
Sophias kann nicht schlafen. Mir geht es oft ähnlich. Doch Sophia twittert eines Nachts: „Suche andere Schlaflose im Raum Hamburg“. Mit diesem Tweet ändert sich ihr Leben. Die 49-jährige Hauptperson ist liebenswert. Die Formulierungen des Romans locker-spritzig. Also kein Problem, ihn zu lesen, wenn man nicht einschlafen kann.
Verlagsinfo
Plötzlich wird für Sophia alles anders: Ihr Ex-Mann erwartet ein Kind mit seiner Neuen, und kurz darauf stirbt ihre Mutter. Es beginnt eine Zeit der unendlichen Einsamkeit – und Schlaflosigkeit. Tagsüber fühlt sich Sophia wie ein Zombie, nachts treibt sie sich auf Twitter herum. Bis sie sich traut, selbst etwas zu twittern: »Suche andere Schlaflose im Raum Hamburg«. Gleich drei Frauen melden sich: Margarete, Klara und Katharina – alle sind schlaflos. Aber nur auf den ersten Blick ist dies ihre Gemeinsamkeit, denn in der Dunkelheit der Nacht teilen sie ihre Sorgen und Sehnsüchte miteinander. Als eines Tages eine von ihnen Hilfe braucht, zeigt sich, ob ihre Freundschaft auch im wahren Leben Bestand hat.

Das Buch
Twitter ist ja jetzt X. Doch als der Roman erstmal erschien, war noch von Twitter die Rede. Ich habe ihn in dieser Form gelesen – und darum die Bezeichnung stehen lassen.
„Bei Twitter war sie @sophiacontenance und hatte aktuell 19 456 Follower. @sophiacontenance war eine sehr viel bessere Version von ihr selbst. Eine starke Frau, die mit ihrer körperlichen Größe kokettierte und sprachgewandte Tweets formulierte. „Ich gehe nicht zurück, ich nehme nur Anlauf!“ stand dort in ihrer Bio. Und: „Große Frau spricht über große Themen.“ Ein klein wenig größenwahnsinnig, wie Sophia selbst zugeben musste, aber das konnte sie sich in dieser Parallelwelt durchaus mal gönnen.“
Ihre Suche nach anderen Schlaflosen hat Erfolg. Schnell gibt es Resonanz. Die Frauen haben unterschiedliche Lebenssituationen und aus unterschiedlichen Gründen Schlafprobleme. Aber es entwickelt sich eine lockere Freundschaft – die bald auf die Probe gestellt wird. Sie unterstützen Sophie beim Kampf um ihr geliebtes Haus, dass der künftige Ex-Gatte nämlich gerne hätte. Obwohl es Sophies Elternhaus ist und sie sehr daran hängt. Er agiert in typisch überheblicher Männermanier und als Frau möchte man Gift und Galle spuken.
„Uwe würde sich bereit erklären, dir auch weiterhin einen kleinen Unterhalt zu zahlen. Das finde ich sehr großzügig von ihm.“ Sophias Hände fingen leicht an zu zittern, aber sie hielt sich aufrecht. „Im Gegenzug überschreibst du ihm die Villa“, sagte [der Anwalt] ernst. […] Ich denke, dass du vielleicht noch eine kleine Abfindung für das Haus bekommen könntest. […] 50.000. Vielleicht mehr, damit du dir eine kleine Wohnung finanzieren kannst.“
Es sind Momente wie dieser, die vielen Frauen sicher ähnlich erlebt haben. Und es tut gut, im Buch Verbündete zu finde. Sie alle finden neue Wege. Sophia schlüpft in die bequemem Schuhe ihres Neffen statt in enge Frauenschuhe und geht aus sich heraus: „Zur Hölle mit der Contenance! Die hatte ihr ihr ganzes Leben lang auch nicht geholfen.“ Wütend zertrümmert sie das gute Geschirr in der Vitrine. Das muss man vielleicht nicht nachmachen. Aber die Botschaft ist klar: Wir sollten uns nicht von gesellschaftlichen Zwängen diktieren lassen, wie wir leben. Übrigens ist die Mediatorin und systemischer Couch. Daher weiß sie sicher besser als manch andere, mit welchen Tücken des Alltags und der Gesellschaft Frauen zu kämpfen haben.
Zum Thema Social Media sagt Kristina Günak: „Ich liebe Social Media in jeglicher Form, bin aber meist nur stille Mitleserin. Oft wird ja zu jedem Anlass erbittert und bis aufs virtuelle Blut gestritten. Das kann durchaus spannend sein, ein bisschen wie Trash-TV. Ich glaube aber auch, dass man online soziale Nähe sowie Trost und Zuwendung finden kann. Manchmal ereilt mich dort allerdings auch reine Inspiration.“

Eine Frau – drei Namen
Günak, Valentin, Sanders – ja wer denn nun? Tja, Kristina Günak hat etliche Pseudonyme. Viele werden sie sicherlich durch die chaotischen Romane mit Elionore Brevent kennen, der Immobilienmaklerin und Hexe. Aber Kristina Günak ist äußerst vielseitig. Auch das Thema Garten spielt oft eine Rolle in ihren Büchern. Verlage möchten oft einen neuen Autorennamen, wenn die Schreiberin schon bei anderen Verlagen mit einem anderen Genre unter Vertrag ist. So war es sicherlich auch hier. Da das Buch bei dtv nicht mehr aufgelegt wird, hat sie es selbst herausgebracht. Mit einem sehr schönen Titelcover, wie ich finde.
Fazit
Ein Hauch von Klischees tut dem Buch keinen Abbruch. Doch darum keine vollen fünf Sterne. Dennoch sollte das niemanden von dieser unterhaltsamen und auch ein bisschen nachdenklich stimmenden Lektüre abhalten!
„Nachts ist man am besten wach“
als Kristina Sanders, 8.95 Euro, dtv, VÖ 16. März 2023
als Kristina Valentin, Kristina Günak, 15.99 Euro, Indepentently published, VÖ 1. Oktober 2024
