
Anny Marwig wurde 1893 auf einem Bauernhof in Katharinenheerd auf Eiderstedt geboren.
Sie war das Älteste von zehn Geschwistern eines Landwirts und Schlachters.
Schon als Mädchen soll sie eigene Texte verfasst haben. Sie sei ein Freigeist gewesen, die ihren eigenen Kopf durchsetzte, beschreibt Christian Marwig aus dem Tümmlauer Koog seine Großtante im Gespräch mit dem shz (Bezahlschranke).
Dann studierte Anny Kunst in Kiel und wanderte nach Schweden aus. Dort arbeitete zunächst als eine Art Au-Pair-Mädchen. Später heiratete den Rechtsanwalt Geron Rubin (1886 – 1939) und bekam mit ihm zwei Söhne.
„Sie war kernig. Sie hat das gemacht, was sie wollte, und ließ sich nicht reinreden“.
Christian Marwig im shz-Gespräch
Nachdem ihr Mann gestorben war, wurde die geräumige Wohnung im Stockholmer Stadtteil Södermalm Treffpunkt für Journalisten und Schriftsteller. „Viele fanden bei ihre ein offenes Haus – eine Erfahrung, die sich in ihrem Roman»Kinessoffan« (1953) verarbeitet hat“, schreibt Übersetzerin Sabine Grauer im Vorwort des Buches „Mattje“. Anny Marwig Rubin selbst schrieb Artikel für Wochenzeitungen. Auch Fabeln und Märchen für Kinder stammen aus ihrer Feder. Übrigens auf Schwedisch – das ist der Grund, warum „Mattje“ von Sabine Grauer ins Deutsche übersetzt werden musste.
Auch soll Anny Marwig Rubin in den 50er Jahren einige Jahre am Hof von Haile Selassie in Äthopien gelebt haben. „In dieser Zeit entstand auch ihr Buch »Komm mit nach Afrika«, in dem sie eine Reise mit ihrem Sohn Arne Rubin verarbeitete, der Botschafter bei den Vereinten Nationen war. Ihr zweiter Sohn, Bertil, war Reichtagsabgeordneter“, heißt es im shz-Bericht. Über Georg Bertil Rubin findet man daher im schwedischen Wikipedia einen Eintrag, denn Bertil (geboren am 9. Oktober 1922, gestorben am 2. März 1998) war ein Fotograf und Redakteur sowie etliche Jahre Politiker. In den 1970er Jahren flog er nach Äthiopien und verteilte dort Lebensmittel an die hungernde Bevölkerung.
Anny Marwig Rubin blieb bei aller weltläufigkeit ihrer Heimat Eiderstedt verhaftet. Sie kam immer wieder zu Besuch und schrieb über ihre die nordfriesische Landschaft und ihre Bewohner – so wie in den Novellensammlungen „Mattje“ und „Tidvatten“ (1949) sowie im Roman „Land under vind“ (1971), erklärt Übersetzerin Sabine Grauer.
Anny Marwig Rubin starb 1980.
>> Christian Marwig, der Großneffe von Anny Marwig Rubin, ist Immobilienmakler und Bürgermeister im Tümmlauer Koog. Auf dem Hof Tümmlauer Bucht bietet er mit seiner Frau Gesa Bauernhofurlaub an.
