Rezension – Petra Oelker: Drei Wünsche

Eine Weihnachtswundergeschichte ◼️

Bewertung: 5 von 5.

Wünsche. Wunder. Weihnachten. Diese drei Komponenten bestimmen Geschichten, die der Rowohlt-Verlag in einer wunderschönen Aufmachung herausgibt. Sie sind in der Vergangenheit angesiedelt. Das I-Tüpfelchen sind die feinen Illustrationen von Andrea Offermann. Eine stimmungsvolle Lektüre für Weihnachts-Fans. Das Buch von Petra Oelker ist in diesem Jahr neu aufgelegt worden.◼️

Verlagsinfo

Dezember 1773. Auf dem Weihnachtsmarkt in der Hamburger Domkirche, mitten im Gedränge der Marktleute und ihrer flanierenden Kundschaft, suchen drei Frauen das Glück: Theda hat ihre Stellung als Gesellschafterin verloren, eine Vernunftehe in der ostfriesischen Heimat scheint der einzige Ausweg. In Geldnot geraten, will sie auf dem Weihnachtsmarkt eine Silberdose verkaufen, ihren einzigen Besitz von Wert, und gerät in der alten Kirche mitten hinein in den Trubel aus Besuchern, Taschendieben, Suppenköchen und Künstlern. Auch Madam Augusta ist im Dom, sie hadert mit dem Tod ihrer alten Vertrauten, trotz all der Menschen fühlt sie sich allein. Und dann ist da noch Elsi: Die junge Frau hat sich verliebt, doch ihr Vater ist alles andere als einverstanden mit ihrer Wahl. Drei Frauen, drei Wünsche. Sie alle hoffen auf ein Weihnachtswunder.

Die Rolle der Frau

Ehefrau, Dienstmädchen oder Tante – viele Möglichkeiten gab es in den vergangenen Jahrhunderten nicht für die Frauen. Im Mittelpunkt der Geschichte steht Theda, die ratlos ist, als sie ihre Anstellung verliert:  „Freiheit war ein schönes Wort und musste ein schöner Zustand sein. Leider hatte Theda nicht bedacht, dass man dazu wissen musste, was Freiheit bedeutete und sein konnte. Und wer man selbst war. Wer war sie bisher gewesen? Tochter, Stieftochter, Ehefrau, Witwe, Madam Zollers Mamsell. Und nun?“

Die Rolle der Frau wird auf differenzierte Weise deutlich gemacht. Sie ist von Bedeutung für die Erzählung, aber sie wird nie durch moderne Gedankengänge veranschaulicht. Das ist äußerst angenehm.

Woher hat der Hamburger Dom seinen Namen?

Oft habe ich mich gefragt: Warum heißt der Hamburger Jahrmarkt „Dom“? Da ist doch weit und breit keine Kirche. Richtig. Seit 1803 nicht mehr. Auf dem Areal, das heute Heilig-Geist-Gelände genannt wird, wurde im 11. Jahrhundert der erste steinerne Dom gebaut. 1329 wurde eine gotische Domkirche geweiht und im Laufe der Jahrhunderte Stück für Stück erweitert, bis am Ende dort eine fünfschiffige Hallenkirche mit hoch aufragendem Turm und Kreuzgang stand. Diese verlor nach der Reformation ihre Bedeutung, verfiel nach und nach und wurde abgerissen. Es gab einen großen Anbau, die Halle. Hier verkauften später Tischler ihre Erzeugnisse. Schappendom wurde der Bau genannt, von Schapp = Schrank. 

Der Mariendom, ein Gemälde von C. Suhr.

Seit dem frühen 14. Jahrhundert gab es im Dom einen Weihnachtsmarkt, erklärt die Autorin in ihrem Nachwort. Dieser war Vorläufer und Namensgeber der Hamburger Kirmes. 

„Der absolute Höhepunkt dieses Treibens fand in den acht Tagen vor Weihnachten statt. Dann wurde das Domareal zum lärmenden Markt für allerlei Galanteriewaren, Brüsseler Spitzen oder Samtmieder, für Bijouterie und glitzernden Tand jeder Art, auch Trödelkram, Lebkuchen oder Puppen und Steckenpferdchen, Zinnsoldaten, Wachslichter oder Krippenfiguren und Scherenschnitte, Zuckerwerk, Marzipan …“ schildert Petra Oelker das damalige Treiben an der Kirche.

Zusammentreffen auf dem Markt

Hier auf dem Weihnachtsmarkt treffen die drei Frauen zusammen, die so ganz unterschiedliche Wünsche haben. Oelker schildert die Vorkommnisse in einer altertümlich anmutenden Sprache, die Gewöhnung braucht, aber sehr passend ist. Nach einer Weile hat man sich daran gewöhnt. Aber man muss auch aufmerksam lesen.

Es gibt liebenswerte Nebenaspekte wie die des kleinen Hündchens, dass Theda zuläuft und das auch in den Illustrationen zu sehen ist. Überhaupt – die Zeichnungen! Sie sind zart, aber aussagekräftig. 

Die Verbindung von Illustration und Text macht dieses Buch besonders schön. Schade ist nur, dass die Illustration der Aufschlagseiten (Hamburger Hafen) im e-Book nicht enthalten ist. Ich habe es in der Skoobe-Bibliothek gelesen, die ich großartig finde. Aber bei dieser Buchserie würde ich auf jeden Fall die Printversion empfehlen.

Autorin

Petra Oelker arbeitete als Journalistin und Autorin von Sachbüchern und Biografien. Mit „Tod am Zollhaus“ schrieb sie den ersten ihrer erfolgreichen historischen Kriminalromane um die Komödiantin Rosina, zehn weitere folgten. Zu ihren in der Gegenwart angesiedelten Romanen gehören „Der Klosterwald“, „Die kleine Madonna“ und „Tod auf dem Jakobsweg“. Zuletzt erschien ihr Roman „Das Haus am Gänsemarkt“ über das Schicksal einer hanseatischen Kaufmannsfamilie während der Hamburger Franzosenzeit.

Illustratorin

Andrea Offermann studierte Illustration am Art Center College of Design in Los Angeles. Nach ihrem Abschluss kehrte sie nach Deutschland zurück und arbeitet seitdem im Kunst-, Comic- und Illustrationsbereich. Inzwischen lebt sie mit ihrer Familie in Potsdam. Zuvor hat sie aber viele Jahre in Hamburg gelebt, und es war eine große Freude, ein Buch über diese schöne Stadt illustrieren zu dürfen, schreibt der Verlag.

Das Cover

Wie alle Cover dieser Serie vermitteln die Zeichnungen einen Hauch von Nostalgie. Das ist auch sehr passend, schließlich spielen alle Geschichten in der Vergangenheit. Schön ist, dass Hamburg auf den ersten Blick erkennbar ist.

Fazit

Fünf Sterne alleine schon wegen der wunderbaren Zeichnungen und Gesamtaufmachung. An der Erzählung fand ich den historischen Hamburg-Hintergrund hochinteressant.

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