Jane Austens Romane oder: Welche Übersetzung soll ich wählen?

Jane Austens Romane werden seit Erscheinen Anfang des 19. Jahrhunderts geliebt. Allein in Deutschland sind sie unzählige Male aufgelegt worden, mit schönen Covern und unterschiedlichen Übersetzungen. Zudem wurden sie viele Male verfilmt – mit Keira Knightley, Colin Firth, Anne Hatthaway und vielen weiteren Stars. Wer nicht die englischen Originale liest, sollte allerdings darauf achten, welche Übersetzung er wählt. 

Welche Übersetzung soll man lesen?

Wer die Austen-Klassiker nicht im Original lesen kann (ich gehöre dazu), dem wird an einer guten Übersetzung gelegen sein. Denn diese können sehr stark variieren. 

Zum Beispiel der erste Satz aus „Stolz und Vorurteil“. Er wird immer wieder zitiert.:

It is a truth universally acknowledged, that a single man in possession of a good fortune must be in want of a wife.

Kein Problem? Nun, es beginnt schon mit „a truth“. Eine Wahrheit? Oder eine „Tatsache“, wie zum Beispiel Christian und Ursula Grawe es übersetzen? Und der Mann – ist er ein Junggeselle oder ein alleinstehender Mann? Also: Die Tücke liegt im Detail. Heute lautet der Romanbeginn meist:

Es ist eine allgemein anerkannte Wahrheit, dass ein alleinstehender Mann im Besitz eines schönen Vermögens nichts dringender braucht als eine Frau.

Julia Rosche hat sich vor zwei Jahren im „Tralalit-Magazin für übersetze Literatur“ ausführlich Gedanken über die Übersetzungen gemacht.

Übersetzerin Louise Marezoll strich beispielsweise ganze Passagen und fasste an manchen Stellen Austens clevere Dialoge mittels indirekter Rede zusammen“. Austens Romane bestechen unter anderem durch die geistreichen Schlagabtausche. Diese zu indirekter Rede zusammenzufassen, erscheint einem heute wie eine Vergewaltigung des Werkes. Rosche merkt weiter an: „Nach der ersten Übersetzung durch Marezoll sollte es über hundert Jahre dauern, bis eine deutschsprachige Neuübersetzung veröffentlicht wurde.“

Reihenfolge der Romane nach Veröffentlichungsdatum

Jugendwerke

  • Liebe und Freundschaft – Drei Schwestern – Catharine. Manesse Verlag, Zürich 1994, 
  • Die Geschichte Englands illustriert mit Vorwort von Antonia S Byatt. Luxbooks, Wiesbaden 2009 
  • Die drei Schwestern und andere Jugendwerke. Insel-TB (Inselverlag), Frankfurt/Main und Leipzig 2000

Übersetzungen des Ehepaars Grawe

Übersetzer und Austen-Biograf Christian Grawe stellte 1977 fest: „Deutschland hinkt nach“. Denn obwohl es zu dem Zeitpunkt einige Stolz-und-Vorurteil-Übertragungen gab, blieb Austens Gesamtwerk lange unvollständig übersetzt und auch die Veröffentlichungen über ihr Werk hielten sich in Grenzen. Folglich wurde Grawe selbst tätig und übertrug nicht nur gemeinsam mit seiner Frau alle weiteren Austen-Romane, sondern auch Briefe und andere Texte aus ihrem Nachlass. Zuletzt erschien bei Reclam seine Austen-Biografie Darling Jane.

Die „Jane-Austen-Freunde“, eine deutsche Gruppe von Austen-Fans mit Webseite, empfehlen die Christian Grawe-Übersetzungen – allerdings sind die Einträge teilweise schon zwanzig Jahre alt.

Neuübersetzungen von Andrea Ott im Manesse Verlag

Die preisgekrönte Übersetzerin Andrea Ott hat für den Manesse Verlag einige der Klassiker neu übersetzt. Wie ging sie vor, um diesem Klassiker der Weltliteratur von 1813 sprachliche Frische zu geben und zugleich seine ursprüngliche Aktualität zu bewahren? Wie fand sie den Ton, um Jane Austens temporeiche, spritzige Dialoge in unsere Zeit zu holen? Natürlich könnte ich an dieser Stelle viel dazu schreiben, aber ich bin bei diesem Thema keine Fachfrau und lasse daher lieber andere zu Wort kommen. Im Gespräch mit ihrem Verleger Horst Lauinger erzählte Andrea Ott im Literaturhaus Zürich von ihrer Arbeit und zeigte anhand von konkreten Beispielen, welche besonderen Herausforderungen bei der Übersetzung eines zweihundert Jahre alten Textes zu bewältigen sind. 

Über Andrea Ott / Podcast und Gespräch

Die Fülle an Artikeln und Podcasts zum Thema ist erschlagend. Und die Fülle der Romane in Gestaltung und Übersetzung groß. Hier 

Verlage, die Jane-Austen-Romane veröffentlicht haben

Die Filme

Ach ja, die Filme. Genaugenommen sind diese ein Kapitel für sich. Und da ich mich vor allem an die Verfilmung  von „Sinn und Sinnlichkeit“ mit Emma Thompson erinnere und nicht alle kenne, sage ich an dieser Stelle nichts dazu. Nur so viel – wie bei den Übersetzung variiert auch hier die Werktreue.

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