
Mit dem Motorrad die Seidenstraße entlangfahren. 30.000 Kilometer! Das ist beachtlich, großartig, faszinierend. Susanne und Thomas Goertz aus Krefeld haben es gemacht. Das Buch über die Vorbereitungen und die Tour ist nicht nur für Motorradfahrer lesenswert, sondern für alle Menschen mit Fernweh.
Verlagsinfo
Vom Niederrhein aus immer ostwärts – Urlaub geht wohl anders! Authentisch und mit einer gehörigen Portion Humor schildert die Autorin die Erlebnisse einer abenteuerlichen Überlandreise, die ihresgleichen sucht. Neun Monate lang lassen Susanne und Thomas Goertz Arbeit, Familie, Heim und alles, was nicht auf zwei betagte Motorräder passt, zurück. 30.000 Kilometer geht es entlang der legendären Seidenstraße zu Zielen, die die beiden nicht nur an ihre körperlichen Grenzen bringen – auf fantastische Bergwelten, Wüsten und Steppen, exotische Städte und charaktervolle Menschen trifft das Paar genauso wie auf weniger angenehme Zeitgenossen. Sie erleben den Horrortrip einer Inhaftierung in Iran wegen Spionageverdachts, werden in Tibet höhenkrank und sind im Übrigen ständig bemüht, die Motorräder am Laufen zu halten.
Das Buch
Am Anfang habe ich mich ein wenig schwergetan. Denn im Prolog schildert Susanne Goertz die Entscheidungsfindung und die Vorbereitungen. Bis es auf Tour geht, dauerte es schließlich einige Zeit – und für die Leserinnen und Leser einige Seiten.
„Anerzogene Bodenständigkeit und ein gewisses Maß an Organisationsfähigkeit führen zwangsläufig zu der Einsicht, dass aus dem Reiseplan nur etwas werden kann, wenn für eine gute Vorbereitung gesorgt ist,“
schreibt Susanne Goertz. So haben die beiden auch nicht ihre Jobs aufgegeben, sondern recht komfortable Lösungen gefunden. Und sie haben sich Gedanken gemacht, wie viel Geld sie benötigen werden und die Kosten im Anschluss aufgelistet. Ein sehr guter Service für alle, die ähnliches planen.

Im März sind die Beiden in Deutschland aufgebrochen. Durch die Schweiz und Italien ging es nach Griechenland. In den Alpen lag Schnee. Und Susanne Goertz ist ehrlich. Die Kälte hat ihr zugesetzt.
„Diese Schmerzen und die ständige Kälte! Ich zerrupfe ein Tempotuch und stecke mir die Schnipsel in die Ohren, um sie etwas mehr zu schützen. Beschämt wische ich mir die Tränen vom Gesicht – dass ich so kurz nach dem Aufbruch schon heule! Ich bin froh darüber, dass Thomas mich gut kennt und weiß, dass ich in ein paar Minuten wieder im Sattel sitzen werde und weiter will.„
Ein weiteres Plus des Buches: Hier wird nichts geschönt. Die Autorin ist ehrlich. Nervige Stopps, Reparaturen und andere Schwierigkeiten werden genauso erwähnt wie die vielen wunderbaren Begegnungen mit Menschen. Dass Susanne Goertz alles so präzise aufschreiben konnte, verdankt sie übrigens ihren Tagebuch-Notizen. Wer viel reist, weiß, dass es nicht immer einfach ist, die zahlreichen Eindrücke tagesaktuell festzuhalten. Aber die Aufzeichnungen sind später eine wertvolle Erinnerung – wie auch dieses Buch zeigt.
Von Italien ging es weiter nach Griechenland. Es folgten Türkei und Iran. Und dann Länder, deren Namen Vielen sicherlich nur durch Karl-May-Lektüre bekannt sind: Turkmenistan – Usbekistan – Tadschikistan – Kirgistan. Schließlich West-China – Tibet – Nepal – und am Ende Thailand.
69 Farbfotos und 17 s/w-Abbildungen sorgen dafür, dass man sich alles noch besser vorstellen kann.
Fazit
Ein sehr authentischer und lesenswerter Bericht über eine ganz und gar nicht alltägliche Reise. Hut ab vor dieser Leistung. Und schön, dass man sie anhand des Buches nacherleben kann.
„Seidenhart – Die ganze Geschichte“, Susanne Goertz
308 Seiten, 14.90 €, Stock und Stein Verlag, VÖ 21. Juni 2014
