
Es ist ein stilles Buch. Denn sensible und introvertierte Menschen sind nicht laut. Es ist ein berührendes Buch. Voller poetischer Naturbeschreibungen. Und es ist ein mutmachendes Buch. Mut, seinen eigenen Weg zu gehen – auch wenn dieser nicht breit und Mainstream ist. ◼️
Verlagsinfo
Was macht dich wirklich glücklich? Victoria, genannt Toja, illustriert Buchumschläge. Ihre Gedanken kann sie oft besser in Bildern als in Worten ausdrücken. Seit einer Lebenskrise lebt sie in einem Haus am Stadtrand, wo sie zwischen alten Obstbäumen und Blumenbeeten wieder zu sich gefunden hat. Als am Gartenzaun die vierzehnjährige Vica auftaucht, die eigentlich ebenfalls Victoria heißt, erkennt Toja sich in dem introvertierten Mädchen wieder. Sie fühlt sich an ihre eigene Vergangenheit erinnert und an das beklemmende Gefühl, nicht richtig zu sein. Toja möchte für Vica einen friedlichen Ort schaffen, an dem diese auch in dunklen Momenten Hoffnung finden kann. Wie die Blüte, die immer zum Licht strebt. Aber lässt sich das Glück planen? Und wie viel Mut braucht es zur Veränderung?
Ein heilender Garten
Es ist ein Garten, in dem die Blumen strahlen dürfen. In dem Insekten umherschwirren. In dem bunte Objekte fröhliche Akzente setzen. So sieht der Garten von Toja aus. Und ich vermute, dass der Garten von Patricia Koelle für die Beschreibungen Pate gestanden hat. Ihre Naturbeschreibungen sind poetisch und anschaulich. Man fühlt sich mittendrin in dieser wunderbaren Natur, die Patrica Koelle in nachfühlbaren Formulierungen schildert.
Wenn es um die Menschen geht, sind ihre Worte ebenso einfühlsam und berührend. Vica mag keihne Menschenmengen, keine Auftritte vor der Schulklasse – und ist damit zur Außenseiterin geworden. Bei ihrem Vater findet sie keine Anerkennung und Unterstützung. Aber bei Toja und Bär, dem Mann, der ebenfalls in dem Haus mit dem lebendigen Garten lebt.
Es ist eine ungewöhnliche Wohngemeinschaft, mit einer Vergangenheit, die ihnen Wunden zugefügt hat – die aber in dieser Umgebung ein wenig heilen konnten. Für das Mädchen Vica hat der Umgang mit den beiden stillen Menschen eine wohltuende Wirkung. Und der Aufenthalt im Garten trägt dazu bei, dass die zu ihrer Mitte findet.
Wer ein Buch mit Spannung im herkömmlichen Sinne sucht, wird sie hier nicht finden. Wer in eine Welt voller Farben, Düfte und Freundschaft eintauchen möchte, ist hier richtig.
Die Autorin
Patricia Koelle ist bekannt, hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Buchserien veröffentlicht, in denen es manchmal ein bisschen mystisch zugeht, aber in denen die Natur stets eine wichtige Rolle spielt. Dieses Buch hat sie unter einem leicht veränderten Namen herausgebracht, weil sie es in einen anderen Verlag als herkömmlich veröffentlicht hat. Wie es zu dem Namen gekommen ist, hat sie auf ihrem Blog berichtet. Sie hat sich den Familiennamen ihrer Viermal-Urgroßmutter geliehen. Und die Erklärung macht auch ersichtlich, wie es zu ihrer Verbindung zu Ostfriesland kommt, das in einigen ihrer Bücher eine Rolle spielt (Glückshafen-Reihe).
„Sie hieß None Wolken und lebte von 1776 – 1845 in Wittmund, Ostfriesland. Ihre Eltern hießen Wolke Wolken (wirklich!) und Geske Tiden. Sie heiratete jung, einen dreizehn Jahre älteren Warftmann, Gerd Janssen hieß er. Sie bekamen eine Tochter namens Catharina. Und Nones Enkelin Anna Dorothea heiratete einen gewissen Georg Kölle, mit dem sie nach Bremen in ein winziges Häuschen im Schnoor zog. Warum aus dem ö der Kölles später ein oe wurde ist eine andere Geschichte.“
Fazit
Oft habe ich eine Gänsehaut gehabt, fühlte mich, als sie ich inmitten von Blumen und Insekten, fühlte mich den beschriebenen Menschen nahe. Wer die Stille liebt und die Natur, wird auch dieses Buch lieben.
„Der Garten der kleinen Wunder“, Patricia Koelle-Wolken
304 Seiten, 13 €, Rowohlt TB, VÖ 17. Juni 2025
