Rezension – Nicolas Jolivot: Streifzüge durch meinen Garten

Bewertung: 5 von 5.

Es gibt Bücher, die faszinieren einen vom ersten Augenblick an. Dieses gehört dazu. Zum einen liegt es an den detailreichen und großartigen Zeichnungen von Nicolas Jolivot. Zum anderen an der Geschichte, die er erzählt: Vom Wandel eines Gartens im Laufe der Jahrzehnte und der Jahreszeiten.

Verlagsinfo

Nach Jahren des Reisens entschied der französische Künstler Nicolas Jolivot im Herbst 2019, von nun an zu Hause zu bleiben, und nahm damit vorweg, was kurz darauf der ganzen Welt blühte. Zwei Jahre lang wollte er nur noch durch seinen Garten reisen. Es ist der Garten seiner Familie, zweihundert Jahre alt. Nicolas Jolivot porträtiert diesen Garten und alles Lebendige darin – Pflanzen, Tiere, Erinnerungen. Er nimmt seine Leser und Leserinnen mit auf eine Zeitreise, bis ins Jahr 1821 zurück, zu den Ursprüngen dieses Stückchens Land, und bis in die hintersten Winkel des Familiengedächtnisses, und zeichnet die wichtigsten Etappen in der Geschichte des Ortes nach. Gleichzeitig zeigt er auf, wie sich das Leben in einem Garten und die Natur mit dem Wechsel der Jahreszeiten ändern.

Das Buch

„Streifzüge durch meinen Garten“. Das hört sich erstmal unspektakulär an. Das Cover lässt den wunderschönen Inhalt zwar erahnen, aber erst beim Durchblättern und später genauen Betrachten offenbart sich die volle Dimension dieses Streifzuges.

Zwei Jahre lang hat der Autor den Garten fast zu jeder Stunde des Tages besucht. Auf diese Weise erlebt man Flora und Fauna im Wandel der Jahreszeiten. Die Illustrationen wechseln zwischen großen Überblicken und einer Vielzahl von Details. Mit der großen Vielfalt und den unterschiedlichen Perspektiven, die Jolivot einnimmt, wirkt das Grundstück viel, viel größer als ummauerte 300 Quadratmeter.

Aus der Verlagsvorschau des Dörlemann-Verlages. Foto: Screenshot

1821 war das Areal noch ländliches Gebiet am Fluss Thouet. 1855 wurde eine Straße gebaut. 1873 entstand das Haus mit eingefriedetem Grundstück, so wie es für die Region typisch ist. Es gab wechselnde Besitzer, bis es 1904 das Eigentum von Frauen seiner Familie wurde. Als das erfahren Leserinnen und Leser in zweiseitigen Zeichnungen mit Erklärungen. Für Nicolas Jolivot birgt die grüne Oase persönliche Erinnerungen. Er meldet aber keine Besitzansprüche an.

„Der Garten gehört ebenso denen, die vor mir kamen, wie allen, die noch kommen werden, da jeder Ort ein unendlich langes Band ist, dem die Menschen nur als simple Motive aufgedruckt werden. Ich bin lediglich Schüler und Wanderer auf diesem winzigen Punkt des Planeten.“

Der Autor

Nicolas Jolivot wurde 1965 geboren. Seine Karriere als bildender Künstler begann, als er im Jahr seines Abschlusses an der Kunsthochschule École nationale supérieure des arts décoratifs in Paris auf einer Wanderung durch Frankreich Winde zeichnete. Seitdem war er viel unterwegs, meist allein, und hielt seine Erlebnisse in prächtigen Zeichenbüchern fest, die er mit vor Ort gefundenen Materialien gestaltete. Seine Reisen führten ihn in den Wald von Guyana, in den Maghreb, nach Japan, an die Ostsee, an die Ufer des Gelben Flusses in China oder auch zu den Quellen des Nils. Er ist Autor von zehn Büchern über seine Wanderungen und wurde mit mehreren Literaturpreisen ausgezeichnet. (Info des Verlages)

Dann wollte er es ruhiger angehen lassen.

„[…] widmete ich mich ganz dem Garten und setzte mir hochmotiviert das Ziel, alles aufzulisten, was er bereithielt. Nach einem Monat des Sichtens erkannte ich, dass die Natur in ihrer unablässigen Bewegung und unend­lichen Kleinteiligkeit mein Vorhaben illusorisch machte.“

Wirklich? Bewegung, Wandel und viele kleine Details sind mit Liebe festgehalten. Dazu kommen fachliche Informationen, wie die Namen von Käfern und Blumen, auch auf Lateinisch. 

Fazit

Die außergewöhnlichen Illustrationen und der Blick auf Details machen dieses Buch zu einem intensiven Erlebnis. Ich kann es mir immer wieder und immer wieder anschauen und entdecke doch stets etwas Neues. „Vielleicht das schönste Buch des Frühjahrs“ schrieb der Verlag in seiner Vorschau. Ich gehe noch weiter: Eines der schönsten Bücher des Jahres! Es ist jetzt schon eines meiner Lieblingsbücher. Ich kann es jedem Gartenfreund nur wärmstens ans Herz legen.

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