Ein Buch, das gemischte Gefühle hinterlässt ◼️

Es ist der ruhige Erzählton, der die Bücher von Florian Knöppler auszeichnet. Dieses Mal ist es ein „Coming-of-Age-Roman“, zu Deutsch: ein Roman über das Erwachsenwerden, der in der Gegenwart angesiedelt ist. Ein gutes Buch, das bei mir allerdings gemischte Gefühle hinterlassen hat.
Verlagsinfo
Arne hat eine liebevolle Familie, gute Freunde und allen Grund, mit seinem Leben zufrieden zu sein. Und doch ist er in einer tiefen Einsamkeit gefangen. Erst als er die faszinierende Laura kennenlernt, gelingt es ihm, sich aus seinem Schneckenhaus zu befreien. Zum ersten Mal in seinem Leben spürt er echte Nähe. Doch er ahnt nicht, womit Laura zu kämpfen hat. So ist es fast zu spät, als Arne erkennt, dass nicht nur er auf Laura angewiesen ist, sondern auch sie seine Unterstützung braucht.
Eine Jugend an den Ufern der Krückau
Eine Jugend im Süden Schleswig-Holsteins, in der Elbmarsch, auf dem Land an den Ufern der Krückau. Arnes Familie hat Ländereien am Außendeich. Die Landschaftsschilderungen lassen sofort Bilder vor meinem inneren Auge entstehen:
»Ich […] ging laufen, zunächst auf den Wegen durchs Schwemmland der Krückau bis zur Mündung des Flusses in die Elbe. Dort blieb ich stehen, vor mir die rot und grün blinkenden Fahrwassertonnen imHalbdunkel, die mich immer an kleine Leuchttürme erinnerten, dahinter die Insel Pagensand. Aber ich hielt den Anblick nur kurz aus und lief weiter, so schnell wie sonst nie, den Elbdeich entlang durch den Hafen von Kollmar, sogar bis nach Glückstadt.«
Geschildert werden die Geschehnisse aus der Perspektive von Arne, eines sensiblen Jungen, der zu Beginn 15 Jahre alt ist. Es ist die Zeit, in der ein Sony-Walkman noch eine bewunderte Errungenschaft war. Arne geht es gut: Er hat ein liebevolles Verhältnis zu seinen Eltern. Allerding scheint seine Mutter nicht ganz gesund zu sein (Ein möglicher Grund wird angedeutet, aber erst später erklärt). In der Schule ist er nicht schlecht. Aber: „Warum war ich trotzdem häufig so weit weg von allem, so allein?”, fragt er sich.
Das ändert sich, als er Laura kennenlernt. In den Versuchen, ihr zu gefallen, werden wohl etliche ihre ersten zögerlichen Versuche erkennen, jemanden vom anderen Geschlecht für sich zu begeistern. Sie kommen sich näher. Dann macht Laura einen Rückzieher. Sie kommen sich wieder näher. Es ist ein Hin und Her. Oftmals wird etwas angedeutet mit Hinweis auf spätere Ereignisse. Warum? Ein Stilmittel, das mich eher gestört hat.
Übrigens: Der Titel des Romans ist an eine Zeile aus dem Gedicht „Große Fracht“ von Ingeborg Bachmann angelehnt. Dort heißt es: „Das Beste ist, am Morgen, mit dem ersten Licht, hell zu werden.“
Autor
Florian Knöppler, geboren 1966, studierte Romanistik, Germanistik und Philosophie in Bonn und Bologna. Nach der anschließenden Ausbildung zum Redakteur arbeitete er für verschiedene Radio- und Fernsehsender und schriebZeitungsreportagen. Mittlerweile lebt er auf einem Hof in Schleswig-Holstein. (Quelle: Pendragon Verlag) Das Leben des Autors weist Parallelen zu seinem Protagonisten Arne auf: Beide leben auf einem Hof im südlichen Schleswig-Holstein. Knöppler Studium in Italien, wo auch Arne und Laura eine zeitlang leben. Doch der Autor hat dazu in einem NDR-Interview erklärt: „Ich habe selbst das Allerwenigste in diesem Buch selbst erlebt, aber alles mal gefühlt. … Aus irgendwelchen Gründen … ist das Buch sehr nah an mir dran.”
Fazit
Ich mag den ruhigen Ton. Ich mag Schilderungen aus mir bekannten Regionen. Auch so manche von Arnes Empfinden waren mir als Heranwachsende nicht fremd. Dennoch habe ich mich schwergetan, bis zum Ende durchzuhalten. Es wird viel angedeutet, aber nicht klar aufgelöst. Diese stets mitschwingende Unklarheit, das Zögern von Arne und Laura hat mich kribbelig gemacht. Es ist ein gutes Buch, aber es benötigt entspannte Leser/innen.
„Mit dem ersten Licht“, Florian Knöppler
232 Seiten, 24 Euro, Pendragon, VÖ 18. Februar 2026
