Rezension – Liv Helland: Sturmwindherz

Schloss-Schwestern-Trilogie, 1 ◼️

Bewertung: 5 von 5.

Drei Schwestern – eine Aufgabe. Ebba, Marie und Levke tragen schwer an den Folgen der Vergangenheit. Doch nun müssen sie sich mit der Zukunft auseinandersetzen. In Ostfriesland, in einem Wasserschloss. Die Charaktere sind liebevoll gezeichnet, die Story spannend und gefühlvoll zugleich. Ein Buch, das man nicht aus der Hand legen kann.

Verlagsinfo

Niemals wollte Ebba zurück in ihre Heimat Ostfriesland. Nach dem Unfalltod ihrer Eltern hat es sie und ihre beiden Schwestern in alle Winde verstreut. Doch dann erben sie von ihrem Großvater ein altes Wasserschloss. Einzige Bedingung: Sie müssen dort für drei Monate zusammenleben. Als Ebba bei der Testamentseröffnung unerwartet ihrer Jugendliebe Cord gegenübersteht, stürmen lange verdrängte Gefühle auf sie ein. Während ihre Schwestern die gemeinsame Zeit auf Schloss Süderholt so schnell wie möglich hinter sich bringen wollen, sieht Levke darin eine Chance. Vielleicht kann hier ihr gebrochenes Herz endlich heilen und sie ein neues Zuhause finden? Um ihr Ziel zu erreichen, muss sie sich mit Denkmalschützer Theo auseinandersetzen, zu dem sie sich unerwartet hingezogen fühlt. Auch Marie, die jüngste der Schwestern, kehrt nur widerwillig an die Nordseeküste zurück, zu weh tun ihr die Erinnerungen, die sie damit verbindet. Um sich abzulenken, versucht sie, das Rätsel um die ungewöhnliche Erbschaft zu lüften. Dafür braucht sie ausgerechnet die Hilfe des wortkargen Wattführers Noah, einem Mann, der sie mehr herausfordert, als ihr lieb ist. 

Familiäre und persönliche Konflikte

Die Eltern der drei Schwestern sind vor Jahren bei einem Unfall ums Leben gekommen. Aufgewachsen sind sie bei ihrem Opa. Der hat ihnen nun Schloss Süderholt vermacht. Allerdings mit der Auflage, dass sie drei Monate darin leben. Gar nicht so einfach, denn sie haben oder hatte ihr Leben weit entfernt von Ostfriesland: Ebba in Boston, Marie als Weltenbummlerin und Influenzerin, Levke als Eventmanagerin. Und ihr Interesse, drei Monate in dem Schloss zu leben, ist sehr unterschiedlich.

Die Rückkehr in die alte Heimat und die Begegnung mit alten Bekannten ist nicht frei von Konflikten. Ein Thema, das viele Romane zur Grundlage nehmen. Aber hier ist es lebensecht geschildert, wie sich überhaupt alles locker und doch spannend liest, mit atmosphärisch dichten Schilderungen. Dazu gehören (natürlich) etliche Verwicklungen und manche Missverständnisse.

Ostfriesische Häuptlinge und Klöster

Die ostfriesische Historie ist spannender, als mancher denkt. Sie dient hier als Grundlage für die Schloss-Geschichte. Schloss Dornum hat die Autorin so fasziniert, dass sie den Bau als Vorbild für Schloss Süderholt gewählt hat. Und während es im Mittelalter sonst eine zentrale Herrschaft gab, waren es in Ostfriesland die Häuptlinge (Hovetlinge), die regierten. Im Buch soll das Schloss von einem Onno Tom Brook errichtet worden sein. Den hat es nicht gegeben, aber das Geschlecht derer von tom Brok (es existieren unterschiedliche Schreibweisen). Onno Tom Brook soll seine Tochter Fenna als Novizin ins Kolster Marienhain gegeben haben. Diese wiederum soll einen Schatz aus dem Kloster ins Schloss gebracht haben – so die Sage, die den Schloss-Schwestern berichtet wird.

Nirgendwo im mittelalterlichen Deutschen Reich soll es so viele Klöster wie in Ostfriesland gegeben haben. Es lassen sich ungefähr 30 Niederlassungen verschiedener Orden nachweisen, von denen jedoch keine die Reformation überstand. Das (fiktive) Kloster Marienhain soll in der Nähe des Schlosses gelegen haben. Die Beziehung und der Schatz  spielen in den drei Romanen ein Rolle und sorgen für Spannung. Genau wie familiäre Rätsel der Vergangenheit. Was ist mit der Oma der drei damals im Schloss passiert? Briefe und mühsame errungene mündliche Aussagen bringen nur langsam Licht ins Dunkel.

Cliffhanger

Liv Helland versteht es meisterhaft, im Laufe des Romans immer wieder kleine Cliffhanger einzubauen. Und einen großen am Ende. Ich habe es selten, dass ich den letzten Satz lese und denke: Oh nein, dass kann nicht sein! Wie bitte geht es weiter?!

Wie gut, dass der zweite Teil bereits am 13. März erscheint.

Fazit

Diese Reihe bietet allerbeste Unterhaltung: Gefühl, Spannung, Historie – alles wohldosidert und bestens miteinander kombiniert. Schon jetzt ein Highlight des Jahres 2026 für mich.

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