An der Großstadt gefallen mir die Konsummöglichkeiten und der Eindruck, dort niemals einsam zu sein. Andererseits ist eine Kleinstadt ein Gegner der Einsamkeit: weil da eine ganz andere Verbundenheit ist. Geht man durch die Stadt oder den Markt, kennt man jemanden.
Dafür fühlt sich die Kleinstadt manchmal regelrecht ausgestorben an.
Wer und was bedeutet Heimat für dich? Wann fühlst du dich beheimatet?
Es ist ein Gefühl des Miteinanders. Man muss gar nicht mit den Menschen in einem Raum sein, die man liebt. Es reicht zu wissen, sie sind in der Nähe. Heimat ist für mich Sicherheit. Sicherheit hat für mich damit zu tun, vier Wände, eine funktionierende Heizung und einen gefüllten Kühlschrank zu haben.
Was hat dir Halt gegeben in deinem immer wieder heimatlosen Leben?
Es waren sicherlich die Bücher. Ganz gleich was los war in meinem Leben, an welchen merkwürdigen Orten ich mich aufgehalten habe, ich habe immer gelesen. Ich hatte immer eine andere Welt bei mir, in die ich verschwinden konnte.



Wann verliert man Heimat?
Wenn eines der elementaren Grundbedürfnisse nicht mehr gestillt wird. Ganz verliert man die Heimat, wenn man keine Hoffnung und keine Träume mehr hat. Dann wird es schwierig mit dem Dasein.
Wie kann man Heimat wiederfinden?
Dieser trostlose, haltlose Zustand muss überwunden werden mit dem Gedanken: Es lohnt sich noch, dieses Leben weiterzuleben! Man muss die Hoffnung haben, dass es möglich ist, die Heimat wiederzufinden.
Was bedeutet dir die Lyrikerin Mascha Kaléko, die in den 30er Jahren als Jüdin emigrieren musste und Zeit ihres Lebens heimatlos war?
Ich habe Mascha Kaléko während meiner Ausbildung als Buchhändlerin in einem Berliner Antiquariat entdeckt. Obwohl die Gedichte vor über 90 Jahren entstanden sind, finden sich zu jedem Thema und für jede Lebenslage ein passendes Gedicht. Du verstehst und fühlst ihre Gedichte – und dazu kommt noch dieses Kecke.
Was dürfen wir als nächstes von dir lesen?
Ich sitze am zweiten Roman, der 2027 erscheinen soll. Er spielt an einem Ort, der Heimat für mich ist. Jetzt kann man raten, um welchen Ort es sich handelt – es ist Eckernförde.
> Das Buch „Mit dir, da möchte ich im Himmel Kaffee trinken“
