Ausstellung auf dem Museumsberg Flensburg / Finissage am Weltfrauentag ◼️

Die Männer waren nicht begeistert. „Da hörte ich zu meinem Entsetzen, dass es Berliner Malweiber seien“, so 1903 ein Maler über den Zuwachs der Künstlerkolonie Ekensund. Denn es waren Frauen ohne männliche Begleitung, die kamen. „Malweiber“ wurden jene Frauen genannt, die sich ernsthaft der Malerei widmeten und nicht nur als Hobby. Die Leistungen der Ekensunder Frauen waren vielfach beachtlich. Dennoch sind sie weitgehend in Vergessenheit geraten. Auf dem Flensburger Museumsberg erinnert jetzt eine umfangreiche Schau an sie.

Oben von links, stehend: Erich Kubierschky mit großen Schlapphut, Wilhelm Dreesen, Johann Sander,
Unten von links: Petersen (Flensburg), Johannes Knutz, Fritz Stoltenberg, Heinrich Petersen-Angeln, Jacob Nöbbe.
Im ausgehenden 19. Jahrhundert gewann die Freiluftmalerei an Bedeutung und es bildeten sich zahlreiche Künstlerkolonien. Zum Beispiel jene in Worpswede, deren bekannteste Vertreterin, Paula Modersohn-Becker, gerade zu ihrem 150. Geburtstag mit zahlreichen Ausstellungen gewürdigt wird. Die Künstlerkolonie in Egernsund erlebte zwischen 1875 und 1920 ihre Blütezeit. Sie war ein loser Zusammenschluss junger Maler. Jungen Männer, die in der Nähe der Flensburger Förde aufgewachsen waren (Theodor Sander, Jacob Nöbbe, Heinrich Rasch und Heinrich Petersen-Angeln), studierten unter anderem an der Kunstakademie in Berlin. Von dort brachten sie weitere Künstler nach Ekensund.
„Inspiriert durch die aufkommende Freiluftmalerei und das Beispiel der Skagen Maler waren die Künstler nach Egernsund gereist und hatten sich in Schumanns Gasthof und in den umliegenden Häusern einlogiert, um nach der Natur zu malen. Mit der Kettenfähre waren sie von Alnor übergesetzt, wo sich jetzt die Klappbrücke über die Einfahrt zum Nybøler Nor spannte.“
Zitat aus dem Buch „Ein Mädchen aus Köge“

Der Name
Ekensund lautet der Name des Ortes auf Deutsch, Egernsund auf Dänisch.
Ekensund war ein kleines beschauliches Fischerdorf, an der Nord-Ost-Spitze der Flensburger Förde gelegen. Ziegeleien waren allerorts anzutreffen und sorgten für bescheidenen Wohlstand. Eine kleine Fähre führte über das Nybøl Noor der Flensburger Förde. Mit der Volksabstimmung von 1920 kam der Ort wie die nordschleswigschen Gebiete zu Dänemark. Es ist gerade drei Kilometer Luftlinie von der deutschen Küste entfernt. Seit 1968 ersetzt die Egernsundbrücke die Fähre zwischen dem Graastener Ortsteil Alnor und Egernsund.
Es ist eine idyllische Gegend. Selbst heute noch. Auch wenn hier 1864 die entscheidende Schlacht des Deutsch-Dänischen Krieges tobte. Dort, wo die Mühle steht, erinnert ein Museum an das historische Ereignis. An die Freiluftmaler erinnert hingegen nichts. Wer allerdings den Museumsberg Flensburg besucht, kann dort zurzeit in einer bemerkenswerten Ausstellung den Malerinnen von Ekensund begegnen.

„Für Malerinnen, denen der Zugang zur Kunstakademie verwehrt war, boten Künstlerkolonien eine willkommene Gelegenheit, sich mit ihren männlichen Kollegen zu messen. In Ekensund stellte die Berlinerin Emmy Gotzmann-Conrad mit ihren modernen, an van Gogh und den französischen Pointillisten geschulten Werken, alles in den Schatten“, heißt es zum Buch „Künstlerkolonie Ekensund am Nordufer der Flensburger Förde“ von Ulrich Schulte-Wülver, dem ehemaligen Direktor des Museumsbergs. Das Haus hat sich schon mehrfach mit den Freiluftmalern beschäftigt, hatte allerdings bisher nie die Frauen in den Mittelpunkt gestellt. Das Museum schreibt zu der Ausstellung „Unterschätzt! – Starke Frauen der Künstlerkolonie Ekensund“ :
„In der Regel verliefen vielversprechende Karriereanfänge nach längerem Dasein als Mutter, Ehe- und Hausfrau oft ins Leere. Die 1884 geborene Sophie Dorothea Eckener, die 1905 den Flensburger Maler Alexander Eckener heiraten sollte, konnte schon während ihrer Kindheit in London so gut Tiere malen, dass sie heute als Wunderkind gelten würde. Ihre Schwägerin Antonia Eckener sorgte als Netzwerkerin und Gastgeberin dafür, dass das Elternhaus ein Ort für die ganze Familie blieb. Sie vermietete auch Pensionszimmer unter anderem an Ada Nolde, mit der sie freundschaftlich verbunden blieb. Ein Originalfenster aus dem heutigen Eckener-Haus mit dem eingeritzten Namen von Nolde zeugt in der Ausstellung von dem beliebten Treffpunkt bei Flensburg.“

Herausragend: Emmy Gotzmann
Eine herausragende Künstlerin war Emmy Gotzmann (1881-1950). 1903 kam sie nach Ekensund, 1905 siedelte sie nach Flensburg über. Dort nahm sie Unterricht an der Kunstgewerblichen Fachschule. Sie stellte „mit ihren modernen, an van Gogh und den französischen Pointillisten geschulten Werken, alles in den Schatten“, schreibt Schulte-Wülver über sie. 1908 wurden in einer Flensburger Ausstellung 87 Ölgemälde, Ölstudien und Aquarelle von ihr gezeigt. Ein Jahr später ging sie nach Berlin zurück. Ihr Werk ist nicht nur fast vergessen, sondern ging im Krieg fast vollständig verloren. Ein kleiner Teil befindet sich in Familienbesitz, heißt es im Eintrag des Vereins der Berliner Künstlerinnen 1867.
Exemplarisch für die Ekensunder Künstlerinnen werden unter anderem auch Sophie Eckener und Agnes Slott-Møller vorgestellt.
Finissage
Die Finissage mit Rahmenprogramm findet am Weltfrauentag, dem 8. März 2026 statt.
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