Rezension – Tania Schlie: Wo Frauen ihre Bücher schreiben

Bewertung: 5 von 5.

Das Buch von Tania Schlie steht schon lange in meinem Bücherregal. Nach der Lektüre von Kristin Vallas „Ein Raum zum Schreiben“ habe ich es noch einmal hervorgeholt. Und ich war wieder begeistert. Die Gestaltung ist sehr ansprechend, die Texte sind angenehm zu lesen und informativ. ◼️

Verlagsinfo

Es gibt viele Orte, an denen Frauen Bücher schreiben. Wir wissen von Joanne K. Rowling, dass sie ihre Bücher an einem Kaffeehaustisch schrieb, weil es zu Hause zu kalt war. Heute ist sie die erfolgreichste und vermögendste Schriftstellerin aller Zeiten. Von der Nobelpreisträgerin Toni Morrison wird gesagt, sie habe ihre Bücher am Küchentisch geschrieben, zwischen Tellern und Brotkrümeln. Für Colette, die durch eine Arthrose über Jahre ans Bett gefesselt war, war dieses Bett ihr ‚Diwanfloß‘, auf dem sie schrieb. Es gibt die unbehausten Dichterinnen, die keinen festen Arbeitsplatz benötigen, die immer auf Reisen sind und überall schreiben können. Und es gibt die anderen, die feste Zeiten und Rituale benötigen, um ihre Gedanken aufs Papier zu bringen. Dieses Buch stellt fünfzig Schriftstellerinnen und Dichterinnen vor: Die älteste Autorin stammt aus dem achtzehnten Jahrhundert, die jüngste ist ein Kind unserer Zeit. Es zeigt Fotos der Lebens- und Arbeitsräume schreibender Frauen, ihre Schreibtische, Manuskripte, Briefe und Bücher.

Ein eigener Schreibtisch

Sie hat „Frauen im Garten“ beobachtet ebenso wie „Frauen am Meer“. Drei Jahre lang hat Tania Schlie für , „Wo Frauen ihre Bücher schreiben“ recherchiert.  Mit zahlreichen Bildern bietet das schöne Buch einen guten Einblick in den Schaffensprozess von berühmten Schriftstellerinnen  –  mit einem Vorwort von Elke Heidenreich. 

Unterschiedlich wie die Werke sind die Motivationen, aus denen geschrieben wurde. So entstand „Onkel Toms Hütte“ schlicht, um Geld zu verdienen. Selma Lagerlöf konnte mit ihrem Verdienst den elterlichen Hof in Marbacka zurückkaufen und restaurierten. Heute ist er ein Museum.

Die Arbeitsplätze von Patricia Highsmith, Christa Wolf und Astrid Lindgren werden ebenso vorgestellt. Natürlich kommt Virgina Woolf vor, die bei diesem Thema keinesfalls fehlen darf, schließlich hat ihr Essay „Ein Zimmer für sich allein“ die Diskussion um einen Arbeitsplatz für Schriftstellerinnen angestoßen.

„Wir lernen Autorinnen kennen, die ohne zu schreiben nicht leben können (Ingeborg Bachmann), solche, die durch das Schreiben ein großes Unglück verarbeiten (Isabel Allende) oder ihrem ereignislosen Leben entfliehen (Jane Austen), aber auch jene, die ihre Bücher am Herd konzipieren und schreiben, um Geld für die Renovierung des Hauses zu verdienen (Agatha Christie).“ Tania Schlie

Wurde einst mit der Hand und Füller geschrieben, tippte bereits Francois Sagan auf der Schreibmaschine, die inzwischen vom PC abgelöst wurde.  Über den Arbeitsplatz der in Glückstadt lebenden Tania Schlie erfahren wir allerdings nichts. Schade. Denn hier sind historische Romane wie „Fräulein Paula und die Schönheit der Frauen“ oder biografische Romane wie „Frida Kahlo und die Farben des Lebens“ entstanden.

Ein eigener Schreibtisch – der ist übrigens für mich sehr wichtig. Er stand im Kinderzimmer, im Wohnzimmer, jetzt im eigenen Arbeitszimmer. Ich habe auch mit dem Notizbuch auf den Knien im Zelt sitzend geschrieben oder am Campingtisch vor dem Wohnmobil. Große Literatur ist dabei (noch) nicht entstanden, aber viele Artikel, Reiseberichte und Blogbeiträge. Daher hat es mich schon immer interessiert, wo Schriftstellerinnen ihre Werke verfassen (oder verfasst haben). 

Die Autorin >> siehe Porträt 

Fazit

Das Buch mit den Texten von Tania Schlie ist großartig. Es lohnt sich, es antiquarisch zu kaufen. Das Vorwort von Elke Heidenreich ist lesenswert, wie fast alles von ihr. Aber die Neuausgabe ist auf den Heidenreich-Text und die (zugegeben gute) Fotoauswahl beschränkt. Das ist bedauerlich. Denn erst mit den biografischen Angaben und Erläuterungen von Tania Schlie zu den Autorinnen sind das Buch und das Thema wirklich vollständig und rund. 

1 Kommentar zu Rezension – Tania Schlie: Wo Frauen ihre Bücher schreiben

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