
Es ist ein witziger Plot. Nein, ein ernsthafter. Oder beides? Großartig verbindet Carla Berling das (oftmals) in Routine erstarrte Leben älterer Semester mit einer ungewöhnlichen Story. Es wird das eine oder andere Klischee bedient – aber an sehr passender Stelle. Zudem formuliert Carla Berling locker-flockig und zugleich treffend.
Verlagsinfo
Das kann es doch nicht gewesen sein!, denkt Thea, als ihr 40. Hochzeitstag vor der Tür steht und ihr Gatte Ronny das gemeinsame Eheleben mental schon mal ins Altenheim verfrachtet hat. Was ist aus Leidenschaft und Abenteuer geworden? Jetzt, wo die Kinder aus dem Haus sind und endlich mal Zeit für die eigenen Träume ist? Es wird Zeit, die Reißleine zu ziehen. Also verkünden die beiden auf der Party zu ihrem Hochzeitstag vor versammelter Mannschaft, dass sie ab jetzt getrennte Wege gehen. Die frisch gebackenen Singles sind bestens vorbereitet. Doch dann kommt alles anders als gedacht …
Das Buch
Es ist eine Story, die sich wohltuend von vielen Null-Acht-Fuffzehn-Handlungen abhebt. Zum einen, weil die Hauptpersonen im letzten Lebensdrittel angekommen sind. Zum anderen, weil die Handlung die eine oder andere unerwartete Wendung nimmt.
Aber von Anfang an. Thea will den Rest des Lebens nicht so weitermachen wie bisher:
„Eigentlich ist es eine Horrorvision für uns beide, heute zu wissen, was wir Ostern in zwanzig Jahren machen, nämlich das Gleiche wie Ostern vor drei und Ostern vor dreißig Jahren […]Hefezopf backen, Eier färben, Nester bauen. Erst haben wir selber als Kinder Eier gesucht, dann mit unseren Mädchen, dann mit den Enkeln, und in zwanzig Jahren suchen wir mit den Urenkeln.“
Sie und Ehemann Ronny schmieden also Pläne. Und denken, dass Freunde und Kinder begeistert sein werden. Doch weit gefehlt. Die Szene, wie sie die Nachricht verkünden und die Reaktionen darauf, werden vielleicht manch Älteren bekannt vorkommen. Ausbrechen aus dem Trott – das wird Ü60 selten zugestanden.
Schöngeist Ronny möchte endlich einmal in Paris leben, in Straßencafés sitzen. Ein Graus für Thea. Die träumt von einer Tour durch Neuseeland. Es wird eine Pariser Wohnung gemietet, ein Flug gebucht – und dann? Das soll hier nicht verraten werden. Aber man ahnt es. Manches entwickelt sich so ganz anders, als geplant beziehungsweise erwartet. Und das ist das tolle an diesem Buch.
Die Autorin
Carla Berling ist keinen einfachen Weg gegangen. Von der freien Journalistin für eine Lokalzeitung zur Selfpublisherin zur Bestseller-Autorin. Ihre ersten Bücher waren Krimis, dann wechselte sie zur humorvollen Unterhaltung. Corona machte es ihr unmöglich, auf Lesereisen zu gehen. Während dieser Zeit begann sie mit einer von ihrer Familie inspirierten Geschichte. Die Trilogie erschien unter den Namen Felicitas Fuchs und war sehr erfolgreich. Ebenso wie die in diesem Jahr erschienene „Akte Schneeweiß“. Unter ihrem Autorennamen Carla Berling ist sie auf Facebook aktiv und erfahren ihre zahlreichen Follower viel über ihr Leben und ihre Projekte.
Fazit
Eine humorvolle Lektüre mit Tiefgang. Allerbeste Unterhaltung.
„Glück für Wiedereinsteiger“, Carla Berling
288 Seiten, 13 Euro, Heyne Verlag, VÖ 15. Mai 2024
