Eine biografische Annäherung

Vor 100 Jahren, am 17. März 1926, wurde Siegfried Lenz in Ostpreußen geboren. Aus diesem Grund finden vor allem in Schleswig-Holstein und Hamburg zahlreiche Veranstaltungen statt. Hier hat er den Großteil seines Lebens verbracht, hier spielen zahlreiche seiner Bücher. Aber wer war der Mensch Siegfried Lenz. Auf Fotos ist er meist mit Pfeife im Mund zu sehen, manchmal zusammen mit SPD-Politikern. Erich Maletzke lebte in Schleswig-Holstein. In zahlreichen Gesprächen näherte er sich dem Menschen Lenz an.
Verlagsinfo
Siegfried Lenz starb am 7. Oktober 2014 im Alter von 88 Jahren. Seine Bücher sind welt-weit in einer Auflage von mehr als 25 Millionen Exemplaren erschienen. Dennoch gab es bisher noch keine Biographie dieses Autors. Über sein Privatleben sprach Siegfried Lenz nicht gerne, und obwohl er einige autobiographische Skizzen veröffentlicht hat, lagen seine Kindheit, die Jugendjahre und die Kriegszeit weitgehend im Dunkeln. Nach umfangreichen Recherchen im In- und Ausland hat Erich Maletzke den Lebensweg des Literaten nachgezeichnet. Dabei zeigt sich, dass fast alle über Siegfried Lenz veröffentlichten Lebensläufe zumindest teilweise umgeschrieben werden müssen.
Eine Annäherung
So unterschiedlich die Reaktionen auf das Buch waren, so ist es nach wie vor jedoch die einzige Biografie, die über den Schriftsteller vorliegt. Aus dem vielgerühmten Erzähler werde immer dann ein Schweiger, wenn es ums Persönliche geht, konstatiert Maletzke im Vorwort. Der Journalist wurde von Lenz empfangen, durch Haus und Garten geführt und sogar mit Anekdoten unterhalten, Lenz stimmte anfangs sogar einer Biografie zu – um dann doch abzulehnen. So trägt das Buch dann auch den Untertitel „eine biografische Annäherung“, die Maletzke in lockerem Plauderton verfasst hat.
Der Lebenslauf
Unter dem Titel „Ich zum Beispiel“ hat Lenz einige biografische Fakten über sich veröffentlicht (in dem Buch „Selbstversetzung – über Schreiben und Leben“). Laut Maletzke sind einige Auskünfte lückenhaft, zu seinen Eltern habe er sich auch auf Nachfrage nur vage geäußert. Mit Recherche versucht Maletzke einige Lücken zu füllen, was sich am Beispiel des Vaters aber als schwierig erweist, denn offizielle Unterlagen in Lenz‘ Geburtsort (heute polnisch Elk, damals Lyck) wurden vernichtet.
Ob Lücken oder nicht – die Annäherung liest sich leicht und locker, schildert ausführlich Kindheit und Jugend und wie der Schriftsteller von Masuren nach Schleswig-Holstein und Hamburg gelangt.
Autor
Erich Maletzke war Chefredakteur der Schleswig-Holsteinischen Landeszeitung und später Chefkorrespondent des shz (Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag). In dieser Funktion habe ich ihn kennengelernt und unter ihm gearbeitet. Er war die „Edelfeder“ des Verlages. Nach Renteneintritt hat er einige historische Romane verfasst. Er starb 2021 in seinem Dithmarscher Wohnsitz.
Bewertung
Der Literaturwissenschaftler Heinrich Detering fand lobende Worte für das Buch, das er als „nützliche Einführung“ in dessen Werk und seine Rezeptionsgeschichte betrachtet (Quelle: Perlentaucher). Michael Braun von der Neuen Züricher Zeitung (NZZ) ist jedoch irritiert, dass Maletzke anmerkt, einige Texte von Lenz wären „besser nicht geschrieben worden“. Diese Einschätzung werden wohl nur wenige teilen. Aber das Werk von Lenz ist ja außerordentlich umfangreich.
Fazit
Wen Werdegang und Leben von Lenz interessieren, dem sei das Buch empfohlen. Es ist zudem eine angenehm zu lesende Lektüre.
„Siegfried Lenz“, Erich Maletzke
218 Seiten, 19.99 Euro (ebook), zu Klampen Verlag, VÖ 22. Februar 2021
