
Dänemark und das deutsch-dänische Grenzland sind nicht oft Handlungsorte deutscher Romane. In diesem Buch finden sich viele interessante geschichtliche Aspekte, dazu eine zarte Liebesgeschichte zwischen zwei Best-Agern.
Verlagsinfo
Im Frühjahr 1888 kommt die junge Mari Jansson nach Kopenhagen, um sich zur Malerin auszubilden. Gut hundert Jahre später gibt eines ihrer Bilder in einem Sommerhaus an der Flensburger Förde dem Dänen Poul Schiøtz und der deutschen Touristin Hanne Weber Rätsel auf. Gehörte Mari Jansson zu den Freiluftmalern, die hier in Egernsund vor dem Ersten Weltkrieg die Sommer verbrachten? Hanne begibt sich auf Spurensuche. Aber nicht nur Mari Jansson, auch der charmante Best Ager Poul geht ihr nicht mehr aus dem Sinn …
Drei Zeitebenen
Die Handlung ist auf drei Zeitebenen angesiedelt: Ende des 19. Jahrhunderts (Mari), um 1920 und im Jahre 2017. Im Mittelpunkt des historischen Teils steht Mari Jansson mit ihrem Wunsch, Malerin zu werden. In der Gegenwart treffen die Poul und Hanne aufeinander, beide nicht mehr jung, beide mit Verletzungen aus vorherigen Beziehungen. D.h. Poul hardert noch damit, dass seine Frau sich immer mehr von ihm entfernt.
Køge liegt südlich von Kopenhagen. Hier wächst Mari auf. Malen, das ist in den 1880er Jahren für ein Frau höchstens als Hobby gestattet. Ihr Vater verdient mit dem Kolorieren von Fotografien Geld, Mari hilft ihm. Die prekäre finanzielle Situation der Familie, die Versuche der Mutter, Schwangerschaften zu verhindern und politische dänische Aspekte – all das hat die Autorin sehr gut und auch sehr einfühlsam dargestellt und hat mir sehr gut gefallen.
Eigentlich würde Mari nach der Konfirmation in einen Haushalt zum Arbeiten gehen. Aber der Vater sorgt für eine Anstellung in der Aluminia Fayencenfabrik. Hier verziert Mari Porzellan und erhält in der dänischen Hauptstadt die Möglichkeit, privat Malunterricht zu nehmen. Ein verschlungener Lebensweg führt sie dann als Erwachsene nach Egernsund (deutsch: Ekensund) ins deutsch-dänische Grenzland, wo sich eine Künstlerkolonie etabliert hat.
Im deutsch-dänischen Grenzland
Das deutsch-dänische Grenzland ist nicht sehr oft Handlungsort von Romanen. Dabei bietet es eine spannende und wechselvolle Geschichte. Die wird auch im Roman thematisiert – allerdings nur am Rande, beispielsweise die Abstimmung 1920, die die Grenzziehung bestimmt. Ein Aspekt, der leider nur selten in Romanen thematisiert wird, dabei haben die Wechsel der Zugehörigkeiten (mal Deutsch, mal Dänisch) das Leben und den Zusammenhalt vieler Familien beeinflusst.
Best-Ager
In der Gegenwart: Der Däne Poul Schiøtz lebt in einem Häuschen in Egernsund. Hier trifft er die Deutsche Hanne, die wiederum Bilder entdeckt, die sich auf die Spur der Künstlerkolonie führen. Die privaten Probleme der beiden Best-Ager sind einfühlsam beschrieben. Aber dieser Teil hätte für meinen Geschmack knapper ausfallen können.
Die Künstlerkolonie spielt nur am Rande eine Rolle. Sie ist der Grund, warum Mari nach Egernsund reist, aber wird nicht näher beschrieben. Das ist ein bisschen schade.

Die Künstlerkolonie
Wer mehr wissen will: Der Museumsberg Flensburg zeigt noch bis zum 8. März 2026 die Ausstellung „Starke Frauen der Künstlerkolonie Ekensund“. Mehr dazu >> hier
Die Autorin
… wurde 1961 geboren, ist Theologin und lebt in Hamburg. Schon seit ihrer Kindheit verbringt sie gern Zeit in Dänemark. „Die Ideen zu meinen Romanen schöpfe ich aus meinen Reiseeindrücken und aus der Beschäftigung mit Dänemarks Kultur und Geschichte“, schreibt sie auf ihrer Webseite.
Fazit
Anne M. Weilandt beschreibt Dänemark kenntnisreich und einfühlsam. Es ist ein sehr ruhiger Roman, für den einen oder anderen vielleicht mit kleinen Längen. Vor allem die geschichtlichen Aspekte sind bemerkenswert.
„Ein Mädchen aus Køge „, Anne M. Weilandt
372 Seiten, 17 Euro, BoD, VÖ 24. September 2025
