Hamburg Fotografien 1920 – 1970 ◼️

Fotos aus vergangenen Zeiten sind faszinierend. Sie machen deutlich, wie sehr sich unsere Welt wandelt. Das gilt auch für Bilder aus Hamburg. Vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich die Hansestadt stark verändert. Das machen die vorliegenden Fotografien deutlich. Der Fotograf dürfte den meisten allerdings unbekannt sein. ◼️
Verlagsinfo
Mit diesem Buch tritt ein großer Unbekannter der Hamburg-Fotografie ans Licht und beansprucht seinen Platz im Bildgedächtnis der Stadt: Fast fünf Jahrzehnte, von Anfang der 1920er bis in die späten 1960er Jahre, durchstreifte Albin Müller – auf dem Papier ein fotografischer Amateur – mit der Kamera ein Hamburg im epochalen Wandel und brachte von seinen Touren Bilder mit, wie nur wenige professionelle Fotografen der Stadt sie geschaffen haben. Erstaunlich ist sein breites Repertoire von der dokumentarischen Stadtansicht und der lebendigen Straßenfotografie bis zum humorvoll inszenierten Porträt.
Der Fotograf
Die Porträts von Albin Müller zeigen einen kleinen Mann mit runder Brille und Mütze. Meist eine Zigarre im Mund. Immer mit dabei: eine Kamera. Albin Wilhelm Otto Müller wurde am 7. Januar 1894 in Heppens (heute ein Stadtteil von Wilhelmshaven) geboren. Seine Eltern betrieben das „Restaurant & Ballhaus Concordia“ in der Stadt, die damals vom Aufbau der kaiserlichen Flotte geprägt war. Müller lernte Speditionskaufmann, wurde 1914 zur Infanterie eingezogen. 1922 heiratete er seine Frau Grete, 1934 wurde der Sohn Thomas in der Altonaer Schützenstraße geboren.
Warum hat er fotografiert? Wir können es nur ahnen. Denn überliefert sind lediglich seine Fotos. Aber dies zeugen von einem genauen Blick auf seine Umgebung und die Menschen. Müller war Mitglied der „Vereinigung der Amateurphotographen zu Altona“. Seinen Lebensunterhalt verdiente er allerdings seit 1939 beim Finanzamt St. Georg. Die Abzüge seiner Bilder fertigte Müller in großer Zahl selbst an. Dabei diente die Wohnung in der Schützenstraße als Labor und Werkstatt zur Herstellung auch großer Formate und höherer Auflagen, schreibt Bernd Nasner, der diese Infos über Müller zusammengetragen hat.
Albin Müller wurde zum Ende des Zweiten Weltkriegs erneut eingezogen und 1959 pensioniert. Gestorben ist er am 12. April 1972 in Hamburg.
Mehrere Jahrzehnte Hamburg
Das Foto eines alten Mannes im Gängeviertel übt fast magnetische Wirkung aus. Es wurde vielfach veröffentlicht. Denn der Amateurfotograf Müller schickte seine Bilder an verschiedene Verlage. Mit den Honoraren konnte er – wie auch andere Amateure – ein Teil seines teuren Hobbys finanzieren.
Gerade die Bilder aus den 1920er und 30er Jahren zeigen eine vergangene Welt. Es stehen noch Fachwerkhäuser. Der Ebräergang – Schauplatz der Prostitution im Gängeviertel und gleichzeitig Einkaufsstraße – ist zu sehen. Und aus dem Rinnstein schlabbert eine Katze Wasser.
Das Buch ist in folgende Kapitel gegliedert:
- Frühe Bilder von Altona und Hamburg
- Der Mensch und die Stadt (Straßen und Stadtfotografie)
- Nach der Zerstörung (Eine Verlustbilanz)
- Arbeit und Leben am Wasser (Hafenfotografie)
- Aufbruch und Wehmut (Die alte und die neue Stadt)
- Porträts und Private (Familien-, Kinderbilder und Landpartien)
Gerade die Bilder von den Menschen machen den Fotoband zu etwas Besonderem. Allerdings hätte ich mir ein Inhaltsverzeichnis gewünscht. Und bei manchen Bildern eine genauere zeitlich Zuordnung. Aber vielleicht waren die Daten nicht bekannt? Denn dass der Nachlass überhaupt existiert, ist ein kleines Wunder.
Der Nachlass
Bernd Nasner ist dafür verantwortlich, dass wir die Müller-Fotografien bestaunen können. Bernd Nasner, geboren 1955, war nach einer Lehre zum Fotokaufmann und einer Tätigkeit in einem Hamburger Fotogeschäft fast dreißig Jahre lang Inhaber des Photohauses Colonnaden. Seit seiner Jugend fotografiert er selbst, seit dem Verkauf seines Geschäfts widmet er sich intensiv seiner Sammeltätigkeit historischer Hamburg-Fotografie.
Thomas A. Müller, der Sohn von Albin Müller, hatte ihn im Geschäft besucht. Doch dann war der Kontakt abgerissen und der Nachlass verstreut. „Es begann ein großes Puzzlespiel, das bis heute nicht abgeschlossen ist“, schreibt Nasner. Inzwischen besitzt er einige tausend Müller-Fotografien.
Fazit
Die Fotos zeugen von Leidenschaft und Können. Ein außerordentlich faszinierender und vielseitiger Bildband.
„Albin Müller. Hamburg“, Bernd Nasner (Hsg.)
256 Seiten, 49.90 Euro, Junius Verlag, VÖ 4. November 2024
