Rezension – Eliza Knight: Bernadette Swifts Gespür für Bücher

Bewertung: 4 von 5.

Dieses Buch ist sehr amerikanisch – geprägt von den Moralvorstellungen und Arbeitswelt der Sechziger Jahre in den USA. Es ist daher auch eine Zeitreise: Mit Beschreibungen der Mode, der Musik und der Literatur. Nicht zuletzt geprägt vom weiblichen Kampf um Gleichberechtigung und für gleiche Bezahlung für gleiche Tätigkeiten. Am Ende der Rezension findet ihr eine Playlist mit damals aktuellen Musiktiteln und eine Liste jener Bücher, die Bernadette Swift und ihre Freundinnen gelesen haben.

Verlagsinfo

In den Sechzigern gibt es in New York keine Verlegerinnen. Noch nicht. Bernadette Swift, junge Lektorin bei Lenox & Park Publishing, will hoch hinaus: Sie träumt davon, als erste Frau an die Spitze eines Verlags zu gelangen. Doch das erweist sich als schwieriger als gedacht. Auf der Suche nach Verbündeten schließt sich Bernadette einem Buchclub für Frauen an. Entschlossen kämpft sie für ihre Karriere und für Gleichberechtigung – gegen ihren herablassenden Chef und eine intrigante Kollegin, die ihr Steine in den Weg legt. Zum Glück gibt es nicht nur ihren Buchclub, sondern auch einen charmanten Kollegen, der mehr als nur berufliches Interesse an ihr hat. Vielleicht, nur vielleicht, kann Bernadette den Durchbruch schaffen – für sich und alle Frauen, die nach ihr kommen.

Das Jahr 1966

In China beginnt die Kulturrevolution.

In Frankreich tritt ein Gesetz über die volle juristische Gleichberechtigung der Frauen in Kraft.

Leonid Breschenew wird zum Generalsekretär der KPdSU ernannt.

US-Soldaten kämpfen in Vietnam. In den Vereinigten Staaten wird der Equal Pay Day (Tag der gleichen Bezahlung) ins Leben gerufen.

Das ist das gesellschaftliche Umfeld, in dem Bernadette Swift in New York für Gleichberechtigung am Arbeitsplatz kämpft und für ihre Karriere als Lektorin. Ein ernstes Thema, das Eliza Knight sehr bunt und sehr locker angeht.

Der Equal Pay Dady
In diesem Jahr (2026) findet der Tag am 27. Februar statt. Denn noch immer klafft eine Lücke zwischen den Gehältern von Männern und Frauen.
equal pay every day: Unter diesem Motto rückt die Equal Pay Day Kampagne 2026 in den Fokus, wie sich die geschlechterspezifische Lohnlücke im Laufe des Lebens entwickelt und auswirkt. Vom Erlernen von Rollenbildern in Kindheit und Jugend über die Berufswahl und die Familiengründung bis zur Rente und weiblichen Altersarmut: Anhand der verschiedenen Lebensabschnitte wird deutlich, wie gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Strukturen Lohngleichheit immer wieder erschweren und mit welchen Stellschrauben es gelingen kann, das zu ändern und equal pay Realität werden zu lassen – nicht nur punktuell, sondern an jedem Tag.

Bernadette ist keineswegs eine verbissene Emanze. Sie möchte einfach nur das tun, was sie sehr gut kann: Bücher lektorieren – was damals noch mit Rotstift und Schreibmaschine geschah. Sie ist eine sehr weibliche und eigentlich sehr freundliche Person. Sie kocht gerne. Sie wählt ihre Kleidung mit bedacht und trägt gerne dazu passende Stirnbänder. Das sieht dann so aus:  „Blonde Haare und pinkfarbenes Stirnband à la Brigitte Bardot, Lippenstift im selben Farbton, schwarzer Bleistiftrock, dazu passende Jacke und pinkfarbene Seidenbluse mit weißen Tupfen.“ (Zitat aus dem Buch). Diese Beschreibungen, die Erwähnungen der Musik- und Buchtitel tragen dazu bei, die Atmosphäre jener Zeit aufleben zu lassen und aus weiblicher Sicht erleben zu lassen. Das ist ein großes Plus des Buches.

Allerdings ist manches für einen Deutschen nur schwer zu verstehen, wie das merkwürdige amerikanische Arbeitsrecht, das eine mündliche und fristlose Kündigung durch den direkten Vorgesetzten möglich macht, ohne Beteiligung der Personalabteilung.

Ein liebenswerter Einfall ist es auch, Frank zu Wort kommen zu lassen – eine deutsche Dogge, die bei ihr lebt. Doch dies ist ein Aspekt, der für mich nicht so recht zu dem ernsthaften Thema passt.

Autorin

Eliza (E.) Knight ist eine preisgekrönte und USA Today Bestseller-Autorin. Sie hat mehr als fünfzig knisternde historische Romane und fesselnde historische Belletristik geschrieben. Wenn sie nicht liest, schreibt oder für ihr neuestes Buch recherchiert, tobt sie mit ihren drei Kindern. In ihrer Freizeit (wenn es so etwas gibt …) träumt sie gern, probiert Wein, reist, wandert, schaut sich die Sterne an, sieht Filme, kauft ein und besucht Familie und Freunde. Sie lebt auf einem kleinen Berg mit ihrem eigenen Ritter in glänzender Rüstung, drei Prinzessinnen und zwei sehr frechen Hündchen. >> http://www.elizaknight.com oder in ihrem historischen Blog History Undressed: http://www.historyundressed.com. (Quelle: Amazon)

Das Cover

Bernadette trägt mit Vorliebe zur Kleidung passende Stirnbänder. Das wird auf dem Originalcover deutlicher als auf dem deutschen. Die Schreibmaschine und die Bleistifte verdeutlichen dort außerdem die im Roman beschriebene Arbeitsweise.

Fazit

Der Roman enthält zahlreiche Details, die ich ausgesprochen interessant fand – wie zum Beispiel die Arbeitsweise der Lektorin. Auch der Kampf um Gleichberechtigung und Anerkennung in der Arbeitswelt sind gut beschrieben. Dies sind ernste Themen, die meiner Meinung nach mit den manchmal recht lockeren Komponenten kollidieren. Ich bin daher hin- und hergerissen bei meiner Bewertung.  Doch sollten meine Einwände Leserinnen nicht von der Lektüre abhalten. Gute Unterhaltung ist auf jeden Fall garantiert.

Buchliste

  • Alfred Kinsey: Das sexuelle Verhalten der Frau
  • Sylvia Plath: Die Glasglocke
  • Philip K. Dicks: Das Orakel vom Berge
  • Zara N. Juristin: Vor ihren Augen sahen sie Gott

Lesenswerte Autorinnen

  • Jane Austen
  • Mary Wollenstonecraft
  • Maya Angelou
  • Harper Lee

Playlist

  • „Then He Kissed Me“, Crystals
  • „He‘s So Fine“, Chiffons
  • „Big Girls don‘t Cry“, Four Seasons
  • „Can‘t Helf Fallling in Love“, Elvis
  • „Runaroud Sue“, Dions

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