Rezension – Dora Heldt: Die Familienangelegenheiten der Johanne Johannsen

Bewertung: 5 von 5.

Bewertung: 5 von 5.

Das Leben war nicht immer freundlich zu Johanne Johannsen. So ist sie eine spröde Persönlichkeit geworden. Diese abweisende Frau im Rentenalter ist einer der besten Charaktere, die Dora Heldt erschaffen hat. Sie ist einem anfangs unsympathisch. Doch mit der Zeit wächst einem Johanne ans Herz.

Verlagsinfo

Johanne Johansen muss kurz nach ihrem 65. Geburtstag erfahren, dass das traditionsreiche Familienunternehmen – die Elbreederei Kurt Johansen & Söhne – kurz vor der Pleite steht. Das Lebenswerk ihrer Eltern steht auf dem Spiel und sie weiß, dass sie es ohne Hilfe nicht schaffen kann. Ihre Cousine Luise Gehrke ist zehn Jahre jünger als Johanne und glücklich verheiratet. Zumindest war Luise davon überzeugt, bis ihr Mann einen schrecklichen Unfall hat und plötzlich ihr ganzes Weltbild ins Wanken gerät. Obwohl sich Johanne und Luise nur leidlich verstehen, müssen sie nun wohl oder übel die Reederei gemeinsam retten, da beide Firmenanteile halten. Und dabei kommen gut gehütete Familiengeheimnisse ans Licht, die alles verändern …

Dora-Heldt-Roman der Spitzenklasse

Mit Renteneintritt will Johanne so manches – aber auf keinen Fall die in Schieflage geratene Reederei retten. Schließlich wurde ihr als junge Frau verwehrt, die Geschäftsführung zu übernehmen. Also hat sie bei einem anderen Unternehmen gearbeitet:

„Genau gesagt zweiundvierzig Jahre, acht Monate und vier Tage Schiffslogistik und Warenverkehr. Das reicht.“ Eine Abschiedsfeier will sie nicht. So wird auf den ersten Seiten die widerspenstige und kratzbürstige Seite der alten Hanseatin sehr deutlich. Was sie nun vorhat?

»Nichts. Vielleicht lese ich mal ›Moby Dick‹. Oder ich sortiere meine Fotoalben. Oder ich backe Kuchen. Mal sehen. Hauptsache, ich habe meine Ruhe.“ Wir ahnen es. Aus der Ruhe wird nichts. Obwohl sie sich lange Zeit vehement dagegen wehrt, auch nur den kleinen Finger für die Rettung der Reederei zu rühren. 

So klug sie auch ist, sie hat null soziale Fähigkeiten, Reisen sind ihr ein Gräuel, ihre einzigen privaten Kontakte sind Renate Michaelsen, meine Mutter, Frida und ich, alle anderen Menschen, mitsamt ihrer komischen Restfamilie, meidet sie. Sie hasst Haustiere und kleine Kinder.“

Johnanne Johannsen ist keine Person zum gernhaben. Genau das macht den Charme dieser Geschichte aus. Hier ist nichts weichgespült, hier ist eine Protagonistin mit Ecken und Kanten, die überaus glaubwürdig beschrieben wird. Und deren Persönlichkeitsentwicklung durch Rückblicke nachvollziehbar wird.

Aber irgendwann ist sie die letzte Rettung. Denn Johanne versteht was vom Geschäft, sie hat Ideen und ist effizient. Freundinnen und Familienmitglieder lenken sie ins richtige Fahrwasser. Es sind allesamt starke Frauen, die hier das Zepter in die Hand nehmen (nicht immer freiwillig), aber die erfolgreich Tiefschläge überwinden. Keine Superfrauen, gestandene Geschäftsfrauen, aber auch enttäuschte Wohlstandsgattinen wie Johannes Cousine, die ungeahnte Fähigkeiten offenbart. 

Fazit

Dora Heldt hat die Charaktere hervorragend angelegt. Die Handlung bietet überraschende Wendungen. Da ist die Lektüre ein außerordentliches Vergnügen.

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