
Er gilt als typisch deutsch: der Strandkorb. Denn es gibt keinen anderen gängigen Begriff. Schätzungsweise 70.000 Exemplare stehen an deutschen Küsten, vielleicht auch mehr. Dazu kommen noch die vielen Liebhaberstücke in Gärten. Heute wird er gefeiert: Der 15. Juni ist der Tag des Strandkorbs.
Die Erfindung
Dieser Tag ist nicht zufällig gewählt. Am 15. Juni 1882 stellte der kaiserliche Hofkorbmacher Ludolph Wilhelm Eduard Bartelmann in Warnemünde seinen ersten Strandkorb auf. Ob es denn tatsächlich der erste Strandkorb der Geschichte war, darüber gibt es keine gesicherten Quellen. Bereits im 17. Jahrhundert fertigten flämische Korbmacher geschlossene Weidensessel an – allerdings für die Nutzung im Haus, um zum Beispiel rheumageplagte Bewohner gegen Zugluft zu schützen, schreibt Moritz Holfelder in seinem „Buch vom Strandkorb“.
Eine rheumageplagte Frau war es auch, die bei Korbflechter Wilhelm Bartelmann einen Sitzkorb in Auftrag gab. Ihr Arzt hatte ihr den Aufenthalt am Meer verboten. Doch darauf wollte sie nicht verzichten. So entstand der erste Einsitzer für den Strand. Übrigens: Die Geschichte hat Micaela Jary zu ihrem Roman „Die Villa am Meer“ inspiriert. Zwar ist im Buch-Titel nicht vom Strandkorb die Rede, aber im Mittelpunkt steht eine Frau. Ihr Mann stellt Strandkörbe her, sie eröffnet einen Verleih und sorgt so für die Bekanntheit. Vorbild ist Elisabeth Bartelmann, die im Sommer 1883 in Warnemünde den ersten Strandkorbverleih eröffnete.
- Kuriose Feiertage: Tag des Strandkorbs
- BR2-Kalenderblatt: 15. Juni 1882: Der erste Strandkorb wird aufgestellt
- Porträt Wilhelm Bartelmann mit historischen Fotos der ersten Strandkörbe
- Wikipedia-Eintrag mit einem historischen Abriss und weiterführenden Quellen

Strandkörbe heute
Die modernen Strandkörbe bieten vielfältigen Komfort. Oft sind sie stufenlos verstellbar, haben komfortable Tischchen, lassen sich auf Rollen leicht an einen anderen Ort bewegen. Etliche Manufakturen in Deutschland fertigen sie in Handarbeit an, zum Beispiel an der Westküste die Eiderstedter Strandkörbe oder in Ostdeutschland seit 100 Jahren das Korbwerk.
Es gibt Kuriositäten wie eine Strandkorbsauna oder einen mobilen Strandkorb. Und natürlich gibt es viele Liebesromane und Krimis, in den das geflochtene Sitzmöbel eine Rolle spielt.

Strandkorb-Bücher
Eine kleine Übersicht von Strandkorb-Romanen. Einige davon werden auf dem Blog vorgestellt.
- „Die Villa am Meer“, Micaela Jary – die Erfindung des Strandkorbs und sein Siegeszug von Rostock-Warnemünde aus
- „Das Buch vom Strandkorb“, Moritz Holfelder: Sehr umfassend, aus dem Jahre 1996, nur noch antiquarisch
- „Vom Badekarren zum Strandkorb“, Horst Prignitz: Entwicklung aus ostdeutscher Sich
- „Strandkorbsommer“, Barbara Erlenkamp
- „Soko Sylt – Strandkorbmörder“, Nele Nordland
- „Der Tote im Strandkorb“, Anna Johannsen
- „Tote brauchen keinen Strandkorb“, Julia Bruns
- „Ein Strandkorb für Oma“, Janne Mommsen
- „Strandkorbgeschichten“, Sina Beerwald
- „Strandkorbliebe auf Amrum“, Lotta Larsson
- „Strandkorbträume“, Gabriella Engelmann
- „Ein Strandkorb macht noch keine Liebe“, Marit Bernson
