Rezension – Henrike Engel: Elbnächte. Lichter über St. Pauli

Elbnächte 1 ◼️

Bewertung: 5 von 5.

Es klingt nach Klischee: Zwei starke Frauen, die Anfang des 20. Jahrhunderts ihr Leben in die Hand nehmen. Aber Henrike Engel zeichnet die Porträts lebensecht. Ebenso wie sie St. Pauli und das Leben dort mit atmosphärischen Beschreibungen schildert. Dazu kommt eine gehörige Portion Spannung.

Verlagsinfo

Hamburg, 1913. Von einem Tag auf den anderen wird Louise bettelarm: Ihr Mann verschwindet spurlos und mit ihm das letzte Geld. Zusammen mit Ella, einer ehemaligen Prostituierten, wagt sie einen Neuanfang und eröffnet auf Sankt Pauli eine Bar. Schnell geraten sie in Konflikt mit den Autoritäten: Ein Juwelier wird in der Nachbarschaft ermordet, Louise und Ella retten den vermeintlichen Mörder vor der Polizei, weil sie ihn für unschuldig halten. Da taucht Paul in der Bar auf, ein ehemaliger Polizist, der auf eigene Faust eine Bande gewalttätiger Straßenkinder jagt. Aber haben die verwahrlosten Seelen wirklich etwas mit dem Mord zu tun? Eine Prostituierte mit großem Herz, eine Barbesitzerin wider Willen und ein Ex-Polizist geraten in die Untiefen von Hamburgs gefährlicher Unterwelt.

Verbrechen und Freundschaft auf St. Pauli

Den Anfang machen die Beschreibungen der drei Hauptpersonen. Die Prostituierte Ella, der die Flucht aus dem Bordell und Galizien gelingt. Die vornehme und verwöhnte Louise, die von ihrem Mann verraten wird. Und der ehemalige Polizist Paul, der einen Arm verloren hat, mit dem Leben hadert und Rache geschworen hat. 

In Hamburg St. Pauli treffen sie aufeinander. Der Bezirk hinter dem Millerntor rund um den Spielbudenplatz war schon vor mehr als einhundert Jahren ein heißes Pflaster, ein Amüsierviertel und eine sündige Meile. Aber Louise und Ella finden hier zueinander, schließen Freundschaft. Allen seelischen Verletzungen zum Trotz haben sie Pläne für die Zukunft, die sie tatkräftig umsetzen. Allerdings ist das nicht gefahrlos.

Louise wandelt sich von der behüteten Upper-Claas-Dame zur selbstständigen Geschäftsfrau. Ein Frauenporträt, das lebendig und nachvollziehbar gezeichnet ist. Ebenso wie das der lebensfrohen Ella. Zwei unterschiedliche Frauen, die sich aber stützen und helfen. Das wirkt nicht aufgesetzt, nicht konstruiert – man leidet und freut sich mit ihnen.

Pauls Person wirkt da schon ein bisschen scherenschnittartiger, aber sympathisch. Seine Suche nach dem Drahtzieher einer Jungenbande verleiht der Geschichte eine brutale Dimension, ohne dass diese zu dominierend wird. Die Verbrechersuche verleiht dem Buch die Spannung eines Krimis. Eine liebenswerte Komponente ist die Rolle der Mopshündin Principessa, die Ella auf ihrer Flucht begleitet hat. Die Milieu-Schilderungen machen es zu einem ausgezeichneten historischen Roman.

Fazit

Einmal angefangen, konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen und habe es an einem Tag durchgelesen. Henrike Engel ist eine ausgezeichnete Kennerin der Geschichte St. Paulis und Hamburgs, was sich auch schon in ihrer Hafenärztin-Reihe gezeigt hat. Da kann ich nur fünf Sterne geben – und empfehlen, sich schnell den zweiten Teil zu besorgen.

Die Hafenärztin-Trilogie

2. Ein Leben für das Glück der Kinder 

3. Ein Leben für das Recht auf Liebe 

4. Ein Leben für die Hoffnung der Menschen

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