Rezension – von Bremen, Matthiessen: Wind Wellen Ewigkeit

Geschichten von Sylter Gräbern ◼️

Bewertung: 5 von 5.

Manche Menschen finden Friedhöfe unheimlich. Andere finden sie inspirierend. Die Natur spendet Ruhe, Grabsteine erzählen Geschichten. Die Lebensgeschichten der Verstorbenen haben zwei Sylter Autorinnen zu dem vorliegenden Buch inspiriert. Das Ergebnis sind 14 außerordentlich lesenswerte Lebensläufe. ◼️

Verlagsinfo: 

Sylt gehört zu den faszinierendsten Sehnsuchtsorten Deutschlands. Hier verbringen nicht nur zahllose Menschen ihren Traumurlaub – einige entscheiden sich sogar, für immer zu bleiben. Und das gilt auch über den Tod hinaus: Viele Prominente und Nicht-Prominente haben auf dieser einzigartigen Insel ihre letzte Ruhestätte gefunden. Doch wer sind die Menschen, die auf Sylts Friedhöfen begraben liegen? Welche Lebensgeschichten verbergen sich hinter den Namen? Dieses Buch lädt ein zu einer faszinierenden Spurensuche: Es erzählt von prominenten Persönlichkeiten, von Insulanern und von Menschen, die freiwillig oder unfreiwillig auf die Insel kamen und für immer blieben. 

Letzte Ruhe im Inselparadies

Vielleicht ist es eine Bildungslücke. Aber von Merret Lassen hatte ich noch nie gehört oder gelesen. „Eine Sylter Legende“ ist ihre Lebensgeschichte (1789 – 1869) betitelt. Die Sylterin Merret verliebte sich in den gestrandeten norwegischen Seemann Peter Nicolai Lassen. Aus der Ehe gingen 21 Kinder hervor. Die unzähligen Nachkommen treffen sich ab und an noch auf der Insel. Der Grabstein von Merret Lassen steht an der Rückwand der St. Niels Kirche. Dass ihr Leben und ihres Ehemannes „nicht in Vergessenheit geraten ist, ist einer Urenkelin, Gondel Wieland, zu verdanken, die ihrer Familie mit dem Buch »Die Lassens von Sylt« ein besonderes Denkmal gesetzt hat“, schreiben Silke von Bremen und Susanne Matthiessen in ihrem Beitrag. * 

Auch die übrigen 13 Geschichten sind hochinteressant. Die Beiträge stammen von unterschiedlichen Autorinnen und Autoren, unter anderem von Ole von Beust, Claudia Thesenfitz und Anja Goertz. Vorgestellt werden Prominente wie zum Beispiel Verleger Rudolf Augstein oder Insulaner, die beinahe in Vergessenheit geraten sind, wie Uwe Draht, der erste Wellenreiter Deutschlands. Oder von Charlott Frank (1915 – 1982). „Auf dem Drahtesel nach Sylt“ lautet ihre Geschichte. Nach dem Krieg radelte die damals 29-Jährige vom Bodensee nach Sylt. Die Tochter eines Buchhändlers war leidenschaftlicher Leserin – und eröffnete die „Badebuchhandlung“, die zum Schluss in der Westerländer Friedrichstraße angesiedelt war. 

Dann wären da noch der Journalist Fritz J. Raddatz, der Betreiber des legendären Restaurants „Fisch Fiete“ oder die erstn Promiwirtin Kampens, Clara Tiedemann – und, und, und. Eine gelungene Auswahl von bekannten und weniger bekannten Persönlichkeiten. Dazu historische Fotos und aktuelle von Hans Jessel von den Friedhöfen in List, Keitum, Wenningstedt, Westerland und Morsum.

Fazit

Eine sehr gute Idee, Sylter Persönlichkeiten auf diese Weise zu würdigen. Und eine äußerst gelungene Umsetzung. Dazu bei tragen auch die Fotos sowie Papier und Buchgestaltung (die Kapitel werden von einem dunkelblauen Deckblatt mit weißer Schrift eingeleitet).

„Wind Wellen Ewigkeit“, Silke von Bremen, Susanne Matthiessen (Hsg.)

 250 Seiten, 29 Euro, Wachholtz Verlag, VÖ 1. Mai 2025

Anmerkung

*Über Merret Lassen zum Weiterlesen: „Die Lassens von Sylt, Eine Chronik der Insel und ihrer Menschen“ von Gondel Wieland, Christians Verlag, antiquarisch

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