Der dänische Dichter wurde mit seinen Kunstmärchen weltberühmt ◼️

Wer kennt sie nicht – die kleine Meerjungfrau? Die Kopenhagener Touristenattraktion erinnert an die gleichnamige Geschichte von Hans Christian Andersen. Seine Märchen sind weltberühmt. Am 4. August vor 150 Jahren starb der dänische Dichter.
Die kleine Meerjungfrau
Sie ist nur 125 Zentimeter groß und wieg lediglich 175 Kilo. Die kleine Meerjungfrau aus Bronze ist ein Werk des Kopenhagener Bildhauers Edvard Eriksen und war ein Geschenk des Brauers Carl Jacobsen an seine Stadt. Seit dem 23. August 1913 ist sie an der Promenade Langelinie zu bewundern.
Vorbild für die Statue war Ellen Price, eine Ballerina am königlichen Theater in Kopenhagen. 1909 tanzte sie die Hauptrolle in dem Ballett „Die kleine Meerjungfrau“. Aber sie wollte nicht nackt Modell stehen. Das tat schließlich Eline Eriksen, die Frau des Künstlers.

Das Märchen von der Meerjungfrau (dänisch: Den lillie Havfrue) war damals schon wohlbekannt, denn es erschien 1837. Es ist die Geschichte einer unglücklichen Meerjungfrau, die an Land leben möchte. Denn die Tochter des Meerkönigs wünscht sich, ein Mensch zu werden, weil sie sich in einen Prinzen verliebt hat. Diesen hat sie vor dem Ertrinken gerettet. Sie haben das Märchen nie gelesen, aber die Story kommt ihnen bekannt vor? Sie wurde etliche Male verfilmt und diente unter anderem für den Disney-Zeichentrickfilm „Arielle“ als Vorlage.
Aus ärmlichen Verhältnissen zu Weltruhm
Aber wer war der Mann, der diese Märchen schuf, die inzwischen in aller Welt bekannt sind? Es gibt einige Biografien, von denen ich jedoch keine kenne. Ich kenne nur Odense, die gemütliche Großstadt auf der dänischen Insel Fünen, in der Andersen am 2. April 1805 geboren wurde. Ich verzichte hier auf eine ausführliche Biografie, für einen ersten Eindruck lassen sich die Stationen seines Lebens unter anderem auf Wikipedia nachlesen.
„Andersen hat sich aus ärmlichsten Verhältnissen gegen eine Vielzahl von Widerständen, aber mit dem unerschütterlichen Willen, berühmt zu werden, in die höchstdekorierten Kreise emporgeschrieben“, heißt es im Klappentext zu der hochgelobten Biografie von Jens Andersen, die auf Deutsch im Insel Verlag erschienen ist (aber leider nur noch antiquarisch erhältlich). Die Biografie hebe „wahre Schätze“, lobte Sybille Lewitscharoff 2005 in der „Süddeutschen Zeitung“, manch Unbekanntes – wie eine Fehde mit Kierkegaard – träte zutage, vor allem aber bekämen die Leser ein Gespür dafür, wie anarchisch und frisch Andersen geschrieben hätte.
„Verderblich“, „schädlich“, „unverantwortlich“ oder sogar „unappetitlich“ urteilten die Dänen allerdings anfangs von Andersens Werken. Doch nur wenige Jahre später lag ihm die literarische Welt des Kontinents zu Füßen. Heine in Paris nannte ihn einen „wahren Dichter „, und der Großherzog Carl Alexander von Sachsen-Weimar wollte ihn als „neuen Goethe“ etablieren.
„Die Märchendichtung des dänischen Künstlers kann stilistisch zwischen den romantischen Kunstmärchen und Volksmärchen eingeordnet werden. Andersen hat sich nicht nur mit dem Inhalt, sondern auch der speziellen Sprache einen Namen gemacht, da er in Umgangssprache schrieb […] Das große Talent Andersens liegt darin, die an sich schmucklose Sprache so einzusetzen, dass Leser ausdrucksstarke Bilder vor Augen haben“, heißt es auf maerchenbrause.de
Andersen auf Reisen
Aus Dänemark in die Welt. Andersen war viel auf Reisen. So besuchte er Portugal („Reisebilder aus Spanien und Portugal“, 1866), urlaubte in Nordfriesland („Die beiden Baroninnen“) und lebte 1833 für kurze Zeit in Italien.
Die Geschichte besagt, dass Andersen während eines Seesturms beschloss, in der Stadt Sestri Levante anzuhalten und eine Nacht zu verbringen. Die Bucht verzauberte ihn sofort und er benannte sie in „Baia delle Favole“ (wörtlich „Bucht der Märchen“) um, ein glücklicher Name, der diese kleine Stadt berühmt gemacht hat. So wird hier seit 1967 der Hans-Christian-Andersen-Preis verliehen, der den Märchen (Kinderliteratur und unveröffentlichten Fabeln) gewidmet ist.
Der Artikel ist an dieser Stelle unvollständig. Es gibt ein Museum in seiner Geburtsstadt Odense und zahlreiche weitere Preise. Aber alles an dieser Stelle aufzählen, würde zu weit führen. Der Beitrag soll in erster Linie auf diesen ungewöhnlichen dänischen Dichter neugierig machen. Wer mehr erfahren möchte, dem empfehle ich die Homepage Hans-Christian-Andersen.de
Bücher
- „Hans Christian Andersen. Eine Biografie“, Jens Andersen (Autor), Ulrich Sonnenberg (Übersetzer), Insel Verlag. Mit vielen farbigen Zeichnungen, Collagen, Scherenschnitten, Gemälden und Fotografien.
- „Hans Christian Andersen. Lieblingsmärchen“, Kat Menschik mit zahlreichen Illustrationen
- „Die beiden Baroninnen“, Roman von Hans Christian Andersen, der in Nordfriesland spielt
- Die Märchen: Däumelinchen, Der standhaft Zinnsoldat, Das Feuerzeug, Des Kaisers neue Kleider, Das hässliche Entlein und nicht zuletzt Die kleine Meerjungfrau – gibt es in unzähligen Märchenbüchern zu lesen.
