
Kaum ein Buch passt besser zur Woche unabhängiger Buchhandlungen als dieses. Es beleuchtet die Situation der Buchhändlerinnen und Buchhändler auf einfühlsame, aber auch unterhaltsame Weise. Karin Joachim war die Lage des Buchhandels geläufig, jedoch nicht, „dass die Entwicklung so dramatisch ist“ (dazu später mehr). Ihr Buch stimmt aber hoffnungsfroh, denn Lilo, ihre Protagonistin und arbeitslose Buchhändlerin, resigniert nicht und findet neue Wege.
Verlagsinfo
Lilo Steinbrink ist Buchhändlerin aus Leidenschaft. Aufgrund einer Mieterhöhung muss sie jedoch ihren Laden in der münsterländischen Kleinstadt schließen. Halt bietet ihr der Büchertauschschrank in der Innenstadt. Die umfunktionierte Telefonzelle wird mehr und mehr zu ihrem Lebensmittelpunkt. Lilo schöpft wieder Mut und begegnet Menschen, die ihre Leidenschaft für Bücher teilen. Doch nicht alle, deren Herzen für Bücher schlagen, führen stets Gutes im Schilde. Wird Lilo dennoch ihr Glück finden?
Das Buch
Es gibt zahlreiche Situationen im Buch, in denen ich mich wiedererkannt habe – zum Beispiel, ist Lilo zeitweise so angespannt, dass sie sich nicht auf ein Buch konzentrieren kann. Auch bei mir gibt es (leider) diese Phasen. Oder ihr anfängliches Unverständnis, dass mit ausgelesenen Büchern gebastelt wird. Joachim greift viele Aspekte des Lesens und der Liebe zu Büchern auf. Das ist ein großer Pluspunkt des Romans.
Außerdem werden Lebensumstände sehr realistisch vermittelt – z.B. Lilos Antrag auf Bürgergeld, weil als Selbstständige kein Arbeitslosengeld erhält. Oder ihr Unbehagen, abhängig zu sein und nicht mehr selbstbestimmt arbeiten zu können.
Anfangs tat ich mich ein bisschen schwer mit der recht spröden Sprache. Karin Joachims Stil ist manchmal fast bürokratisch. Beispiele: „sie begab sich anschließend ins Haus“, „sollte sie versuchen, dennoch aktiv am Leben teilzuhaben“, „allerdings bereitet es ihr ein wenig Unbehagen, dass sie sich seit längerer Zeit nicht mehr ausgetauscht hatten“. Aber Stimmung und Gefühle kann die Autorin sehr gut vermitteln. Und das war für mich entscheidend.
Das Cover
Sehr ansprechend ist das Cover. Ein Rotkehlchen spielt in dem Buch eine Rolle. Und Tee, denn Lilo liebt Darjeeling.
Die Lage des Buchhandels
Karin Joachim sagt dazu auf ihrem Instagram-Account:
„Als ich das Manuskript schrieb, war mir durchaus die Situation der kleineren und mittelgroßen, inhabergeführten Buchhandlungen geläufig. Ich kenne die Branche seit Jahrzehnten, verfolge die neuesten und langfristigen Entwicklungen, kenne den Buchhandel und die Verlagsbranche nicht nur als Autorin. Aber dass die Entwicklung so dramatisch ist, war mir dann doch nicht bewusst, als ich zum ersten Mal die Zahlen des Statistischen Bundesamtes von 14.10.2025 las:
2023 gab es nur noch 2.980 Buchhandlungen im Einzelhandel. Ein Rückgang um rund 1000 Buchhandlungen im Vergleich zu 2018. Auch die Zahl jener, die im Bucheinzelhandel tätig sind, sank in diesem Zeitraum von fünf Jahren um 19 Prozent. Lilos Schicksal ist also stellvertretend zu sehen. Es geht um die Präsentation des Kulturgutes Buch im öffentlichen Raum. Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel.“
Fazit
Mir war Lilo sehr sympathisch, ich konnte mich bestens in ihre Situation einfühlen. Ein ruhiges Buch über die Liebe zu Büchern und die Verbindungen, die sie erschaffen. Ich habe es sehr gerne gelesen.
„Das Glück der Bücher“, Karin Joachim
384 Seiten, 15 Euro, Gmeiner Verlag, VÖ 10. September 2025
